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Fitness-Tracker : Motivation am Plastikband

Unpraktisch: Die über Kreuz liegenden Enden des Jawbone Up scheinen geradezu dafür gemacht zu sein, sich in der Kleidung zu verhaken Bild: Hersteller

Wie viele Schritte lege ich am Tag zurück, wie hoch ist mein Grundumsatz? Fitness-Tracker zeichnen rund um die Uhr jede Bewegung auf. Nachts sogar den Schlaf. Aber die Technik hat Grenzen.

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          Dass man sich mal wieder ein bisschen mehr bewegen könnte, ist auch für diesen Sommer eine schöne Herausforderung. Viele Fitness-Apps für das Smartphone wollen dabei helfen. Sie zeichnen mit GPS-Unterstützung schweißtreibende Aktivitäten wie Joggen, Radfahren oder Skating auf. Man sieht, welche Distanz in welcher Zeit zurückgelegt wurde, wann welche Geschwindigkeit erzielt wurde - und wie viele Höhenmeter man überwunden hat. In Verbindung mit einem Puls-Sensor sind die persönlichen Leistungsdaten noch detaillierter ablesbar.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Erfassen die GPS-basierten Apps stets einzelne Ereignisse und belasten den Akku des Smartphones wegen der Satellitenortung stark, geht es der eigenständigen Gerätegattung der Fitness-Armbänder und „Tracker“ darum, fortwährend sämtliche Aktivitäten zu beobachten. Rund um die Uhr und sogar während des Schlafs wird jede kleine Bewegung erfasst. Wie viele Schritte legt man am Tag zurück, wie hoch ist der Grundumsatz? Daten werden erhoben, in einer App oder in der Cloudwolke des Internets gespeichert, Werkzeuge zur Auswertung bereitgestellt, und es gibt sogar virtuelle Medaillen, wenn bestimmte Ziele erreicht sind.

          Eine moderne Variante des klassischen Schrittzählers

          Es geht also nicht um sportliche Einzelleistungen, sondern um die stetige Bewegung im Alltag. Die Armbänder und Tracker sind quasi eine moderne Variante des klassischen Schrittzählers. Das Smartphone nutzen sie nur zum Datenabgleich. Die Datenaufzeichnung erfolgt autonom mit dreiachsigen Beschleunigungssensoren. Das sind winzige Mikroprozessor-Module, die bis zu 1.500 Mal je Sekunde Beschleunigungs-Messdaten erheben. Die Module sind ein günstiges Massenprodukt, sie kommen bei der Steuerung von Videospielen ebenso zum Einsatz wie im Airbag des Autos.

          Der Kniff ist allein das Herausrechnen valider Bewegungsinformationen aus der Fülle der Sensordaten. Wurde der Arm beim Tippen am Computer bewegt oder während des Joggens? Es kommt also auf die Algorithmen an. Wir haben zwei Fitness-Armbänder ausprobiert, die neu auf dem deutschen Markt sind: Das „Up“ stammt vom amerikanischen Hersteller Jawbone, der mit Bluetooth-Freisprechanlagen und kleinen Lautsprechern groß geworden ist. Das Up kam bereits 2011 in den amerikanischen Handel, wurde nach Akkuproblemen wieder zurückgezogen und debütierte ein zweites Mal im November. Es kostet in Deutschland 130 Euro.

          Der zweite Kandidat ist das Armband „Flex“ von Fitbit, ebenfalls ein amerikanisches Unternehmen, das mehrere Fitnessprodukte anbietet, darunter auch einfache Schrittzähler; Flex kostet 100 Euro. Im Sommer kommt ein dritter Kandidat, das „Fuelband“ von Nike, auf den deutschen Markt, es ist bislang nur in Amerika und Großbritannien erhältlich und wird vermutlich um die 140 Euro kosten.

          Der Weg ist das Ziel: Der Fitbit-Tracker steckt im wechselbaren Armband Bilderstrecke

          Alle Armreifen soll und kann man Tag und Nacht tragen, was wir mit Up und Flex über einige Wochen hinweg getan haben. Aber bereits beim Auspacken zeigen sich die Unterschiede: Das Jawbone Up, das um die 20 Gramm wiegt, kommt mit einem massiven Gummigehäuse, dessen Enden sich dank dessen Versteifung von allein übereinanderlegen. Die Oberseite ist etwas breiter (gut 1,1 Zentimeter), zu den Enden hin verjüngt sich das Plastik. An einem Ende befindet sich ein 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss, am anderen ein Metalltaster als einziges Bedienelement.

          Man streift den in drei Größen erhältlichen Armreif über das Handgelenk, die Enden überkreuzen sich, und damit entsteht der Halt. Der Fitbit Flex (rund 15 Gramm) beschreitet einen anderen Weg. Elektronik und Anzeige befinden sich in einer gekapselten Kunststoffeinheit, die rund drei Zentimeter hoch ist. Dieser Kern wird manuell in ein schlabberiges Gummiarmband hineingepfriemelt. Das Armband wiederum verschließt man mit zwei Druckknöpfen, was einem kaum auf Anhieb ohne fremde Hilfe gelingt. Der Vorteil dieser Lösung: Das Armband lässt sich je nach Mode wechseln.

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