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Recycling von Plastikbauteilen : Die Kunst, Stoffe zu zerlegen

  • -Aktualisiert am

Kleinteilig: Geschreddertes wandert in den Kreislauf für Kunststoffabfälle. Bild: KIT

Jedes Fahrzeug steckt voller Plastikbauteile. Die Kunststoffe werden immer komplexer, und damit auch immer schwerer zu recyceln. Ein Konzept des Karlsruher Instituts für Technologie bringt nun Fortschritt in die Sache.

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          Um Gewicht zu sparen, setzen die Autohersteller immer mehr Bauteile aus technischen Kunststoffen ein. Die Anforderungen sind hoch und oft nicht mit sortenreinem Material zu erfüllen. Außerdem enthalten sie oft Flammschutzmittel auf Chlor- oder Brombasis. Die Folge: Ein stoffliches Recycling ist nicht möglich. Bleibt nur das Verbrennen.

          Forscher am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben deshalb ein Konzept entwickelt, mit dem sich Karosserie- und Motorteile, Armaturenbretter, Lenkräder, Armstützen und andere Bauteile in ihre Bestandteile zerlegen lassen. Das geschieht in einem Pyrolysereaktor, in dem die geschredderten Bauteile unter Luftabschluss erhitzt werden. Dabei bricht die Vernetzung der Kunststoffe auseinander. Es bilden sich brennbarer Koks, ein Gas, das Monomere enthält, aus dem sich einfache Kunststoffe herstellen lassen, und ein Pyrolyseöl, das natürlichem Erdöl gleichwertig ist. Zehn Prozent des Energieinhalts der zu recycelnden Autobauteile werden für das Erhitzen benötigt. Einen Teil davon liefert der entstehende Koks.

          Verbundkunststoffe, die aus mehreren Sorten bestehen, lassen sich auch mit Hilfe von Lösungsmitteln in ihre Bestandteile zerlegen. Forscher an der University of Wisconsin-Madison haben ein entsprechendes Verfahren entwickelt. Das funktioniert allerdings bisher nur mit transparenten Verpackungsfolien für Lebensmittel und medizinische Geräte. Lösungsmittel für Hochleistungskunststoffe gibt es noch nicht.

          Der Autohersteller Audi will das Recyclingverfahren in einem Pilotprojekt testen. Dazu werden Kunststoffbauteile wie Kraftstofftanks, Radzierblenden und Kühlerschutzgitter zerkleinert und in einem Pyrolysereaktor umgewandelt. Wenn es gelingt, aus dem Pyrolyseöl Bauteile herzustellen, die den hohen Anforderungen der Autoindustrie genügen, soll der Erdölverbrauch Zug um Zug verringert werden.

          Audi ist beim Recyceln in einem anderen Bereich schon weiter, bei Flaschen aus Polyethylenterephthalat (PET). Die jüngste Version des Modells A3 wird mit Sitzbezügen ausgestattet, die großenteils aus recyceltem PET hergestellt werden.

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