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Gebäude : Erst verschoben, dann gefedert

  • -Aktualisiert am

Die Shanghai Music Hall geht auf die Reise Bild:

Um dem Lärm der Schnellstraße zu entkommen, versetzten Stadtplaner die Shanghai Music Hall um 66 Meter. Unter dem neuen Standort führt aber die ratternde U-Bahn her. Deshalb stellten findige Ingenieure das Gebäude auf Stahlfedern.

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          Im Spätherbst des vergangenen Jahres wurde die Shanghai Music Hall mit einem Konzert des London Royal Philharmonic Orchestra feierlich eröffnet. Anschließend wurde - wie nicht anders zu erwarten - in der örtlichen Presse die herausragende Spielkunst der angereisten Musiker gelobt. Doch mindestens genauso begeistert äußerte man sich über die legendäre Akustik des Konzertsaals. Das war keine Selbstverständlichkeit. Denn in den Monaten zuvor hatte das Konzerthaus einiges an Strapazen über sich ergehen lassen müssen. Und zwar in einem Ausmaß, daß man sich gar nicht sicher sein konnte, ob je wieder Musik in diesem rund 1250 Quadratmeter großen Bau in jener Qualität ertönen würde, wie man es von früher her gewohnt war.

          Das von den beiden Architekten Fan Wenzhao und Zhao Chen 1930 konzipierte Gebäude, eines der wenigen damals von einheimischen Planern in westlichem Stil entworfenen Bauwerke Chinas, steht heute nicht mehr dort, wo es errichtet wurde. Es mußte der wachsenden und auf die historische Bausubstanz nur wenig Rücksicht nehmenden Bauwut Shanghais weichen. In unmittelbarer Nähe hatte man eine auf Stelzen stehende Stadtautobahn an dem Konzerthaus vorbeigeführt. Daraufhin machten ohrenbetäubender Verkehrslärm, Schmutz und Erschütterungen Musikveranstaltungen unmöglich. Doch abreißen wollte man das ursprünglich als Filmtheater genutzte Bauwerk auch nicht: Man entschloß sich, das Gebäude um rund 66 Meter in südöstlicher Richtung zu verschieben.

          Damit dies gelingen konnte, mußte der 5800 Tonnen schwere Bau - nach einer mehrmonatigen Planungsphase - erst einmal von den alten Fundamenten gelöst und auf ein eigens hergestelltes Stahlbeton-"Tablett" gestellt werden. Anschließend wurde das Gebäude innen und außen mit stählernen Fachwerkkonstruktionen versteift, damit es, ordentlich verschnürt, auf der Fahrt über die blankpolierten Verschiebebahnen keine Risse bekam. Nach diesen Vorarbeiten konnte mit dem "Translozieren", wie das Verschieben von Gebäuden in der Fachsprache heißt, begonnen werden. 59 Hydraulikzylinder des amerikanischen Verschiebeexperten Enerpac, jeder mit einer Tragkraft von 200 Tonnen, hoben dazu erst einmal in nur sechs Tagen das Gebäude um 1,7 Meter hoch auf die zuvor verlegten "Gleise".

          Das anschließende Verrücken des Bauwerks entpuppte sich dann als Kinderspiel. Nachdem an den ersten Tagen jeweils nur wenige Zentimeter geschafft worden waren, nahm die Shanghai Music Hall dann langsam Fahrt auf und legte am letzten der zwölf Reisetage ganze 16,5 Meter zurück. Am neuen Standort waren die Hebezylinder ein zweites Mal gefordert. Sie mußten den Bau von der Verschiebeplatte heben und auf den Wochen zuvor errichteten Fundamenten abstellen, also wieder um 1,7 Meter absenken.

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