https://www.faz.net/-gy9-ut11

Flottenstrategie der Bahn : Fahrzeuge für Milliarden, ICE für alle

Im Fernverkehr laufen die Überlegungen auf zwei Plattformen hinaus, weil mit Geschwindigkeiten von 200 bis etwa 350 km/h eine große Spannbreite abgedeckt werden soll. Eine davon trägt den Arbeitstitel ICE X, sie soll Nachfolger der klassischen IC- und EC-Züge mit Loks und Wagen, in ihrer Anmutung innen wie außen ein neuer Teil der schmucken ICE-Familie sein und mit 230 oder 250 km/h verkehren. Die Ausschreibung für 100 Züge, mithin 800 Wagen, soll Anfang 2008 erfolgen, die Auftragsvergabe etwa ein Jahr darauf. Spätestens 2014 soll mit der Auslieferung beginnen, wer den Zuschlag erhält. Wer das sein wird, sei offen, auch hier komme es auf das günstigste Angebot an, sagt Joachim Mayer. Spätestens zwischen 2017 und 2019 sollen alle IC/EC von den Schienen verschwunden sein. Allerdings steht noch zur Debatte, ob für den ICE X während einer Übergangszeit die Loks der Baureihe 101 verwendet werden, deren Nutzungsende erst 2027, ein gutes Jahrzehnt nach dem der dazugehörigen 800 Reisezugwagen, kommt. Das hätte finanzielle Vorteile, würde jedoch das gewünschte einheitliche ICE-Erscheinungsbild empfindlich stören.

Riesenauftrag bei der Regio-Flotte

Für Geschwindigkeiten von mehr als 250 km/h wäre nach diesem Szenario eine zweite Fernverkehrsplattform zu entwickeln. Die 59 Züge der Generation ICE 1, die zur Zeit umfassend renoviert werden, sind etwa im Jahr 2020 auszutauschen, für die 44 Halbzüge des ICE 2 wird 2025 Ersatz fällig, für den ICE 3, von dem die DB 63 Exemplare besitzt, ungefähr 2030. Dann wäre es Zeit für einen „ICE 4“ - was auch immer das sein mag. Sicher ist, dass man bei der Deutschen Bahn auf eine im Vergleich zum ziemlich luxuriösen, für etwa 24 Millionen Euro je Stück angeschafften ICE 3 preisbewusstere Gestaltung achtgeben will. „Kein Granit und Edelholz mehr“, wie Mayer klarstellt, „aber wir wollen den Kunden dennoch ein hochwertiges, attraktives, solides Erscheinungsbild bieten.“

Bis dahin dauert es noch eine Weile, viel früher stehen Entscheidungen in anderen Geschäftsfeldern an. Im Juli dieses Jahres soll die Ausschreibung einer neuen Plattform für Reisezugwagen für die DB Regio fertig sein. Dabei geht es um einen Riesenauftrag, nach Angaben Mayers 130 bis 150 Doppelstockwagen je Jahr über einen Zeitraum von fünf bis sechs Jahren hinweg. Im Zuge der Erneuerung der Regio-Flotte sollen nach und nach die Einzelstockwagen durch Doppeldecker ersetzt werden. Die sollen die Voraussetzung einer flexiblen Anpassung an regional oft unterschiedliche Anforderungen (Ausstattung, Raumaufteilung, Länge, Einstiegshöhen, Fahrgastinformation) mitbringen. Für 2008 steht bei der DB Regio außerdem die Ausschreibung für „einige hundert Dieseltriebwagen“ an.

Zwei von drei Fahrten über die Grenze

Um große Zahlen geht es ebenso im Güterverkehr. 600 neue Rangierlokomotiven will die Bahn zwischen 2009 und 2025 in Dienst stellen, die Ausschreibung ist für Juli/August 2007 vorgesehen. Diese Arbeitstiere mit 1 Megawatt Leistung werden bei der Zugbildung und auf Kurzstrecken eingesetzt. Die Ausschreibung für mehr als 200 Diesel-Streckenloks mit 2 Megawatt Leistung für den Güterverkehr auf nichtelektrifizierten Strecken steht gleichfalls noch für dieses Jahr an. Für 2011 meldet die Railion, die Frachtsparte der DB, Bedarf an 335 elektrischen Güterloks mit 6 Megawatt Leistung, von denen ein Großteil für den grenzüberschreitenden Verkehr ausgerüstet sein soll. Solche Mehrsystemloks gewinnen zunehmend an Bedeutung, schon heute wird nach den Worten von Bahn-Sprecherin Christine Geißler-Schild bei rund 60 Prozent der Fahrten im Schienengüterverkehr mindestens eine Ländergrenze überquert. „Wir sind auf dem Weg zu zwei Dritteln.“

Für die Jahre 2009 bis 2011 hat sich Railion vorgenommen, etwa 8.000 bis 10.000 Güterwagen unterschiedlichster Arten von flach über geschlossen bis Schüttgut und Container in Betrieb zu nehmen. Allein dafür wäre etwa eine Milliarde Euro auszugeben.

Weitere Themen

BMW 2er Grand Coupé Video-Seite öffnen

Probefahrt : BMW 2er Grand Coupé

Mit dem neuen 2er Gran Coupé unterfüttert BMW seine 3er-Reihe und erweitert gleichzeitig das Angebot in der kompakten Klasse. Dieser BMW hat Frontantrieb - nur das Topmodell nicht.

Topmeldungen

Hanau und die AfD : Der Gipfel des Zynismus

Die AfD mimt auch nach dem Massenmord von Hanau wieder die verfolgte Unschuld. Doch kann niemand mehr die Augen davor verschließen, dass diese Partei die völkische Aufwiegelung zum Geschäftsmodell gemacht hat.

F.A.Z. Exklusiv : Hanauer Attentäter suchte Hilfe bei Detektei

Der Attentäter von Hanau hat sich im Oktober 2019 mit einem Detektiv getroffen. Er bat ihn um Hilfe, weil er sich von einem Geheimdienst beschattet sah. Die Aussagen, die Tobias R. damals machte, stützen das Bild eines geisteskranken Täters.
Will das Optimum aus seinem Wagen holen: Mercedes-Pilot Lewis Hamilton in Barcelona

Formel-1-Rennstall verblüfft : Der Lenkrad-Trick von Mercedes

Gerade erst sind die Testfahrten vor der neuen Saison in der Motorsport-Königsklasse gestartet – und schon kann Konkurrent Ferrari nur staunen: „Sie sind schneller“. Wie Mercedes bereits jetzt die Gegner in der Formel 1 beeindruckt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.