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Gefürchtete Krankheitserreger : Lauwarm ist den Legionellen am liebsten

  • -Aktualisiert am

Duschen lieber unbedenklich: Das Wasser sollte immer mindestens 60 Grad haben Bild: AP

Immer mehr Menschen senken die Temperatur ihres Duschwassers - und erhöhen dabei die Überlebenschancen von Legionellen. Das kann lebensgefährlich sein.

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          Mit Legionellen belastetes Trinkwasser ist kein rein deutsches Thema. Doch seit man hierzulande den Leuten mit staatlich subventionierten Wasserspar-Appellen - zu denen sich wegen steigender Energiepreise eine weitere Motivation für knickriges Verhalten gesellt hat - die Lust an heißen Wannenbädern und entspannendem Duschvergnügen genommen hat, ist dieses Problem zumindest nicht kleiner geworden.

          So senken immer mehr Menschen die Temperatur des Warmwassers auf ein handverträgliches Niveau. Sie tun das, ohne zu wissen, dass Legionellen bei Temperaturen zwischen 15 und 50 Grad bestens gedeihen, während die stäbchenförmigen Bakterien in 60 Grad heißem Wasser (und höher) keine Überlebenschance haben. So stellt man etwa in Nordamerika die Warmwassertemperatur aus europäischer Sicht auf ein extrem hohes, fast gefährlich hohes Niveau ein. Wer hier nicht aufpasst, hat sich schnell die Finger verbrüht.

          Handlungsbedarf ist angesagt

          Und wie groß ist in Deutschland die Legionellengefahr tatsächlich? Nach Schätzungen des Umweltbundesamtes erleiden jedes Jahr 20.000 bis 35.000 Menschen eine Lungenerkrankung, die durch Legionellen hervorgerufen wurde. Und da bis zu 15 Prozent der Fälle tödlich enden, ist Handlungsbedarf angesagt. Das wurde auf einer Informationsveranstaltung des Heizkostenabrechnungsspezialisten Techem deutlich, die dieser zusammen mit dem Analyseunternehmen Fresenius organisiert hatte.

          Hygienisch unbedenklich: Bei der Ring-Installation bleibt das Wasser in Bewegung und spült die Leitung
          Hygienisch unbedenklich: Bei der Ring-Installation bleibt das Wasser in Bewegung und spült die Leitung : Bild: F.A.Z.

          Den Handlungsbedarf sieht man in zweierlei Hinsicht: Zum einen sollten die Verbraucher schnellstmöglich über die Risiken aufgeklärt werden, die von nur mäßig warmem Leitungswasser ausgehen. Und zum Zweiten muss (oder sollte) das Trinkwasser regelmäßig kontrolliert werden. Für Mehrfamilienhäuser mit einer zentralen Warmwassererzeugung (und einem mindestens 400 Liter fassenden Vorratsspeicher) schreibt das die novellierte Trinkwasserverordnung auch zwingend vor.

          Sportler, Sonnenduscher und Altbaubewohner

          So müssen bis Ende des Jahres die Warmwasserinstallationen aller Mietimmobilien bei den Gesundheitsämtern registriert und das Wasser auf Legionellen untersucht werden. In den Folgejahren ist diese Prüfung dann jährlich zu wiederholen. Welche Folgen ein falsch verstandener Sparwille haben kann, davon kann die täglich größere werdende Schar der amtlich zertifizierten (und bei Dienstleitern wie Techem beschäftigten) Legionellenkontrolleure ein Lied singen: Sie berichten von sportlich engagierten Mietern, die in den eigenen vier Wänden schon lange nicht mehr duschen oder baden, sondern sich lieber allmorgendlich im öffentlichen Hallenbad säubern.

          Oder das den Wasserfluss regulierende Eckventil wird ganz oder so weit zugedreht, so dass keinerlei Verschwendung mehr möglich ist. Und auch von „Sonnenduschern“ wird erzählt, die ihr Duschwasser mit Hilfe einer selbstgebauten Kollektoranlage auf Temperatur bringen - und sich an trüben Tagen auch mal mit nur handwarmem Wasser begnügen, ohne zu wissen, dass sie damit dem Legionellenwachstum Vorschub leisten. Gefürchtet ist auch das Leitungsdurcheinander in Altbauten.

          Brutstätte: Bei der herkömmlichen T-Installation kann das Wasser lange in einzelnen Rohrabschnitten stehen
          Brutstätte: Bei der herkömmlichen T-Installation kann das Wasser lange in einzelnen Rohrabschnitten stehen : Bild: F.A.Z.

          Niemand blickt da oft noch durch, wo welche Leitung genau endet. So hat man vor Jahr und Tag etwa ein Waschbecken im Keller abgeklemmt, die Zuleitung mit einem Stopfen verschlossen und damit ein Stück „Totleitung“ geschaffen, durch die kein Wasser mehr fließt und die so zur idealen Brutstätte für Legionellen wurde. Mitunter finden sich in betagteren Bauten auch Leitungen, die man in Erwartung späterer An- und Ausbauten im Mauerwerk versteckt hat und die aber nie aktiviert wurden.

          Auf 70 Grad erwärmen und gründlich durchspülen

          In ihnen steht Wasser, und wenn das von einem parallel liegenden (Warmwasser-)Strang regelmäßig auf Temperatur gebracht wird, schlummert hier eine ernstzunehmende Legionellenquelle. Die zu finden, ist die Aufgabe der Legionellenprüfer immer dann, wenn sie bei ihren Messungen eine unzulässige Konzentration der Bakterien feststellen. Dann muss entweder dem Wasser Chlor zugegeben werden, oder man erwärmt es auf 70 Grad und spült damit alle Leitungen gründlich durch.

          Dazu müssen alle Warmwasserhähne geöffnet werden. Teuer erwärmtes Wasser fließt dann ungenutzt in die Kanalisation, was den einen oder anderen Mieter schon veranlasst haben soll, Mietminderung zu fordern. Dabei steht zweifelsfrei fest, dass das regelmäßige Kontrollieren kostet.

          Recht aufwendig ist es auch, die Trinkwasseranlage so zu modifizieren, dass am Zentralspeicherkessel Wasser fürs Probenehmen gezapft werden kann. Dafür müssen nämlich zwei zusätzliche Hähne installiert werden, und zwar so, dass sie nach der Montage „abgeflammt“ werden können: Damit will man erreichen, dass etwa bei der Montagearbeit ins Trinkwasser gelangte organische Elemente abgetötet werden.

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