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Flugzeuglärm : So werden Flugzeuge leiser

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Genial einfach: Das Ableitblech am Druckausgleichsventil, im Bild oben rechts vor dem Loch in der Tragfläche Bild: Hersteller

Wo geflogen wird, ist der Lärm nicht weit. In der Branche wird an vielen Schrauben gedreht, damit das Fliegen in Zukunft leiser wird. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

          Im Verhältnis zum Flugzeug ist das Teil winzig. Doch das Plättchen, das unter die Tragfläche geschraubt wird, zeigt große Wirkung. „Zwei nervige Tonfrequenzen verschwinden“, sagt Gerd Saueressig, Referent für Umweltkonzepte bei Lufthansa. Den sogenannten Wirbelgenerator zu entwickeln dauerte Jahre. Das wenige Zentimeter große Bauteil steht symptomatisch für die Schwierigkeit, Fluglärm einzudämmen.

          Auf einer Veranstaltung zum Lärmschutz zieht Lufthansa-Vorstand Kay Kratky einen Wirbelgenerator aus der Hosentasche und hält ihn in die Luft. „Geschätzt kostet so ein Teil zwei- bis dreitausend Euro“, der Großteil davon seien Entwicklungskosten. Das Metallplättchen verhindert durch einen Luftwirbel, dass eine Öffnung unterhalb der Tragfläche, die Tankdruck-Ausgleichsöffnung, einen hohen Ton erzeugt. Dieser entsteht ähnlich wie beim Pusten über eine Glasflasche. Während der Forschung rechneten die Entwickler mit bis zu zwei Dezibel Geräuschreduktion im Anflug. Gemessen haben sie nun vier Dezibel zwischen 17 und 10 Kilometer vor der Landung - und für den Menschen angenehmere Frequenzen. Die Verbesserung ist hörbar, denn ungefähr zehn Dezibel weniger bedeuten für den Menschen halb so viel Lärm. Die aus 157 Flugzeugen bestehende A320-Flotte soll nun mit Wirbelgeneratoren ausgerüstet werden. 15 Stunden brauchen die Techniker je Flugzeug. Warum ist man nicht schon eher auf die Idee gekommen?

          Neue Flugzeugtypen werden leiser

          „Nicht jede Öffnung erzeugt auch automatisch einen Ton“, sagt Saueressig. Mit aufwendigen Messverfahren müssen Forscher zunächst Lärmquellen am Flugzeug identifizieren und dann eine Lösung finden, die keine neuen Probleme verursacht. Außerdem ist jede Modifikation an einem Flugzeug aufgrund der Sicherheitsstandards genehmigungspflichtig.

          „Wir machen enorme Fortschritte, aber dieser Weg ist auch extrem teuer“, sagt Kratky. Doch diese Investitionskosten nehmen die Unternehmen in Kauf. Denn lärmgeplagte Bürger, die Nachtflugverbote durchsetzen, sind schlecht fürs Geschäft. Neben weiterer Forschung ist für die Branche auch der Dialog mit den Anrainern wichtig. Deshalb hat der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft die Website „fluglärm-portal.de“ jetzt aktiv geschaltet. Das Portal enthält Informationstexte und Grafiken, in denen der Verband das Thema Fluglärm mit allen Aspekten zu erklären versucht. Auch der Wirbelgenerator ist dort zu finden.

          Neben diesen kleinen Verbesserungen machen neue Flugzeugtypen den Unterschied. Eine Boeing 747-8 verursacht beim Starten einen 30 Prozent kleineren Lärmteppich als die Vorgängerin 747-4. Von 2020 an soll die 777-9X kommen, die nochmals um zehn Prozent leiser ist. Das Hauptproblem in Sachen Lärm sind die Triebwerke, dort entstehen vor allem beim Abflug laute Geräusche mit unterschiedlichen Frequenzen. Verursacher sind Verdichter, Turbine, Brennkammer, Strahl und Fan. Verschiedene Ansätze sollen die Triebwerke leiser machen.

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