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Furnier : Jede Oberfläche ist ein Unikat

Eine Schutzschicht sorgt dafür, dass das Holz nicht unter UV-Licht ausbleicht. Bild: Picture-Alliance

Wer ein individuelles Muster für Oberflächen sucht, kommt an Holz nicht vorbei. Die besten Bäume gelangen als Furnier auf den Markt. Art und Schnitt bestimmen das Muster.

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          Wenn es darum geht, das Original von einer Nachahmung zu unterscheiden, muss manchmal selbst der Fachmann passen. Möbel und Ausstattungsgegenstände wirken heute wie aus Holz, die Oberfläche besteht aber aus Kunststoff. Selbst der Experte erkennt es nur aus nächster Distanz und vielleicht an der Haptik, alle anderen müssen zur endgültigen Klärung, ob es echtes Holz ist oder nicht, ein Feuerzeug bemühen.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die immer natürlicher wirkenden Oberflächenfolien haben der Furnierindustrie in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen Zusammenbruch beschert, nur noch eine Handvoll Unternehmen produzieren in Deutschland selbst. Aber es gibt einen regen Handel, denn echtes Furnier hat gegenüber den Substituten einen handfesten Vorteil: Da es aus einem Naturprodukt gemacht wurde, ist jede Oberfläche ein Unikat. Als teure Lösung für exklusive Gegenstände ist es daher weiterhin gefragt. Es ziert Fahrzeuge, Möbel und Gebäude, verschönert Musikinstrumente, Surfbretter, Smartphone-Hüllen und Brillengestelle.

          Jedes Furnier ist ein Unikat, aber in der Serie soll der Innenraum ähnlich aussehen. Die Auswahl treffen spezialisierte Einkäufer. Bilderstrecke

          Der Gedanke, die dünne Schicht werde verwendet, weil das Geld für massive Möbel nicht gereicht habe, geht freilich in die Irre, denn billig war Furnier noch nie. Tatsächlich wäre es reine Verschwendung, gute Bäume nicht in feine Blätter zu schneiden. Das wussten schon die Ägypter vor 3000 Jahren, denn wie aus Pharaonengräbern bekannt ist, wurde damals einfaches Holz durch eine dünne Beschichtung veredelt. Das ist heute im Grunde nicht anders. „Sonst gäbe es in den Wäldern bald keine dicken Bäume mehr“, sagt Axel Groh. Sein Unternehmen Schorn & Groh ist einer der wenigen verbliebenen Spezialisten auf dem Markt, es versorgt unter anderem Zulieferer und Hersteller von Yachten, Privatjets und Luxuslimousinen, darunter Mercedes-Benz und Bentley; dort steht Holz für gediegenen Komfort, in den sportlichen Varianten wird Aluminium oder Karbon bevorzugt. Am Firmensitz in Karlsruhe warten fünf Millionen Quadratmeter Furnier von 140 Holzarten auf Einkäufer. Die Objekte direkt anzusehen sei wichtig, erklärt Groh, auf Fotos kämen die Details und die Farben nicht so gut zum Ausdruck.

          Groh ist Diplom-Forstwirt und einer der Spezialisten, die aus den wenigen in Frage kommenden Bäumen die geeigneten Stämme aussuchen und kaufen. Dazu gehört eine Menge Erfahrung, denn nicht selten muss der Stamm beurteilt werden, bevor der Baum gefällt ist. Das kann sogar ein einzelnes, besonders schönes Exemplar mitten im Wald sein. Eiche, Birke, Buche, Ahorn und viele andere der rund 90 heimischen Arten kommen in Frage. Sie werden zum Teil gemeinsam mit dem Förster begutachtet und einige Jahre später geerntet. Oder auch auf Auktionen verkauft. Die Zusammenarbeit mit dem Forst gewährt dem Fachmann interessante Einblicke in den Zustand des Waldes, denn gefragt sind hochwertige, je nach Art 80 bis 200 Jahre alte Bäume mit zarten Verfärbungen oder natürlichen Einschlüssen im Holz, die sich zu einem Furnier mit interessanter Maserung verarbeiten lassen.

          Eiche kann bis zu 3000 Euro je Kubikmeter bringen

          Nachhaltigkeit, gemessen an der Menge des Holzes, gebe es im deutschen Wald schon, sagt Groh, nicht aber in Furnierqualität. Es werde immer schwerer, gute Stämme zu finden. Die in der Initiative Furnier und Natur zusammengeschlossene Branche achtet streng auf ihren Ruf, viele Produkte, auch aus den Tropen, sind zertifiziert. Die Einnahmen aus dem Verkauf von wertvollem Holz sichern den Regenwald, sie verhindern, dass er zum Weideland wird. Der Furniereinkäufer ist auch hierzulande der Freund des Försters, denn so viel Geld für sein Holz bekommt er von keinem anderen Kunden, allerdings sind die gekauften Mengen gering. Eiche zum Beispiel kann bis zu 3000 Euro je Kubikmeter bringen. Wenn Fäulnis oder Metalleinschlüsse durch Granatsplitter vorhanden sind, vermindert das den Preis. Die Parkett- und Möbelindustrie zahlt noch nicht einmal ein Drittel dafür, der Wert als Brennholz liegt derzeit bei etwa 80 Euro.

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