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Feuerlöscher : Hochdruck gegen die Flammen

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Nur etwa jeder achte Autofahrer hat einen Feuerlöscher dabei Bild: Bildstelle

1912 wurde der moderne Feuerlöscher mit Kohlendioxid als Treibgas patentiert. 100 Jahre später gibt es für jeden Zweck passende Geräte. Im privaten Haushalt sind Schaumlöscher die erste Wahl.

          Sicherung ziehen, Knopf eindrücken, Schlauch ausrichten und am Griff des Mundstücks abdrücken - schon sprüht das Löschmittel auf die Flammen und erstickt das Feuer. So einfach lässt sich im Idealfall mit einem handelsüblichen Feuerlöscher ein kleiner Brand im Haus eindämmen - beispielsweise ein kokelnder Papierkorb oder der schwelende Adventskranz. Die knallroten Behälter mit Lösch- und Treibmittel sind schlagkräftige Werkzeuge gegen aufkeimende Flammen. Ihr richtiger und schneller Einsatz kann verhindern, dass sich solche Feuer zum verheerenden Vollbrand entwickeln. Als übliche Löschmittel werden Wasser, Schaum, Pulver oder Kohlendioxid eingesetzt.

          Das Prinzip des modernen Pulverlöschers mit Kohlendioxid als Treibmittel wird in dieser Woche 100 Jahre alt: Die Internationale Feuerlöscher-Gesellschaft in Berlin (heute Total Feuerschutz) meldete am 2. August 1912 einen „Druckgasfeuerlöscher mit einem als Druckmittel dienenden Löschgas“ zum Patent an und brachte ihn später als „Total Schnell-Trocken-Feuerlöscher“ auf den Markt.

          Zwar habe es zuvor schon Pulver-Feuerlöscher gegeben, die beispielsweise mit Druckluft arbeiteten, erzählt Matthias Frick von Total. Doch die Feuchtigkeit der Luft ließ das Pulver immer wieder verkleben. Erst 1912, als Kohlendioxid als Treibgas eingesetzt wurde, sei das bis heute gültige technische Prinzip etabliert worden.

          Die „Spitztüte“, der erste wirksame Feuerlöscher

          Rückblick: An einem zuverlässigen Kleinlöschgerät wird schon seit dem 19. Jahrhundert getüftelt. Der erste wirksame Feuerlöscher, der in Deutschland große Verbreitung fand, war die „Spitztüte“ von Minimax aus dem Jahr 1902. Als Löschmittel diente eine wässrige Natronlösung, die durch eine chemische Reaktion unter Druck gesetzt wurde: Stieß man den konischen Blechbehälter hart auf den Boden, platzte eine Glasampulle mit Salzsäure im Löscher. Die folgende Reaktion von Säure und Natronlösung erzeugte das Treibgas Kohlendioxid. Diese Druckerzeugung auf chemischem Weg gab es bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts für verschiedene Systeme.

          Heutige Feuerlöscher hingegen arbeiten ausschließlich mit unter Druck gespeicherten Treibgasen, um das Löschmittel zu transportieren und zu verteilen. Das gilt gleichermaßen für Wasser-, Schaum- und Pulverlöscher. Bei einfacheren Geräten, den Dauerdruck-Löschern, ist der Löschmittelbehälter direkt mit dem Gas beaufschlagt. Die aufwendiger konstruierten Auflade-Löscher führen das Gas dagegen in einer separaten Kartusche mit sich, die erst zum Einsatz geöffnet wird und das Löschmittel unter Druck setzt. Eine Sonderrolle spielen Kohlendioxidlöscher, deren Inhalt Treibgas und Löschmittel zugleich ist.

          Gloria-Schaumlöscher im modernen Design Bilderstrecke

          Natürlich ist der private Brandschutz viel älter als die Entwicklung des Feuerlöschers im modernen Sinn. Die entsprechenden im Haushalt vorgehaltenen Hilfsmittel reichen vom Ledereimer bis zu Leiter und Mauerhaken, sagt Rolf Schamberger, Leiter des Deutschen Feuerwehrmuseums in Fulda. Diese historische Kontinuität des privaten Brandschutzes, die sich seit dem 14. Jahrhundert in öffentlichen Lösch-Ordnungen widerspiegelt, hat einen ganz einfachen Grund, sagt der Kunsthistoriker: Feuerwehren im heutigen Sinne als schlagkräftiges Ausrüstungs-, Ausbildungs- und Organisationssystem, das einem Brand schnell und gezielt gegenübertreten kann, entstanden erst um das Jahr 1850 herum.

          Vorher musste man sich bei einem Feuer selbst helfen. Dazu entstanden zwar im 18. Jahrhundert bereits technische Hilfsmittel wie Löschgranate und Sandtüte, diese hatten aber nur bei sehr kleinen Entstehungsbränden eine Wirkung.

          Heute wird in Deutschland mehr als die Hälfte aller Feuerlöscher für die Ausstattung von Arbeitsstätten verkauft, weiß Wolfram Krause, Geschäftsführer des Bundesverbandes Technischer Brandschutz (BVFA). Denn in Büros, Geschäften und Werkstätten ist es gesetzlich vorgeschrieben, Feuerlöscher vorzuhalten - ebenso in Bussen und Hotels. Wie viele und welche der Geräte jeweils installiert werden, wird in Löschmitteleinheiten (LE) berechnet: Jeder Feuerlöscher erreicht einen bestimmten, durch Prüfungen ermittelten LE-Wert. Welchen Bedarf eine bestimmte Arbeitsstätte hat, wird vor allem von der jeweiligen Branche mit ihren spezifischen Risiken und der Größe der Betriebsfläche vorgegeben.

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