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Flugzeug „Solar Impulse“ : Ohne einen Tropfen Sprit um die Welt

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Der Name Piccard ist nicht nur in der Schweiz ein Inbegriff für die Symbiose von Abenteuer und Forschung. Bertrands Großvater Auguste Piccard stieg im Jahre 1932 mit seinem Begleiter Max Cosyns in einem Ballon bis in die Stratosphäre: 16940 Meter. So weit hatten sich Menschen bis dahin noch nie von der Erdoberfläche entfernt. Dann der Vater: In dem Tauchboot „Trieste“ ging Jacques Piccard im Januar 1960 in entgegengesetzter Richtung auf Erkundungsfahrt. Zusammen mit Don Walsh sank er im Marianengraben bis knapp 11000 Meter unter den Meeresspiegel, die größte je erreichte Wassertiefe. Diese Piccards können von sich sagen, sie hätten die Grenzen der bekannten Welt ein wenig verschoben. Und nun der Enkel: Bertrand Piccard, 1958 in Lausanne geboren, ist Mediziner mit den Spezialgebieten Psychotherapie und Hypnose, Präsident einer humanitären Stiftung und Vater dreier Töchter. Aber all das scheint einen Mann von seinem Schlag nicht auszufüllen. So verschrieb er sich auch noch hundertprozentig der Luftfahrt. Sein Motto: „Der einzige Weg, nie zu scheitern, ist, es nie zu versuchen.“

Als sich Otto Lilienthal 1891 auf das Wagnis des Fliegens einließ, hatte er noch keine Ahnung von der Form und Größe, vom Gewicht und Material, von der Bauweise und Festigkeit der Flügel, die ihn durch die Luft tragen sollten. Fliegen war bis dahin nur Wunsch und Gedanke. So ähnlich ging es auch im Fall der „Solar Impulse“ los. Die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne unterzog Piccards Solarflugidee einer Machbarkeitsstudie und kam zu einem positiven Ergebnis. Die Hochschule vertraute dem Urteil eines Mitarbeiters, der Piccard in seiner Vielseitigkeit kaum nachsteht: André Borschberg. 1952 in Zürich geboren, studierte er Maschinenbau, wurde Jagdflieger und holte sich am renommierten MIT, dem Massachusetts Institute of Technology, das Rüstzeug für Managementaufgaben. 2003 wurde er Piccards Partner. Da haben sich zwei gesucht und gefunden. Gemeinsam leiten sie das Unternehmen „Solar Impulse SA“, das mittlerweile eine siebzigköpfige Mannschaft von Wissenschaftlern, Konstrukteuren, Technikern und Logistikern umfasst. Vor der Halle steht Borschbergs kleiner Hubschrauber für eilige Ausflüge.

Vorbilder waren die Muskelkraftflieger

Wenn es für die „Solar Impulse“ überhaupt Vorbilder gab, so waren es Muskelkraftflieger, die ja auch das beinahe Unmögliche schafften: extrem leichte Apparate mit geringster Flächenbelastung zu bauen und einen schlanken Menschen mit strammen Waden hineinzusetzen. Tret- und Solarflugzeuge haben verwandte Züge: Sie sind notorisch untermotorisiert. Pioniere wie der amerikanische Physiker Paul MacCready und der Münchner Designer Günter Rochelt befassten sich nicht zufällig mit beiden Antriebsarten (siehe Kasten).

Flugzeugbauer mussten schon immer jedes überflüssige Kilo einsparen, ohne einen Bruch riskieren zu dürfen. Bei der „Solar Impulse“ zählte jedes Gramm. Sie rechneten und feilten so lange an jedem Flugzeugteil herum, bis sie nichts mehr weglassen konnten. Aus der Luftfahrtindustrie kam die Auskunft, ein Tragflügel der gewünschten Art sei nicht zu machen. Ein Bootsbauer am Genfer See machte es. Ergreift man eine der 150 Rippen, die dem Flügel die aerodynamische Form geben, so scheint sie kaum schwerer in der Hand zu wiegen als schiere Luft. 2008 begann der Bau. Der tragende Holm, das Rückgrat des Flügels, ist ein Kohlefaserkunststoffbalken von 61 Meter Länge. Bei den Belastungstests mussten sich die Teams am linken und rechten Flügelende mit Funkgeräten verständigen. In einer Halle in Dübendorf, dem Zürich benachbarten alten Militärflugplatz, fügten sich die Teile zum großen Ganzen. Ende 2009 machte die „Solar Impulse“ schon mal probeweise einen meterhohen Hüpfer, ohne wegzufliegen.

Sein Großvater war noch der Typ des weltfremden Professors

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