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Flugzeug „Solar Impulse“ : Ohne einen Tropfen Sprit um die Welt

  • -Aktualisiert am

Mit Impuls in den blauen Himmel Bild: dpa

Ein großes viermotoriges Flugzeug, das nur Platz für den Piloten hat und kaum vom Fleck kommt - wozu soll das gut sein? Für den Start in die Zukunft. Die „Solar Impulse“ soll mit Sonnenenergie die Welt umrunden.

          7 Min.

          Bertrand Piccard ist der Mann, der wahr machte, was Jules Verne nicht einmal zu träumen wagte. Er umrundete die Erde in einem Ballon. Es war das anachronistischste, aber vielleicht auch futuristischste Abenteuer des Jahres 1999. Als er mit seinem Begleiter Brian Jones nach 20 Tagen in der ägyptischen Wüste landete und die hochtechnisierte Überlebensgondel des „Breitling Orbiter 3“ verließ, war der Gasvorrat für die Brenner fast erschöpft. Bei ungünstigeren Winden wäre er gescheitert. Es klingt wie eine Anekdote, aber vielleicht ist es ja die Wahrheit, wenn er sagt: „Damals dachte ich, für die nächste Erdumrundung nimmst du ein Fluggerät, das keinen Treibstoff braucht.“ Mit diesem Gedanken beginnt die Geschichte der „Solar Impulse“.

          Im Mai 2010 steht die „Solar Impulse“ in einem großen Hangar, der nach allen Seiten kein Ende nimmt und dennoch gerade ausreicht. Sie ist ein exotischer Gast auf dem Militärflugplatz Payerne im Schweizer Kanton Waadt. Hier starten gewöhnlich kleine, schnelle Jets, die unheimlich viel Lärm machen. Die „Solar Impulse“ ist groß, langsam und unheimlich leise. Als sie am 7. April 2010 zum ersten Mal losrollte und sich trotz Schneckentempos wunderbarerweise von der Startbahn löste, hielten einige tausend Zeugen den Atem an. Man meinte, das Atemanhalten zu hören, denn das Flugzeug selbst gab kaum einen Laut.

          Die „Solar Impulse“ ist Piccards in Kunststoff gegossene Idee vom Weltflug ohne Treibstoff. Ein Flugapparat, wie es noch keinen gab. Im geweiteten Auge des Laien nimmt er sich als ein filigranes Monster aus. Für Fachleute ist er ein Schulterdecker mit einer alles beherrschenden Tragfläche, die von Flügelspitze zu Flügelspitze 63,40 Meter misst. Mit dieser Spannweite können Airbus und Boeing locker 300 Passagiere durch den Himmel karren. Das Solarflugzeug trägt nur den Piloten und tut sich damit schon schwer. Er soll in einem schulterbreiten Cockpit die Welt erobern. Hinter sich hat er einen kurzen, eher verkümmerten Rumpf, der nur zur Befestigung der Höhen- und Seitensteuerflächen da ist. Einen Schönheitspreis wird die „Solar Impulse“ nicht gewinnen. Als Charles Lindbergh 1927 sein auch recht exzentrisches Ozeanflugzeug „Spirit of St. Louis“ in Augenschein nahm, sagte er: „Für mich ist die ganze Zukunft der Luftfahrt in ihr enthalten.“

          Vom ersten Flug hat Scherdel den teuren Vogel glücklich an einem Stück nach Hause gebracht
          Vom ersten Flug hat Scherdel den teuren Vogel glücklich an einem Stück nach Hause gebracht : Bild: Solar Impulse

          Nicht für einen Eintrag ins alberne Guinness-Buch der Rekorde

          Die „Solar Impulse“ mit dem Kennzeichen HB-SIA wurde nicht für einen Eintrag ins alberne Guinness-Buch der Rekorde gebaut. Gewiss soll sie Rekorde brechen, aber ihre Hauptaufgabe ist die Verbreitung einer Botschaft: „Wenn ein Flugzeug ohne einen Tropfen Treibstoff bei Tag und bei Nacht fliegen kann, angetrieben nur mit Sonnenenergie, wird doch niemand mehr behaupten wollen, Automobile, Heiz- und Kühlsysteme oder Computer könnten so nicht funktionieren.“ Seht her, heißt das, hier kommt die Energiewende! Sie kommt sehr langsam. Die Lufthansa darf sich einstweilen noch nichts erhoffen.

          Neu und verblüffend ist die Tauglichkeit für den Nachtflug. Die „Solar Impulse“ hat nicht weniger als 200 Quadratmeter schwarzblau schimmernder Solarzellen auf Flügeln und Höhenflosse. Sie liefern Strom für vier Elektromotoren mit Propeller. Damit steigt sie im Sonnenschein bis auf 8500 Meter, eine Flughöhe, die der Pilot nur mit Sauerstoffmaske und arktischer Kluft übersteht. Wenn der Tag zur Neige geht, hat die Sonne nebenbei auch die Batterien für den Nachtflug gefüllt. Allein die Batterien wiegen rund 400 Kilogramm - ein Viertel der Gesamtstartmasse. Wenn es dunkel wird, muss der Pilot in überlebensfreundliche Lufträume abtauchen und tief durchatmen. Bis zum nächsten Sonnenaufgang.

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