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Recycelte Fenster : Geschreddert, geschmolzen, gesiebt

Nur das PVC zählt: Aber wohin mit Glas, Stahl, Aluminium, Gummi? Bild: Weber

Fenster mit Kunststoffrahmen sind deutlich billiger als solche mit Holz- oder Aluprofilen. Bedenken wegen der Entsorgung braucht man nicht mehr zu haben. Sie werden inzwischen recycelt.

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          Manchmal ist es harte Arbeit, einen schlechten Ruf loszuwerden. In den siebziger Jahren sind Fenster mit Rahmen aus Kunststoff aufgekommen, dann kam das Plastik arg in Verruf. Beinahe hätten die ökologischen Bedenken einer ganzen Branche den Garaus gemacht. Heute stellt dieses Material mit mehr als der Hälfte den Löwenanteil im Bestand und im Neubau, und wer Kunststofffenster kauft, sollte kein schlechtes Umweltgewissen mehr haben, weil das Material zunehmend wiederverwertet wird.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Dass es überhaupt zum Problem gekommen ist, hat einen einfachen Grund: Der verwendete Kunststoff erfüllt die Anforderungen, die an ihn gestellt werden, fast zu gut. Er muss leicht zu verarbeiten, preiswert und vor allem beständig sein. Das ließ sich damals und lässt sich heute mit Polyvinylchlorid (PVC) machen, einem fast ein Jahrhundert alten Thermoplast. Das harte Material ist höchst widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse wie Temperaturschwankungen und UV-Licht, es isoliert gut, lässt sich schweißen, biegen, bohren, sägen und einfärben. Mit einigen Zusätzen kann man das Material aber auch so komponieren, dass es dauerhaft weich und elastisch ist. Das macht PCV für viele Verwendungen tauglich, von der Schallplatte über Fußböden, Abwasserrohre, Dichtungen und Folien bis hin zu Kreditkarten.

          Holz oder Alu sind teurer, aber scheinen ökologischer

          Neben so vielen Vorzügen muss es auch einen Makel geben. Manche Zusätze gelten als giftig, und PVC brennt zwar im Gegensatz zu anderen Kunststoffen schlecht, falls aber doch, können sich Salzsäure und bei bestimmten Temperaturen Dioxine bilden (wenn das Haus Feuer fängt, ist das wohl nicht das größte Problem). Und in Form von sperrigen Fensterrahmen müllt das Material die Deponien zu, weil es in historischen Zeiträumen nicht verrottet, oder es muss zu Verbrennungsanlagen transportiert und dort bei hohen Temperaturen entsorgt werden. Kein Wunder, dass manche Bauherren deshalb lieber auf Holz oder Aluminium für die Fensterrahmen ausweichen – Materialien, die zwar teurer sind, aber nach einem unbestimmten Gefühl irgendwie edler und ökologisch korrekter.

          Zumindest das zweite kann ein Irrtum sein. Wenn es gelingt, den Kunststoff in einem nahezu geschlossenen Kreislauf wiederzuverwerten, steht er mit einer gar nicht so schlechten Gesamtbilanz da. Problem dabei ist, dass er nicht in reiner Form vorliegt – wer das PVC haben will, muss den gesamten Fensterverbund dazunehmen. Neben dem PVC sind das vor allem Glas, Stahl, Aluminium, Gummi und andere Kunststoffe. Trennen mit der Hand lohnt den Aufwand kaum, also mussten maschinelle Verfahren entwickelt werden.

          Vollautomatisches Recycling

          Veka, ein großer Hersteller von Kunststoffprofilen für Fenster, Türen und Rollläden, hat hier Pionierarbeit geleistet und vor zwei Jahrzehnten in Thüringen eine vollautomatische Recyclinganlage für Kunststofffenster errichtet. Da Fenster eine lange Lebensdauer haben, war es anfangs schwierig, an die Rohmaterialien zu kommen. Verarbeitet wurde deshalb vor allem der Verschnitt, der in der Produktion anfällt, wenn die Teile des Rahmens auf Gehrung geschnitten werden, bevor sie der Roboter zusammenschweißt. Das Material ist noch jungfräulich, es wird wieder eingeschmolzen und abermals verarbeitet.

          Schwieriger ist die Altware aus abgerissenen Bauwerken. „Heute würden wir am liebsten manche Container wieder wegschicken“, sagt Norbert Bruns, der Geschäftsführer der Veka Umwelttechnik, nur halb im Scherz, das Unternehmen ist ausgelastet. Abbruch- und Entsorgungsunternehmen können die Altmaterialien selbst anliefern oder auch von der Veka abholen lassen, sie vermeiden so Entsorgungskosten und bekommen obendrein ein Entgelt, dessen Höhe sich unter anderem danach richtet, ob noch Glas in den Rahmen ist.

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