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Funkamateur-Messe : Lauter beste Freunde

  • -Aktualisiert am

Es geht den funkenden Menschen wie der funkenden Technik: Man altert in Würde. Bild: Pardey

Wer funkt denn heute noch? In Friedrichshafen treffen sich seit 40 Jahren die Funkamateure. Seit 2014 sind auch die Maker dabei. Wir haben uns einmal umgeschaut.

          2 Min.

          Heute, wo tagtäglich vom anderen Ende der Welt Briefschaften à la „Mary-Ann Schroedinger möchte mit Dir auf Facebook befreundet sein“ im Digitalbriefkasten stecken, muss man den Amateurfunk etwas umständlicher erklären. Dass er das Internet nicht nur überlebt hat, sondern auch selbstverständlich nutzt, hängt wesentlich damit zusammen, dass Amateurfunk viel mehr ist, als eine Botschaft von A nach DX oder wenigstens bis zur nächsten Relaisfunkstelle zu schicken. Eigentlich gibt es den einen Amateurfunk gar nicht, denn diese technische Liebhaberei besteht aus vielen verschiedenen Spielarten.

          Man kann zum Beispiel funkend zum Paragraphenreiter werden und sich durch die Grenzwerte der 26. BImschV wühlen, also der sechsundzwanzigsten Verordnung zur Durchführung des Bundesimmissionsschutzgesetzes. Oder man ist eher athletisch veranlagt – was sich ganz gewiss nicht von allen Funkamateuren behaupten lässt angesichts des BodyMass-Index, mit dem manche flinkfingrig an der Taste sind. Die Sportlichen hingegen kombinieren Funkpeilen mit Geländelauf. Man kann gruppenweise auf DX-pedition gehen und von Eilanden oder aus Ländern funken, von denen aus sonst so gut wie nie gefunkt wird. Die dabei getätigten und bestätigten Verbindungen, die nur sekundenlange Bruchteile von Minuten dauern müssen, dienen den Diplomjägern wiederum dazu, die wunderschönen Urkunden zu ergattern, die belegen, dass und mit wie vielen Ländern einer (oder eine) gefunkt hat. Denn auch Frauen funken, heißen dann aber nicht Funkamateuse, sondern ganz kurz – und englisch auszusprechen – YL wie Young Lady.

          Funker lauschen Mondechos

          Funkamateure werden in verschiedenster Hinsicht zu hochspezialisierten Hobbyisten. Sie konzentrieren sich etwa auf einen einzelnen Frequenzbereich, sagen wir, in den Gigahertz-Bändern, oder auf eine Betriebsart, sei es nun die Morsetelegrafie in irrsinnigem Tempo oder ziemlich ähnlich klingende digitale Formen der Übertragung. Sie funken mit Satelliten, von Berg zu Berg oder horchen auf die Echos, die der Mond zur Erde zurückschickt, wenn man ihm ausreichend starke Signale aufbrummt. Dass ein Lehrer ein Lehrer bleibt, wenn er Funker ist, versteht sich; manche werden zu Missionaren, die ihre Schüler fürs Funken zu begeistern versuchen. Man kann auch über sein Arbeitsleben hinaus Marinefunker bleiben und findet in der Untergemeinschaft Gleichgesinnte, genauso wie als funkender Pfadfinder.

          Die Friedrichshafener Messe Ham Radio hat zum vierzigsten Mal am vergangenen Wochenende dieses in Wirklichkeit noch viel breitere und international verteilte Spektrum des Amateurfunks sichtbar gemacht. Eine freundschaftlich- folkloristische wie technisch anspruchsvolle Mischung: Zwei Hallen Flohmarkt bieten von technischem Plunder bis zu ausrangierter Profitechnik, von alten Röhren, Surplusgeräten des – vorzugsweise östlichen – Militärs und Computern mit abgelaufener Leasinglaufzeit bis zu Antiquitäten aus der Zeit des Dampfradios, der Enigma und des Fernschreibers alles, was sich doch noch mal verwenden lässt.

          Nachwuchs durch Basteln und Werkeln gewinnen

          Denn das darf man ja nicht vergessen: Amateurfunk war und ist auch – und das nicht zuletzt – Basteln. In der Frühzeit musste man sich einfach seine Geräte selbst bauen. Dann kamen die industriell gefertigten Amateurfunkgeräte, die bis heute immer aufwendiger werden. Aber das Basteln verschwand nicht nur nicht, sondern behielt – sozusagen als Spezialdisziplin – seinen Stellenwert. Denn manches gibt es bis heute nicht an der nächsten Ecke zu kaufen – Gigahertz-Spezialitäten oder Geräte für das Funken mit minimaler Ausgangsleistung. Und je dringender der Amateurfunk sich um Nachwuchs bemühen musste, desto deutlicher entdeckten die Amateurfunkvereine den Selbstbau als Einstieg, über den sich Jugendliche gewinnen lassen.

          „Jugend forscht“ steht aber eine Halle weiter auf der Maker World, diesem noch zarten Messepflänzchen für Bastler jeglicher Couleur. Bastler, Maker, Upcycler, gewiss, das hat eher etwas modisch Bemühtes wie die Cosplayer, die sich emsig auf die Armschiene einer Elfenrüstung Dornen kleben. Aber auch für die Steampunker ist die Nähe zum Flohmarkt der Funkamateure durchaus bereichernd: Dies und das für ihre irgendwie das viktorianische Zeitalter zitierenden Kostüme lässt sich da schon finden.

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