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FAZ.NET-Spezial : Haus mit Hirn und Verstand

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET-Helfert

Einkaufen? Putzen? Waschen? Im Haus der Zukunft erledigen schlaue Geräte den lästigen Alltagskram. Vieles ist schon heute möglich, aber teuer.

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          Wasserrohrbruch während der Dienstreise. Bislang bedeutete die Nachricht eine mittlere Katastrophe. In Zukunft gibt's statt Panik eine SMS aufs Handy. Parallel zur sekundenschnellen Information hat das voll digitalisierte Haus selbsttätig bereits den Hauptwasserhahn gesperrt, den Vertragshandwerker benachrichtigt und den Code des hinterlegten Schlüssels elektronisch für die Eingangstür freigeschaltet.

          So wartet auf die Hausbesitzer bei ihrer Rückkehr weder Chaos noch Wassertreten, sondern ihr stets wohltemperiertes Haus mit warmer Hintergrundmusik und gedämpftem Licht. Ganz so, wie es ihrer Stimmung entspricht. Im Herd brutzelt schon der Braten, und auf dem Display des Kühlschranks findet sich die elektronische Nachricht des Handwerkers: Ein Schadensbericht, die Maßnahmen und die Rechnung. Kurz auf den Touchscreen getippt, den Empfang der Nachricht bestätigt und die Rechnung weitergeleitet an die Versicherung. Das war's.

          Alles machbar

          Wunschtraum und Wirklichkeit: Auch wenn sich dieses Szenario in kaum einem Privathaushalt findet, machbar wäre es schon heute. Elektronische Nachrichten per Selbstauslöser, Steuerung des Klimas und der Hausgeräte per Handy, Licht- und Musikstimmung je nach Personenkennschlüssel, Zugangsberechtigung auf Zeit, alles kein Problem.

          Mami kann zuhause bleiben - dieser Kühlschrank bestellt Lebensmittel selbst

          Was möglich ist, zeigen die digitalen Häuser, die als Forschungsobjekte und zur Information des Publikums gebaut wurden - das Futurelife-Heim im Schweizer Kanton Zug zum Beispiel. Dort lebt seit fünf Jahren die Familie Steiner.

          Testfamilie überzeugt

          "Pragmatisch, simpel und erschwinglich sollte digitale Haustechnik sein", sagt Daniel Steiner. Nein, den Einzug in die Zukunft hätten sie nie bereut, darin sind sich die Steiners einig, und ausziehen möchten sie auch nicht. Daher hat die einstige Testfamilie auf Zeit längst das Haus von Finanzier und Metro-Gründer Otto Beisheim übernommen. Vom Versuchsobjekt ist es zur Lebensaufgabe geworden. Das hat es anderen Vorzeigehäusern voraus, in denen nur präsentiert wird, was heute Lifestyle und morgen Standard sein soll.

          Digitale Haustechnik ist ein Markt mit hohen Wachstumschancen. Allein: Noch ist die digitale Haustechnik und die Vernetzung von Küchengeräten und Unterhaltungselektronik kein Massenmarkt. Noch ist die Palette lieferbarer Lösungen klein. Noch sind die Preise hoch. Noch wissen die potentiellen Käufer kaum, was sie erwartet.

          Fertighaus-Flair schreckt ab

          Viele Schauobjekte schrecken durch Fertighaus-Flair ab, das der Technik den exklusiven Charakter nimmt. Zudem steht die Unterhaltungselektronik arg im Vordergrund, vor allem wohl ein Männer-Thema. Immerhin läßt sich digitales Entertainment ohne allzu große Kosten und Mühen realisieren. Wenn erst einmal Fernseher und Abspielgeräte mit PC und Internet kommunizieren, ist die Vernetzung der weißen Ware - Kühlschrank, Spülmaschine und Co. - nur ein weiterer Schritt.

          Der Fernprogrammierung des Festplatten-Receivers folgt bald der Onlinestart der Waschmaschine. Schon heute treten die Haushaltsgeräte des Serve@Home-Systems von Siemens ohne zusätzliche Kabel miteinander über das Stromnetz in Verbindung. Die Besitzer können sie über PC und Mobiltelefon steuern.

          Testchance in Berlin

          Inzwischen entstehen allerorten sogenannte "intelligente" Häuser. Via-a-vis dem Duisburger Zoo steht das "Inhaus", auf dem Münchner Buga-Gelände wurde soeben das "Haus der Gegenwart" bezogen, und in Berlin eröffnet diese Woche das T-Com-Haus. Die Digital-Immobilie der Deutschen Telekom wurde von Weber-Haus errichtet, von Siemens mit Geräten automatisiert und von Neckermann möbliert.

          Ab April gilt für das T-Com-Objekt: Zimmer frei in Berlin Mitte. Wer wissen möchte, wie es sich in Zukunft wohnt, kann das von April bis Dezember vor Ort testen. Die Bezugsrechte werden verlost, Neugierige bewerben sich im Internet. Die Gewinner müssen allerdings nach vier Tagen Platz machen für die nächsten Probanden.

          Auf ein Dauermietverhältnis dürfen sich dagegen 15.000 chinesische Wissenschaftler freuen, wenn Luigi Colani im Jangtsekiang-Delta seine geplante Singlestadt errichtet. In Häusern mit 6x6 Metern Grundfläche will er durch Rotorinnerei 72 Quadratmeter Wohnqualität schaffen: Koch-, Wasch- und Schlaf-Environment drehen sich im Einraum-Apartment. Er werde die Lebensbedingungen des 3. Jahrtausends neu definieren, schwärmt Meister Colani, während die Konkurrenz mit dem digitalen Wohnen nur ihr Unvermögen beweise.

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