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Fahrradgriffe im Test : Jetzt werden wir mal handgreiflich

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Velospring: Organisch geformte, ergonomisch ausgefeilte Holzgriffe schmeicheln Hand und Auge. Bild: Klee

Wenn es an den Kontaktpunkten hapert, nützt das beste Fahrrad nichts. Velospring und SQ-Lab zeigen zwei sehr unterschiedliche Ansätze zur Verbesserung des Griffgefühls.

          Wo Körper und Rad zusammentreffen, sollte eine möglichst harmonische Mensch-Maschinen-Symbiose entstehen. Im Klartext: Sattel, Pedale und Griffe sind entscheidend für ein ausgeglichenes Miteinander, ganz unabhängig von Fahrradgattung und Güte. Während allen voran dem Sattel ein tragende Rolle im Komfort-Krimi zuteil wird, in dem die Pedale eine nicht unwichtige Nebenrolle spielen, reicht es bei den an den Lenkerenden beheimateten Kontaktpunkten gerade so für eine Statistenrolle. Völlig zu Unrecht. Der Einsatz ergonomisch geformter Griffe mit einer Auflagefläche für die Handballen verbessert das Wohlbefinden ungemein und verhindert Taubheitsgefühle in den Fingern. Die Material-Bandbreite im Portfolio der einschlägigen Hersteller mit Renommee reicht von Kunststoff über Kork bis hin zu Leder. Doch auch abseits des Griff-Mainstreams finden sich fingerfertige Produkte. Zum Beispiel aus Holz – einem im Fahrradbau eher exotisch anmutenden Material.

          Wie verkannt der Rohstoff aber gerade in diesem Bereich ist, zeigt Klaus Mildenberger mit seinen Fahrradgriffen aus Nussholz. Der in München beheimatete, auf den Bau von Massivholzmöbeln spezialisierte Schreiner erschafft organisch geformte, ergonomisch ausgefeilte Holzgriffe, die, einmal am Lenker montiert, im Wortsinn zu Handschmeichlern werden. Seidenweiche Haptik, edle Optik, gehobener Komfort. Zwei Modelle vertreibt der Holz-Virtuose unter dem Firmennamen Velospring. Sen Pur ist das Basismodell, Sen Comfort das innovative Flaggschiff, unter dessen hölzerner Oberfläche ein patentierter Federmechanismus werkelt, der Verwerfungen in der Straßen-Morphologie ausbügelt.

          Zum Test stellt Velospring einen fertig montierten Lenker zur Verfügung, der in Ausmaß und Kröpfung nahezu identisch mit dem Original des Test-Rads ist. Zur Montage der Schalt- und Bremshebel müssen die tadellos verarbeiteten Nussholz-Griffe demontiert werden, was mittels einer unauffälligen Torx-Schraube schnell vonstattengeht. Darunter kommen die aus den Lenkerenden ragenden Hülsen zum Vorschein. Der Federmechanismus selbst ist im Lenkerrohr versteckt. Dank feiner Passform sind die Griffe im Handumdrehen abermals montiert und festgeschraubt.

          SQ-Lab: Lenkerhörnchen erweisen sich auf längeren Touren als wahrer Segen.

          Schon nach wenigen hundert Metern wird der Komfortgewinn deutlich. Das ungefederte Pendler-Rad, an sich nicht unbequem, mit Rückmeldung über die Bodenbeschaffenheiten aber nicht geizend, zeigt sich im Umgang mit den Handgelenken plötzlich ungeahnt milde. Vor allem kleine Unebenheiten filtert die Torsionsfeder aus Edelstahl zuverlässig heraus, groben Absätzen und Schlaglöchern, wie sie die innerstädtische Infrastruktur leider oft genug bereithält, sind die gefederten Griffe nur im Ansatz gewachsen. Auf täglichen Pendel-Distanzen zwischen fünf und 25 Kilometern, vorwiegend auf Asphalt, zum Teil auf Schotter, haben die Sen Comfort in Funktion und Haptik während des zweiwöchigen Testzeitraums überzeugt.

          Was Kratzer und Verschleiß betrifft, besteht übrigens kein Grund zur Sorge. Alle Einzelteile des Federmechanismus sind austauschbar, die Griffe selbst können mit dem passenden Pflegeset auch nach exzessivem Einsatz restauriert werden. Tutorials zur Montage und Pflege finden sich auf der Velospring-Website, die darüber hinaus über die nachhaltige Herstellung der hölzernen Handschmeichler informiert. Das Nussholz-Paar samt Federmechanismus und Montagematerialien kostet 199 Euro, vormontierte Sets mit Lenker liegen je nach Ausführung zwischen 212 und 249 Euro. Vor allem für ambitionierte Pendler, Tourenfahrer und Radreisende ist diese Investition eine Überlegung wert, wobei Material und Anmutung auch allein der Ästhetik wegen Anklang finden dürften.

          Einen gänzlich anderen Beitrag zum ermüdungsfreien Radfahren verfolgt die in Taufkirchen ansässige Firma SQ-Lab mit ihren Innerbarends, die im weitesten Sinne eine Neuinterpretation der in den 90er Jahren im Mountainbike-Bereich sehr populären Lenkerhörnchen – den Barends – sind. Statt an den Lenkerenden werden die kompakten, leicht nach innen gekröpften Kunststoffgriffe zwischen Bremshebel und Griff montiert. Was zunächst etwas befremdlich aussieht, erweist sich auf langen Etappen als wahrer Segen. Die Haltung gleicht etwa der oberen Griffposition an einem Rennradlenker und bietet durch das Eindrehen der Handgelenke eine gute Griffalternative am geraden Lenker. Beide Hörnchen liegen gut in der Hand, werden beim sportlichen Einsatz wegen des glatten Plastiks ohne Handschuhe allerdings etwas glitschig, wobei die Formgebung ein Abrutschen effektiv verhindert. Selbst im Wiegetritt und leichtem Gelände wirken die kleinen Zusatzgriffe vertrauenerweckend, weil sie Lenkimpulse gut übertragen und das Handling keineswegs leidet.

          Ein entscheidender Vorteil der Innerbarends gegenüber den konventionellen Barends ist die Erreichbarkeit der Bremshebel. Zwar erfordert die dosierte Verzögerung vor allem auf losem Untergrund zunächst etwas Übung, ist dann aber gut zu bewerkstelligen. Nach rund 200 Kilometern auf und abseits der Straße dürfen die Innerbarends nicht mehr fehlen, zumal das kleine, aber effektive Ergonomie-Tuning mit 39,95 Euro preiswert ausfällt.

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