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Fahrrad-Computer : Dem Navi steht der Wald im Weg

  • -Aktualisiert am

Kartenansicht einer Ortschaft: Das Falk Ibex 40 hat ein 7,3 x 5,4 Zentimeter großes berührungsempfindliches Display Bild: PY SOZEI

Ein Radfahrer irrlichtert über eine Straße, die zweifelsfrei Kraftfahrzeugen vorbehalten und autobahnartig ausgebaut ist. Wie kann so etwas passieren? Der Gute vertraut womöglich blind einem GPS-gestützt navigierenden Fahrrad-Computer.

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          Der Versuch war - zugegeben - nicht ganz fair. Aber er entsprach dem, was jemand, der sich in seinem Auto längst an ein GPS-gestütztes Navigationsgerät gewöhnt hat, auch von einem Navi am Fahrradlenker erwartet. Das ausdrücklich für den Wanderer und den Radfahrer gedachte Falk Ibex 40 (“Dein Wegbereiter“) wurde ausgepackt und sein Akku über die Mini-USB-Buchse geladen. Zur Feierabendzeit wurde dem Gerät die Zielanschrift verfüttert sowie einige Kriterien der Routenfindung: Es sollte Straßen bevorzugen und keine Radwege, die Streckenführung durfte ruhig sportlich sein. Und schon ertönte diese von Neutralität und Zuwendung gleichermaßen triefende Therapeutinnen-Stimme: „Die Route ist berechnet.“

          Erster kleiner Schock beim Blick auf das im dunklen Parkdeck hell leuchtende, im Sonnenschein aber wesentlich schlechter ablesbare Display (Format 5,4 × 7,3 Zentimeter): 3 Stunden 21 Minuten soll die Fahrtzeit betragen. Wenn Sehnsucht nach den Erzeugnissen des heimischen Herds, das richtige Rad und eine gute Tagesform zusammenkommen, lässt sich die öfter mit 30,8 Kilometer genau vermessene Strecke trotz Ampelstopps in knapp einer Stunde bewältigen.

          Nützliches Wissen für Radfahrer

          Aber da ist eine Strecke gemeint, die zu entwickeln Monate gebraucht hat, verbunden mit etlichem Kartenstudium im Messtischblatt-Maßstab 1:25 000 und mit vielen praktischen Fahrversuchen. Zu entscheiden waren dabei Fragen folgender Art: Lohnt es, eine 350 Meter kürzere Streckenvariante zu wählen, wenn sie als erheblich schlechtere Wegstrecke mit einem Straßenrad langsamer gefahren werden sollte? Oder: Ist einen Tag nach einem Wolkenbruch die Strecke über tiefer liegende Forstwege, die bei Trockenheit ordentlich stauben, schon wieder möglich? Sollte man auf der etwas mehr Höhenmeter abverlangenden asphaltierten Strecke bleiben?

          Zoomen hilft wenig: Das Kartenbild des Xplova G3 ist mit weniger als 3,5 x 4,5 Zentimetern ziemlich klein
          Zoomen hilft wenig: Das Kartenbild des Xplova G3 ist mit weniger als 3,5 x 4,5 Zentimetern ziemlich klein : Bild: PY SOZEI

          Darin besteht die mangelnde Fairness gegenüber einem tumben kleinen Rechner, der nichts als seine paar Satelliten und ihre Daten kennt: Wie soll ein simples Kästchen am Lenker denn überhaupt etwas wissen vom - gelegentlich grauenvollen - Zustand hessischer Forst- und Wirtschaftswege? Und die aktuelle Verkehrslage kann es genauso wenig kennen wie den Pulsschlag der Pendlerströme, die zu bestimmten Zeiten ruhige Kreisstraßen dem zur Qual machen, der mit dem Fahrrad zur Arbeit oder nach Hause unterwegs ist.

          Fehlinformationen machen wütend

          Solches Wissen aber und noch ein paar Tricks mehr, das ist es, was im Alltag dem Radfahrer (und dem Wanderer ganz genauso) den Weg bahnt. Ein ortskundiger Autofahrer kennt im Zweifel bessere Schleichwege als das Navi. Auf zwei schmalen Reifen und per pedes kann jeder Strecken wählen und Dinge tun, die mit dem Auto völlig unmöglich sind. Man durchquert locker ein Haus, wo dieses einen gegen Autos mit Pollern verteidigten Durchgang hat. Man nimmt Treppen, einen Trampelpfad eine Böschung hinab, Fußwege entlang von Eisenbahnbrücken, und man schlüpft durch die Schikane am Ende einer Sackgasse ohne Wendemöglichkeit.

          Mit einem Fahrrad wendet man nicht, man dreht sich ähnlich wie ein Fußgänger einfach herum. Doch wenn man wenden muss, hat man schon ein bisschen verloren. Denn zu Fuß und im Fahrradsattel ist die Umweg-Empfindlichkeit hoch: Fehlinformationen der Art „Folgen Sie dem Straßenverlauf für 150 Meter“ machen bloß wütend, wenn man diese Anweisung auf einer T-Kreuzung erhält, an der kein Straßenname und kein auf abknickende Vorfahrt hinweisendes Verkehrsschild so etwas wie diesen Straßenverlauf andeuten.

          Auf direktem Weg zu Schnellstraße

          Gleich in mehreren Punkten blamierte sich das „vielfach ausgezeichnete“ Navigationsgerät von Falk. Es ist ein Witz, der aus der Autowelt stammt, auf einem 2,50 Meter breiten, in beiden Richtungen befahrbaren Radweg angewiesen zu werden: „In 300 Meter bitte wenden.“ Worauf mitten auf freier Strecke unbedingt folgt: „Bitte wenden, jetzt bitte wenden.“ Wesentlich weniger witzig ist es, wenn einen die sanfte Stimme ungerührt auf eine Kraftfahrstraße abbiegen lässt, obwohl die Bundesstraße schon im Kartenbild als autobahnartig zu erkennen ist. Ein Navi für Fußgänger und Radfahrer sollte seinen Benutzer doch schleunigst von der Schnellstraße scheuchen. Stattdessen erhält man da Hinweise der Art „Dem Straßenverlauf 800 Meter folgen“ - weil da tatsächlich die nächste Anschlussstelle ist.

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