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Fahrbericht Surly Bridge Club : Stahlross und Packesel

  • -Aktualisiert am

Das Surly Bridge Club Bild: Klee

Das Surly Bridge Club nimmt, mit Spezialtaschen versehen, den weiten Ausflug in Angriff. Es ist ein robustes Arbeitstier.

          3 Min.

          Assoziationen an die Anfänge des Mountainbikens liegen bei Surly auf der Hand. Die Rahmen des amerikanischen Herstellers aus Minneapolis sind ausschließlich aus Stahl gefertigt und wecken Erinnerungen an Modelle aus den 1990er Jahren. In der Reiseradler-Szene jenseits des Atlantiks haben sich die Räder längst einen Namen gemacht, sind mittlerweile aber auch außerhalb der Vereinigten Staaten geschätzte Tourenbegleiter. Vor allem im Kontext mit einem der aktuell ganz großen Themen der Branche, dem Bikepacking.

          Dabei geht es darum, minimalistisches Gepäck in vielen kleinen Spezialtaschen und Gepäckrollen am Rad zu verteilen und mit dem so ausgerüsteten Drahtesel für ein paar Tage oder gar mehrere Wochen in der Wildnis zu verschwinden. Herkömmliche Gepäckträger oder opulente Packtaschen sind tabu und werden der Sache auch nicht gerecht. Denn Sinn dieser Gepäck-Askese ist es, kniffliges Gelände jenseits von Asphalt und Waldwegen zu erschließen. Pfade also, die dem klassischen Reiseradler aufgrund seiner Gepäckdimensionen und der Verteilung am Fahrzeug größtenteils verwehrt bleiben.

          Auch wenn solche Radabenteuer im Grunde mit jedem beliebigen Mountain- oder Gravelbike bestritten werden können, tummeln sich auf dem Markt auch Spezialisten. Stilprägend sind unter anderem die Räder von Surly. Technikverliebte und Leichtbau-Fanatiker schütteln angesichts der überschaubaren Produktpalette erfahrungsgemäß mit den Köpfen. Die Rahmen sind aus Stahl, Komponenten eher zweckorientiert. Die zumeist ungefederten Modelle wirken wie der Gegenentwurf zum Schneller-Höher-Weiter der um Innovationen und kurze Modellzyklen nicht verlegenen Fahrradbranche.

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          Fahrbericht : Surly Bridge Club

          Damit ist auch schon viel über das Surly Bridge Club gesagt, das angesichts seiner Schlichtheit bei Kindern der 1990er Jahre für funkelnde Augen sorgt. Langer Vorbau, gerader Lenker, gerades 11/8-Zoll Steuerrohr und Schnellspanner – da werden Erinnerungen wach. Das einfarbig türkis lackierte Rad passt aber nicht in die Retro-Schublade, denn Scheibenbremsen, 27,5-Zoll-Laufräder mit bis zu 2,8 Zoll Breite und die bequeme, aufrechte Sitzposition sind Zugeständnisse an die Moderne. Mit 26-Zoll-Reifen passen sogar 3-Zoll-Reifen in den Rahmen, was das Surly beinahe zum Fatbike macht.

          Auffällig sind außerdem die vielen Edelstahl-Schraubenköpfe, die aus Rahmen und Gabel des aus Taiwan stammenden Cromoly-Konstrukts hervorragen. Hier können diverse Flaschenhalter oder spezielle Mini-Gepäckträger – sogenannte Anything-Cages – montiert werden. Doch auch Schutzbleche und klassische Vorder- und Hinterrad-Gepäckträger finden Halt am gut verarbeiteten Rahmen. Ein vielfältiges Gefährt also, das sich gemäß dem Einsatzzweck anpassen lässt.

          Es ist in der Summe der Eigenschaften kaum überraschend, dass sich das mit Gepäck für einen Selbstversorger-Wochenendausflug behangene Rad selbst auf ruppigem Terrain gut schlägt. Die 2,2-Zoll-Reifen von WTB bieten bei moderatem Profil ordentliche Traktion auf losem Untergrund und geben dem ungefederten Surly aufgrund ihres Volumens hohen Fahrkomfort. Dafür mitverantwortlich ist auch die relativ aufrechte Sitzposition, die in Kombination mit kurzem Hinterbau und breitem Lenker für ein agiles Handling sorgt. Das Bridge Club ist kompakt, weckt auf Trails den Spieltrieb, ohne bei Gepäcktouren instabil zu wirken. Gebremst wird mechanisch, für Gangwechsel ist eine Kombination aus Sram X5 und GX verantwortlich. Mit den 2×10 Gängen meistert das Mountainbike sämtliche Anforderungen zwischen steilen Anstiegen und rasanten Abfahrten und lässt sich selbst bepackt wie ein stählerner Muli durch die Lande pedalieren.

          Auch auf Asphalt-Etappen schlägt sich das Bridge Club für ein geländeaffines Gefährt gut. Hier überrascht zuallererst der Reifen, der – mit entsprechendem Luftdruck versorgt – für gute Rolleigenschaften sorgt. Auch die Ergonomie ist für ein Rad mit Mountainbike-DNA in Ordnung. Lediglich der Lenker ist hier nicht ideal – ein bisschen zu breit, etwas zu gerade und ohne Zubehör bietet die Lenkstange keine Variationsmöglichkeiten bei der Griffposition. Davon abgesehen weiß das unprätentiöse Surly zu überzeugen. Den Kettenriss in einem knackigen Gegenanstieg und das gegen Ende des Testzeitraums leise knackende Tretlager möchte man dem Velo als Bagatelle nachsehen. 1400 Euro ruft Surly für das Bridge Club auf, was für ein technisch überschaubares Rad zunächst nicht nach einem Schnäppchen klingt. Ähnlich viel kostet allerdings auch die neueste Generation der eingangs erwähnten kabellosen Schaltung. Zugegeben, bei dem Vergleich prallen nach velophilen Gesichtspunkten Welten aufeinander, doch er relativiert auch den Preis eines robusten Arbeitstiers, dem zwischen Alltag, Trail und allen Spielarten des Radreisens ein Brückenschlag gelingt.

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