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Fahrradkauf : Bestellt ist nicht gleich bestellt

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Ein Stadtrad und ein Rad, das Lust aufs Reisen machen will. Bild: Pardey

Seriöse Versender bieten wesentlich mehr Beratung zu ihren Rädern vor einer Bestellung als allgemein üblich im Netz. Aber auch der Gang zum Fachhändler mündet in vielen Fällen in einer Bestellung.

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          Mit den Naivlingen brauchen wir uns nicht lange aufzuhalten: Wer glaubt, er bekomme für 199 Euro dank des direkten Vertriebs im Internet zu einem „unschlagbaren Preis“ ein Fahrrad, das sich durch „Langlebigkeit, Sicherheit und Fahrkomfort“ auszeichnet, dem ist nicht zu helfen. Es gibt einfach kein vernünftiges „Twentyniner Hardtail“ für 249 Euro und auch für 349 Euro kein Rennrad, das diesen Namen verdient. Wer so etwas bestellt und zu „mindestens 85 Prozent vormontiert“ geliefert bekommt, kann beim Fertigbasteln in aller Ruhe nachdenken: Warum wohl werden mehr als zwei Drittel der in Deutschland verkauften Fahrräder beim Fachhandel erworben und lediglich etwa ein Viertel im Internet?

          Das hängt sicher auch damit zusammen, dass dem System Zalando auf den Kauf von Fahrrädern angewendet doch eine gewisse Umständlichkeit anhaftet: Einen Pulli in drei Größen zu bestellen und nur die eine richtige zu behalten wirft weniger finanzielle und logistische Probleme auf als der Versuch, auf diesem Weg zum passenden Fahrrad zu gelangen. Seriöse Versender bieten wesentlich mehr Beratung zu ihren Rädern vor einer Bestellung als allgemein üblich im Netz. Aber auch der Gang zum Fachhändler mündet in vielen Fällen in einer Bestellung – mit durchaus unterschiedlichem Erfolg, wie zwei Erlebnisse zeigen.

          Rad Nummer eins: das Diamant 135. Es geht, wie es geht, Mann verguckt sich. Das Rad ist ein „Kollektionsrad“ der Chemnitzer Traditionsmarke Diamant. Alljährlich bringt das Unternehmen, das seit 2002 nach Jahren unter der Ägide von Villiger zur amerikanischen Trek Bicycle Corp. gehört, ein nostalgisch angehauchtes Modell. Das Rahmenmaterial ist Stahl. Mit dem sogenannten Diamantstahl hatten die Brüder Friedrich und Wilhelm Nevoigt im Jahre 1885 angefangen als Produzenten von Schreibfedern und Bauteilen für Strumpfwirkmaschinen. Daher soll auch der Name der Fahrradmarke kommen, deren erstes Rad 1895 auf den Markt kam. Diamant beansprucht für sich technische Innovationen: Als Erste sollen die Nevoigts 1898 von der damals üblichen Blockkette zu der im Prinzip bis heute verwendeten und von ihnen entwickelten Doppelrollenkette übergegangen sein. Die Zahl 135 der Typenbezeichnung des Kollektionsrads zählt die Jahre der höchst wechselvollen Geschichte des Unternehmens.

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          Fahrradkauf : Bestellt ist nicht gleich bestellt

          Gleich in der Nachbarschaft einer mittelhessischen Universitätsstadt gibt es einen Händler, der Diamant führt. Nein, vorrätig hat er das 135 nicht, wird er auch nicht haben, aber bestellen kann er es natürlich. Es ist Ende November, der Computer sagt, im März werde die gewünschte Größe wieder lieferbar sein. Diamant gilt als verlässlicher Lieferant. Das Rad wird im Dezember bestellt, am 19. Februar mailt der Händler, dass es abgeholt werden könne. Kostenpunkt: knapp 1300 Euro. Was die kleine Rahmengröße S angeht, hat sich der Händler nach einem Seitenblick zum Kunden hin auf dessen Wunsch verlassen. Der Käufer machte wohl den Eindruck, zu wissen, was er braucht.

          „S – Auf Basis deiner Körpermesswerte empfehlen wir diese Rahmengröße“, sagt dem Käufer des Diamant 135 zum Beispiel auch das „Perfect Positioning System“ von Canyon. Bei dem Koblenzer Direktvertreiber gibt man nach einigen guten Ratschlägen, wie zu messen sei, im Internet seine Körpergröße und seine Schrittlänge ein, nachdem man sich zuvor für ein Rad aus dem umfänglichen Modellportfolio entschieden hat. Dann kann man sich in einer länglichen Liste die Zahlen der Rahmengeometrie zusammensuchen und lesen, wie viel

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