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Experiment in Stuttgart : Welche Wirkung hat der Luftfilter am Neckartor?

  • -Aktualisiert am

Auf Durchzug: Filterwürfel Bild: dpa

Das Ende 2018 gestartete Experiment mit 23 Luftfiltersäulen am Stuttgarter Neckartor ist allen Zweiflern zum Trotz als Erfolgsgeschichte zu bewerten. Sowohl die Messwerte für Feinstaub als auch für Stickstoffdioxid sanken.

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          Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet ein grüner Verkehrsminister einräumt, dass es zur Senkung der Luftschadstoffe außer den von ihm favorisierten Fahrverboten noch andere, möglicherweise sogar effizientere Methoden gibt. Im Klartext: Das Ende 2018 gestartete Experiment mit 23 Luftfiltersäulen am Stuttgarter Neckartor ist allen Zweiflern zum Trotz als Erfolgsgeschichte zu bewerten. Sowohl die Messwerte für Feinstaub als auch für Stickstoffdioxid sanken an Deutschlands schadstoffreichster Kreuzung endlich unter die tolerierten Höchstwerte. Das geht aus einer mit wissenschaftlicher Begleitung durch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erstellten Studie des Filtersäulenherstellers und Automobilzulieferers „Mann + Hummel“ hervor. Natürlich haben auch die fortlaufende Erneuerung des Fahrzeugbestands und der pandemiebedingte Rückgang des Verkehrsaufkommens diese Entwicklung begünstigt.

          Die auf einem rund 350 Meter langen Streckenabschnitt installierten Filter Cubes, wie sie der Hersteller nennt, sind 3,60 Meter hoch und setzen sich aus je drei Würfeln mit einem Meter Kantenlänge zusammen. In ihrem Innern saugen Ventilatoren die Umgebungsluft an und leiten sie über Filterelemente mit einer Gesamtoberfläche von 50 Quadratmetern. Elektrostatisch aufgeladene Filtermatten aus Polypropylen nehmen den Feinstaub auf, während Aktivkohlelagen das Stickstoffdioxid binden.

          Der Luftdurchsatz an jeder Säule beträgt 14 500 Kubikmeter je Stunde, die Filterelemente werden monatlich ausgetauscht. Integrierte Sensoren erfassen kontinuierlich Luft- und Wetterdaten und ermöglichen je nach Feinstaubkonzentration eine dem Bedarf angepasste Ansteuerung der Ventilatoren, die laut Hersteller mehr als 80 Prozent der Feinstaubpartikel eliminieren können.

          Laut Studie ging die Stickstoffdioxidbelastung am Neckartor inzwischen durchschnittlich um neun Prozent zurück, bei Feinstaub waren es mehr als zehn Prozent. „Für mich ist das ein großer Erfolg“, bilanzierte der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann, dessen Behörde sich die Kosten von rund 1,5 Millionen Euro für dieses Pilotprojekt mit der Stadt Stuttgart und dem Ludwigsburger Filterlieferanten teilt. Am vorerst noch ausgesetzten Fahrverbot sogar für Euro-5-Diesel will Hermann freilich festhalten. Mit einem Urteil ist vermutlich erst Mitte kommenden Jahres zu rechnen.

          Die Idee, mit elektrisch betriebenen Filtersäulen im Großformat die Schadstoffbelastung zu reduzieren, ist übrigens nicht ganz neu. So ging beispielsweise 2018 in Hamburg ein von einem anderen Hersteller gelieferter rechteckiger Riesenfilter in Betrieb, der stündlich 40 000 Kubikmeter Luft reinigen können soll. Er passt in jede Parklücke und kann dank Methanol-Brennstoffzelle und Solarzellen auf dem Dach autark betrieben werden, falls am jeweiligen Standort kein Stromanschluss zur Verfügung steht. Auch in Polen, China und den Niederlanden sind inzwischen bis zu sieben Meter hohe Riesenfilter im Einsatz.

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