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Flottenstrategie der Bahn : Fahrzeuge für Milliarden, ICE für alle

Die Bahn will hin zum ICE für alle Bild: dpa

Bei der Deutschen Bahn stehen große Entscheidungen an. Von der alten Flotte soll einiges ausrangiert werden. Was die Neuanschaffungen angeht, wird zum Beispiel auch über Doppeldecker aus Frankreich nachgedacht.

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          Nehmen wir die Kristallkugel einer auf Verkehrsfragen spezialisierten Wahrsagerin, und schauen wir hinein. Wir sehen Autos, viele Autos. Sie stehen im Stau. Wir sehen Menschen unter dem zunehmenden Zwang zur Mobilität und mit einer nicht nachlassenden Neigung zur Vergnügungsreise. Alle Welt fliegt, wir sehen einen Himmel voller Flugzeuge. Und was sehen wir bei der Bahn? O je, auch da wird's eng.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Im Grunde ist es schon heute eng. Der Schienenverkehr in Deutschland stößt an Grenzen, das Netz ist stellenweise bereits ausgelastet. Überdies wird in Zukunft, so erwartet man bei der Deutschen Bahn, die Nachfrage nach Transportkapazitäten schneller wachsen, als die Infrastruktur ausgebaut werden kann. Das klingt nicht gut. Die Strategen des Verkehrsunternehmens sehen dennoch Möglichkeiten, sich dem zu erwartenden steigenden Bedarf bei einer begrenzten Leistungsfähigkeit des Netzes zu stellen. Man könne versuchen, die betrieblichen Abläufe zu verbessern, die Signaltechnik zu optimieren, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit der Technik insgesamt zu steigern und die durchschnittlichen Transportgeschwindigkeiten zu erhöhen.

          „Spannende Diskussionen“

          Der Güterverkehr ließe sich durch eine bessere Anpassung der Wagen an moderne Verladetechnik beschleunigen, im Personenverkehr seien Fortschritte durch kürzere „Fahrgastwechselzeiten“, also Aufenthalte zum Ein- und Aussteigen, sowie durch ein effizienteres Nutzen des Raums in den Zügen möglich. Letzteres muss nicht bedeuten, Sitze enger zusammenzustellen, die Passagiere zusammenzupferchen wie in Flugzeugen. Derlei sei nicht vorgesehen, wird bei der DB hervorgehoben. Vielmehr lasse sich vorhandener „Totraum“ in den Wagen besser nutzen durch eine Verlagerung von technischen Komponenten an Stellen im Zug, wo sie keine Sitzplätze wegnähmen.

          Die IC und EC sollen von den Schienen verschwinden

          Was die DB nach eigener Einschätzung vor allem braucht, das sind neue Fahrzeuge. Hier soll sich in den nächsten Jahren immens viel tun, dabei soll mit mancher Gepflogenheit aus der Vergangenheit gebrochen werden. Entscheidungen über die Beschaffung neuer Fahrzeugflotten und „spannende Diskussionen“ darüber stehen an, wie es heißt. Nach den Worten von Joachim Mayer, dem Leiter des Produktbereichs Fahrzeuge der DB, geht es um „acht große Fahrzeugprojekte sowie unzählige Güterwagenthemen“.

          Wettbewerb zwischen Siemens und Alstom

          Ein großer Wachstumsmarkt wird im internationalen Verkehr gesehen. Für Verbindungen ins westliche Ausland, vornehmlich Frankreich, will die DB kurzfristig zehn zusätzliche Hochgeschwindigkeitszüge beschaffen. Die Ausschreibung soll noch dieses Jahr, der Vertragsabschluss 2008 erfolgen. Bis zum Jahr 2012 sollen die zehn Neuen geliefert sein. Das ist in der Bahnbranche ein relativ knapp bemessener Zeitraum: Züge sind Spezialanfertigungen nach den Anforderungen des Betreibers, die man nicht mal eben aus dem Katalog bestellt. Obendrein wird die Industrie, wie Mayer erklärt, in nächster Zeit voraussichtlich gut beschäftigt sein, weil auch bei anderen Bahngesellschaften wie der französischen SNCF Beschaffungsdruck entstehe.

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