https://www.faz.net/-gy9-6m1hw

Erneuerbare Energien : Strom aus der Kraft der Wellen

  • -Aktualisiert am

In Reih und Glied: Wie die Orgelpfeifen stehen die (Wells-)Turbinen im Maschinenhaus des Wellenkraftwerks Bild: Voith AG

Im spanischen Mutriku ist das erste kommerzielle Wellenkraftwerk der Welt in Betrieb gegangen. Es liefert Strom für 250 Haushalte. Doch nur, wenn der Wind bläst und die Wellen schwappen - denn diese Art von Kraftwerk ist von den Launen der Natur abhängig.

          4 Min.

          Die Bewohner des westlich von San Sebastian gelegenen baskischen Hafenstädtchens Mutriku können sich glücklich schätzen. Denn seit wenigen Tagen sind einige hundert von ihnen nicht mehr auf fossil erzeugten Strom angewiesen. Ihnen liefert das erste kommerzielle Wellenkraftwerk der Welt Ökostrom ins Haus. Doch nur dann, wenn der Wind ordentlich bläst und Wellen erzeugt.

          Die schwappen dann gegen die neu errichtete Hafenmole, in die man das Wellenkraftwerk integriert hat. Denn diese Art von Kraftwerk ist - wie alle anderen Vertreter der erneuerbaren Energietechnik, darunter die Windkraftanlagen - von den Launen der Natur abhängig und kommt wie die landgestützten Vettern nur auf eine Stromausbeute von rund 20 Prozent (bezogen auf die Nennleistung).

          Jahre vergingen, bis die Mutriku-Anlage in Betrieb genommen wurde. Schon 2006 flossen Fördergelder aus Brüssel und halfen, den teuersten Teil der Anlage, eine neue Hafenbegrenzung, zu bauen. Diese Mole ist zum Teil hohl. In ihrem Innern verlaufen vertikale Luftschächte, auf die man 16 rund 18 Kilowatt „kleine“ Turbinen gesetzt hat. Damit gehört die baskische Anlage zur Gruppe der sogenannten OWC-Anlagen (oscillating water column), bei denen die Turbinen nicht unmittelbar mit dem Wasser in Kontakt kommen. Das Wasser schwappt vielmehr in ein an der Küste fest gegründetes Bauwerk und drückt so Luft durch die Röhren, was den Vorteil hat, dass die Turbinen nicht mit dem aggressiven Meerwasser in Berührung kommen. Sie müssen „nur“ der kaum weniger zerstörerisch wirkenden feuchten Salzluft widerstehen.

          Starr auf der Welle sitzende Schaufeln

          OWC-Anlagen sind damit im engeren Wortsinn keine Wellenkraftwerke, vielmehr Druckluftkraftwerke. Die Turbinenschaufeln werden von der in den Kavernenröhren komprimierten Luft bewegt, was keineswegs trivial ist, denn der Luftstrom ändert im ständigen Rhythmus des Wellengangs seine Richtung. Die Phasen „Drücken“ und „Saugen“ lösen sich ab, was auf den ersten Blick vermuten lässt, dass die Turbinen permanent ihre Drehrichtung ändern - und somit schwerlich zur Stromerzeugung taugen.

          Dass sie das nicht tun, ist das Geheimnis der vor rund 20 Jahren vom Schotten Alan Wells erfundenen und heute nach ihm benannten Turbine, die starr auf der Welle sitzende Schaufeln hat. Die sind wie die Tragflächen eines Flugzeugs geformt, so dass die im rechten Winkel auftreffende Luft einen Drall erzeugt und die Turbine auf Touren bringt. Das funktioniert zuverlässig, wie langwierige Tests an zwei unterschiedlich starken Probeexemplaren mit 250 und 18,5 kW gezeigt haben. Nur das Anstoßen der Laufräder ist aufwendiger als bei konventionellen Turbinen: Die Wells-Turbine muss angedreht werden, die Luftströmung allein bringt sie nicht in Gang.

          Der Wellenkraft Energie entlocken

          Die Wells-Turbinen-Technik gehört heute dem Heidenheimer Maschinenbaukonzern Voith, der auch die 250-kW-Typen vermarktet. Sie sollen erstmals auf der schottischen Hebrideninsel Lewis zum Einsatz kommen, wo man in der Siadar-Bucht mit mehreren „Luftstrom“-Turbinen den Atlantikwellen eine Leistung von bis zu vier Megawatt entziehen will. Lange war unklar, wie der Strom aufs Festland geschickt werden soll. Auf der Insel selbst gibt es nicht genügend Verbraucher. Doch mittlerweile ist ein Kabel verlegt. Wann mit den Bauarbeiten für das Kraftwerk begonnen werden kann, ist noch offen.

          Die Wells-Turbine konkurriert mit rund zwei Dutzend anderen Prinzipien, die alle versuchen, der Wellenkraft der Meere Energie zu entlocken. Sie tun das mit unterschiedlichem Erfolg. Vor allem die schwimmenden Varianten kämpfen mit der Schwierigkeit, dass sie zum Abtransport des Stroms an „Nabelschnüre“ gehängt werden müssen, von denen sie sich bei stürmischem Wetter gern losreißen.

          Versenkte Fundamentanker

          Weitere Themen

          Groovy Mangroven

          Ab in die Botanik : Groovy Mangroven

          Es gibt sie noch: Gute Nachrichten in der Corona-Krise. Der Zustand der Wälder ist gar nicht so schlecht, zumindest der Mangrovenwälder. Diese Pflanzen speichern fast fünfmal mehr Kohlendioxid als Bäume an Land.

          Autofahren in Zeiten von Corona

          Rechte und Pflichten : Autofahren in Zeiten von Corona

          Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf den Straßenverkehr. Abgesehen davon, dass viel weniger Autos fahren, sind Fragen unterwegs wie: Gilt das Kontaktverbot auch im Auto? Darf der Fahrer wegen des Verhüllungsverbots eine Schutzmaske tragen?

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.