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50 Jahre Farbfernsehen : Als die Bildschirme Farbe bekannten

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Doch die Sache hatte einen Pferdefuß: Die NTSC-Farbinformationen erwiesen sich als störanfällig, was dem System die scherzhafte Langschriftübersetzung „Never The Same Colour“ (nie zweimal dieselbe Farbe) einbrachte. Der Grund: Das Farbsignal musste zwei verschiedene Informationen transportieren – die des Farbtons und die der Farbsättigung. Letztere wurde der Signalschwingung in Form einer Amplitudenmodulation aufgeprägt, erstere in Gestalt von gezielten Phasenverschiebungen. Die Phasenlage eines solchen Signals aber unterliegt auf dem Übertragungsweg etlichen verfremdungsträchtigen Einflüssen. Und die blieben nicht ohne Folgen. So konnte beispielsweise eine ungewollte Phasenverschiebung um 20 Grad einem blauen Mattscheiben-Himmel einen illegitimen Rotstich verpassen. Folglich hatten NTSC-Empfänger stets Regelknöpfe, mit denen sich die Farben korrigieren ließen.

PAL sollte in die Geschichte eingehen

Hier setzten Bruchs Überlegungen für das künftige deutsche Farbfernsehsystem an. Seine Grundidee: Die Farbübertragung müsste so funktionieren, dass jeder Phasenfehler zweimal nacheinander auftritt – und zwar abwechselnd mit unterschiedlichem Vorzeichen. Dann müsste man nur noch zwischen der positiven und der negativen Version des Fehlers den Mittelwert bilden, und übrig bliebe der korrekte Informationsgehalt – also der von der Fernsehkamera eingefangene Farbton.

So ersann Bruch eine Schaltung, die als „Phase Alternation Line“ (Phasenänderung pro Zeile), abgekürzt PAL, in die Geschichte eingehen sollte. Sie übertrug die für den Farbton verantwortliche Signalkomponente Zeile für Zeile in zwei verschiedenen Formen. Einer Zeile des Fernsehbilds wurde das Signal in der Originalfassung zugewiesen, die nächste erhielt es als umgepoltes Spiegelbild. Der Fernsehempfänger machte die jeweiligen Umpolaktionen dann wieder rückgängig.

Problem der Phasenverschiebungen war vom Tisch

Stabile Fernsehfarben ließen sich allerdings auch mit Secam erzielen – das bewies Bruchs französischer Kollege Henry de France schon 1957. Die Abkürzung bedeutet „séquentiel à mémoire“, auf Deutsch: „aufeinander folgend mit Zwischenspeicherung“. Auch hier wurden also die Farbinformationen von zwei aufeinanderfolgenden Zeilen herangezogen und zu einem kompletten Signal zusammengesetzt, allerdings auf andere Weise: Für eine der beiden Zeilen lieferte das Chroma-Signal nur die Farbton-Information, für die jeweils folgende nur den Wert der Farbsättigung. In beiden Fällen setzte das Secam-Verfahren auf die gegen Störungen unempfindliche Frequenzmodulation – das Problem der Phasenverschiebungen war damit gleichermaßen vom Tisch.

Dennoch behielt Bruchs PAL-Standard die Oberhand – bis die digitale Revolution in den neunziger Jahren, ganz neue Maßstäbe zu setzen begann. Noch immer übertragen einige Kabelnetze Fernsehbilder nach der betagten Analog-Norm, doch selbst hier sind ihre aktiven Tage gezählt: Schon bald wird PAL ein Fall für die Rundfunk-Museen.

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