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Feuerlöscher : Mit Kevlar und Dosen gegen Feuer

Bild: Prymos

Feuerlöscher kosten nicht viel, aber die regelmäßige Wartung geht ins Geld. Mit einem neuen Löscher aus Kevlar ist das nicht mehr nötig. Er lässt sich gut mit ebenfalls wartungsfreien Löschdosen kombinieren.

          Ständig über die Risiken des Lebens nachzudenken, liegt wohl nicht in der menschlichen Natur. Sie werden gern verdrängt. Zum Beispiel kümmert sich kaum jemand um Brandgefahren, bis das Feuer ausbricht. Wer weiß in einem solchen Fall genau, wo Feuerlöscher stehen und wie sie bedient werden? Etliche Versuche der Feuerwehren mit Freiwilligen zeigen, dass es dann für das Studium der Bedienungsanleitung zu spät ist. Vor allem Handfeuerlöscher, die erst durch Öffnen einer Druckkapsel aufgeladen werden, geben den Laien Rätsel auf.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Manchen Unternehmen geht es nicht viel besser; zwar schreibt das Arbeitsschutzgesetz seit Anfang 2013 eine Gefährdungsbeurteilung im gesamten Betrieb vor, die den Brandschutz mit einschließt – bis zu den meisten kleinen und mittleren Unternehmen sei das Thema aber noch gar nicht vorgedrungen, sagt Professor Reinhard Ries, der Amtsleiter der Branddirektion Frankfurt.

          Die üblichen Löscher mit sechs oder mehr Kilogramm Inhalt seien für einen Entstehungsbrand, den ein Mensch noch ohne Schutzkleidung bekämpfen kann, viel zu groß und zu unhandlich, sie würden von den Leuten nicht angenommen. „Wie soll eine Kindergärtnerin, die sich um die Kinder im brennenden Raum kümmern muss, zugleich über den Gang laufen, um den Feuerlöscher zu holen?“, fragt er. Ries fordert deshalb im Einklang mit anderen deutschen Feuerwehren ein Umdenken im Brandschutz.

          Innere Werte: Der Kunststoffbehälter des Löschers ist mit Kevlar verstärkt.

          Da kommt das Konzept des noch jungen Frankfurter Unternehmens Prymos gerade recht. Es besteht darin, die Löschleistung zu dezentralisieren und ausschließlich mit wartungsfreien Geräten zu arbeiten. Einmal angeschafft, hat der Kunde auf lange Sicht Ruhe. Prymos produziert und vertreibt seit einigen Jahren handliche Feuerlöscher in Spraydosenform von knapp einem Kilo Gewicht, die inzwischen eine erstaunliche Leistungsfähigkeit erreicht haben.

          Ries, der sie am Anfang abgelehnt hat, weil frühere, importierte Dosen nichts taugten, hält sie inzwischen für eine Riesen-Innovation und fragt sich, warum die etablierten Hersteller noch nicht darauf angesprungen sind. Der Grund ist einfach: „Jeder, der mit einem Haarspray klarkommt, kann sie bedienen.“ In den einzelnen Räumen verteilt, sind sie rasch zur Hand, so dass der Brand schon in der Entstehung bekämpft werden kann.

          Kosten für Wartung, Ersatzteile, neues Löschmittel und Überprüfung entfallen

          Zweites Standbein des Konzepts ist ein Feuerlöscher im üblichen Format mit sechs oder neun Liter Inhalt namens PM10, der sich allerdings von allen anderen im Handel erhältlichen Handfeuerlöschern unterscheidet: Er ist auf zehn Jahre wartungsfrei, der Hersteller garantiert in diesem Zeitraum die Funktion. Die sonst in zweijährigem Abstand vorgeschriebene Überprüfung des Geräts und der Austausch des Löschmittels nach sechs Jahren entfallen.

          Da auch die Spraydosen nicht gewartet werden müssen, sondern nach fünf Jahren einfach ausgetauscht und wiederverwertet werden, hat das Prymos-Konzept für die Unternehmen handfeste Vorteile: Die Kosten für Wartung, Ersatzteile, neues Löschmittel und die Organisation der turnusmäßigen Überprüfung entfallen. „Der höhere Anschaffungspreis (knapp 240 Euro für das 6-Kilo-Modell im Einzelverkauf) amortisiert sich daher für die Unternehmen nach wenigen Jahren“, rechnet Geschäftsführer Peter Holzamer vor. Prymos hilft den Kunden auf Wunsch bei der Planung und Einrichtung.

          Dass der PM10 nicht zur Wartung muss, ist eine Folge seiner ungewöhnlichen Konstruktion. Der Körper besteht nicht wie der von anderen Feuerlöschern aus verschweißtem Stahl, sondern aus Polyethylen (HDPE), das durch einen Mantel aus Aramidfasern (Kevlar) geschützt ist. Das Material ist so stark, dass ein Berstdruck von weit mehr als 80bar erreicht wird; für Feuerlöscher vorgeschrieben sind mindestens 55bar, der Arbeitsdruck liegt meist bei rund 15bar.

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