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Stahl oder Aluminium? : Rahmen der Möglichkeiten

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Puristisch in Stahl: Stadtrad Excelsior Gaudy mit Zweigang-Automatik Bild: Hans-Heinrich Pardey

Stahl oder Aluminium, wo sind die Vor- und Nachteile? Im Segment der günstigen Stadträder bietet Excelsior beides und ermöglicht einen aufschlussreichen Vergleich.

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          Für die wenigen, denen wirklich wichtig ist, aus welchem Material der Rahmen ihres Fahrrads besteht, stellt sich die Frage „Stahl oder Aluminium?“ nicht mehr. Das war Thema einer Diskussion von vorgestern. Wenn es um höchste Zugfestigkeit, das heißt Steifigkeit bei geringstem Gewicht, geht, bietet die besten Werte ein Karbonrahmen. Der kommt heute nicht mehr aus einer Hexenküche, in der man dem Zauberer ein kleines Vermögen hinblättern muss, sondern er wird industriell gebacken. Mountainbiker mit Ambition genauso wie Rennradler kommen an Karbon praktisch nicht vorbei. Vom Hauptrahmen über Gabel, Vorbau und Lenker bis zur Sattelstütze und einer Sitzschale, nicht zu vergessen die Laufräder: Überall in richtig sportlichen Rädern folgen Faserverläufe den Linien der Kräfte, die in und an den Bauteilen wirken.

          Auf breiter Front vom billigen Allerweltsfahrrad bis zum teuren Elektrorad beherrscht dagegen der Werkstoff Aluminium das Feld. Das war nicht immer so. Aluminium wurde zwar schon seit dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts beim Bau von Fahrrädern verwendet. Aber erst 1977 etablierte sich Kettlers „Alu-Rad 2600“ als erstes Großserienfahrrad mit geschweißtem Aluminiumrahmen erfolgreich im Markt. Das Versprechen war, ein rostfreies Fahrrad durch den Aluminiumrahmen leichter zu machen. Das gelang, zumindest den Zahlen auf dem Papier nach.

          Es mussten allerdings einige Lektionen gelernt werden: Rahmen aus Aluminium können korrodieren und lassen sich nur mit wesentlich kräftiger dimensionierten Rohrprofilen so dauerfest fügen wie vergleichsweise filigrane Rahmen aus Stahl. Daher ist die Verringerung des Gewichts nicht gerade atemberaubend. Vor allem aber ist ein Aluminiumrahmen weniger elastisch als ein Stahlrahmen. Diese Komforteinbuße kam der Industrie gerade recht. Mit den Alurahmen begann die Ära der Federgabeln und der gefederten Sattelstützen, womit es endgültig mit dem Gewichtsvorteil von Aluminium vorbei war. Noch bevor sich Karbon gegen Edelstahlrohre durchzusetzen begann, verdrängten Aluminiumlegierungen wie 6061 und 7005 den „Fahrradstahl aus Straßenbahnschienen“. Heute wird Aluminium als das Übliche, für etwas mehr Geld auch fast in so freien Linien, wie sie Karbonlaminat möglich macht, hydroverformt kommentarlos im Fahrradladen gezeigt. Stahl aber ist zum Rahmenmaterial für Kenner und Liebhaber geworden.

          Puristisch auf Aluminium-Basis: Excelsior Sputter
          Puristisch auf Aluminium-Basis: Excelsior Sputter : Bild: Hersteller

          Aus Stahl – wählbarer Güte – lässt man sich beispielsweise bei Patria in 33818 Leopoldshöhe einen traditionell gemufften Rahmen von Hand löten für ein Fahrrad, das nach einer ersten Anprobe passt wie erst nach der letzten ein Smoking vom Herrenschneider. Stahl ist häufig die Wahl von Reiseradlern. Von denen wird immer wieder darauf verwiesen, dass am Hindukusch jeder Grobschmied einen Rahmenbruch beheben könne. Man möchte bloß wissen, wie oft das wohl tatsächlich geschah. Stahl ist heute vor allem das Material der Nostalgiker, der Käuze, die einen 1980er Paradiesvogel von Ernesto Colnago mit konifizierten Columbus-Rohren nutzen, um die Brötchen zu holen. Und leider wird so mancher Rahmen aus Rohren, auf denen die Edelstahl-Etiketten von Tange, Reynolds oder Mannesmann kleben, auf schief getrampelten Pedalachsen zur Mensa geprügelt, bis der Sperrmüllsammler kommt.

          Dass man das gleiche Rad wahlweise mit einem Stahl- oder einem Alurahmen bekommen kann, ist selten. Erwarten würde man das eher bei einer Manufaktur und in höheren Preisregionen. Doch die günstige Lifestyle-Marke Excelsior von Großhändler Hartje macht es möglich, den direkten Vergleich zu ziehen. Im Frühjahr wurde das Modell Sputter gefahren und nun das ebenfalls mit einer Zweigang-Fliehkraft-Automatik ausgestattete Gaudy. Grell aufgedonnert bis zur Geschmacklosigkeit ist das pastelltürkis lackierte Rad nicht. Vielmehr ist es so stark aufs Nötige reduziert, dass ein Aufkleber besagt, es dürfe nicht im Straßenverkehr bewegt werden. Man muss Licht, Klingel und Reflektoren nachrüsten.

          Die beiden Excelsior-Räder sind keine eineiigen Zwillinge. Ganz abgesehen vom Material der Rahmen unterscheidet sich ihre Geometrie geringfügig. Ein dicker Pluspunkt: Bei dem auf schmalen 23er-Reifen laufenden Gaudy wird ab Werk eine Übersetzung von 2:1 montiert, die mit der unerbittlich bei etwa 17,5 km/h mit dem Faktor 1,38 hochschaltenden Nabe entschieden besser harmoniert. Bei einem Preis von knapp 370 Euro kann der Stahlrahmen nur von der Art „Ich-war-eine-Straßenbahnschiene“ sein und kein Edelstahl. Ein Klopfer an die Rohre, und man hört es. Das schmucke Gaudy ist mit seinen rund 12 Kilogramm, wie nicht anders zu erwarten, etwa ein Kilogramm schwerer als das Sputter mit dem Alu-Rahmen.

          Auf alle Fälle ist das Gaudy das komfortablere Stadtrad. Stahl steckt Fahrbahnstöße besser weg, begleitet auch den Krafteinsatz des Menschen auf dem Sattel mit einer gewissen Nachgiebigkeit, verzehrt also Energie durch elastische Verformung. Das ist im Sport höchst unerwünscht, fühlt sich aber im Alltag gut an. Der Stahl kann, wo der Lack ab ist, rosten, und er wird auch bei bester Pflege ermüden. Aber bis dahin hat es noch Weile.

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