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50 Jahre Farbfernsehen : Als die Bildschirme Farbe bekannten

  • -Aktualisiert am

So war es 1967: Das Fernsehgerät von Graetz mit 13 Röhren und 44 Transistoren zeigt hier ein Testbild. Bild: INTERFOTO

An diesem Freitag vor 50 Jahren startete in Deutschland das Farbfernsehen. Sein Übertragungsstandard PAL schrieb nicht nur Technikgeschichte.

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          Manche Anekdoten sind so hübsch, dass man sie immer wieder gern erzählt: Als Willy Brandt, damals Vizekanzler der ersten Großen Koalition, vor 50 Jahren auf der „Großen Deutschen Funkausstellung“ in Berlin den berühmten roten Knopf drückte, um in Deutschland das Farbfernsehen symbolisch einzuschalten, hatte der Bildschirm schon eine Sekunde eher auf bunt gewechselt.

          Was soll’s, es war natürlich ein Fake-Knopf, aber ein realer: Im Rundfunkmuseum zu Fürth ist er als Reliquie noch immer im Dienst. Schön ist auch, die Szene gelegentlich auf Youtube zu gucken, schon, um noch einmal Brandts kernig-schnarrendes „r“ in „Starrrtschuss für das deutsche Farrrbferrrnsehen“ zu hören, dem auf der Mattscheibe leicht verfrüht das Farb-Logo folgte. Es war ein florales Motiv, dem aus der Mitte heraus immer neue stilisierte Blütenblätter nach außen wuchsen, in allen Farben des Regenbogens, versteht sich, und überlagert vom Schriftzug „in Farbe“.

          50 Jahre Farbfernsehen : Der späte Startschuss

          Diese Ankündigung erschien fortan vor allen Bunt-Sendungen, die zunächst noch als seltene Programm-Highlights in etwa acht Stunden pro Woche über den Äther gingen. Dazu gehörte die nach heutigen Maßstäben betuliche Familien-Show „Der Goldene Schuß“ mit Vico Torriani, die noch am Abend des Farbstarts loslegte. Am Tag darauf moderierten Dietmar Schönherr und seine Frau Vivi Bach den „Galaabend der Schallplatte“, wenig später folgte die erste farbige Serie „Adrian, der Tulpendieb“ mit Heinz Reincke.

          Andere Serien wechselten erst nach einer längeren Schwarzweiß-Karriere auf farbig. „Mit Schirm, Charme und Melone“ zum Beispiel, die britische Kultserie um das Agentenpärchen Emma Peel und John Steed, wurde erst mit der fünften Staffel bunt, genauer, im Herbst 1967.

          Als Sendungen noch „Der goldene Schuss“ heißen konnten: Vico Torriani mit seinen Assistentinnen. Bilderstrecke
          Als Sendungen noch „Der goldene Schuss“ heißen konnten: Vico Torriani mit seinen Assistentinnen. :

          Die schöne „Karate-Emma“, wie sie im Volksmund hieß, hatte also im Kampfeinsatz gegen verschrobene englische Bösewichter gern eine hautenge, auberginefarbene Ledermontur an – das wussten wir erst, seit sie in Farbe über die Bildflächen hechtete, um Partner Steed herauszuhauen. Die Tagesschau, bis heute das Herz der ARD, führte die Farbe Ende 1970 ein, fortan begleitet von Diskussionen über adäquates Outfit der Nachrichtensprecher: Dezent sollte es sein, und Kleinkariertes war tabu – wegen der berüchtigten Moiree-Effekte, mit denen das PAL-System auf filigrane, kontrastreiche Muster reagierte. Auch andere Sendungen aus dem seriösen Fach, etwa Feuilleton-Beiträge oder Dokumentationen, blieben noch eine ganze Weile grau in grau, die Unterhaltung dagegen wechselte zügiger in die Welt der Farbe.

          Der insgesamt aber eher gemächliche Übergang zur bunten TV-Welt bestimmte auch das Marktgeschehen. Immerhin: Zum Farb-TV-Start gab es schon 28 Gerätemodelle von 15 Firmen. Die Preise lagen zwischen 2350 und 2700 Mark, Neckermann („. . . macht’s möglich“) trumpfte mit einem Preisbrecher für 1840 Mark auf und löste damit ein kleines Branchenbeben aus. Gerüchte von Preisabsprachen zwischen den großen Anbietern machten die Runde. Im Schnitt jedenfalls waren die Geräte in Deutschland deutlich günstiger als in anderen europäischen Ländern. In Frankreich musste man zum Farb-Start umgerechnet 4500 Mark und in England zwischen 2850 und 4250 Mark für einen Farbfernseher bezahlen.

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