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Energieversorgung : Die Kohle wird die Hauptlast tragen

  • -Aktualisiert am

Bild: Andre Laame / F.A.Z.

Bis zum Ende des Jahrzehnts will Deutschland weitgehend auf Kernenergie verzichten. Doch dazu muss der Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben werden. Um „Stromlücken“ zu schließen, wird man mehr Kohle, Öl und Gas verbrennen müssen.

          Drei lange Regalwände und nichts als Lampen. Dicke kurze und lange dünne, von denen das Gros kein Schraubgewinde hat, vielmehr Zapfen, Stifte und filigrane Nippel. Jeder „Birnenwechsel“ wird zum Geduldsspiel und lässt die mit dem altbewährten Edisonsockel E27 aufgewachsenen Zeitgenossen schier verzweifeln. Denn wer keine Pinzettenfinger hat, kann die innovativen Leuchtmittel gar nicht greifen. Und lesen, wie viel Watt die Dinger haben, schafft man auch nur mit der Lupe.

          Und wozu das Ganze? Zeitgeist und tatendurstige Designer fordern nach Neuem. Kleiner und feiner müssen die Lampen werden, und das abgestrahlte Licht soll intensiver und brillanter sein. Doch das alles entscheidende Argument ist Sparsamkeit. Moderne Lampen müssen mit der teurer werdenden Edelenergie Strom sparsam umgehen. Doch ob bei einem „Licht“-Stromanteil von 14 Prozent (bezogen auf den Durchschnittsverbrauch eines Haushalts) die richtige Gewichtung getroffen wird, ist zumindest zweifelhaft. Deutlich größere Einspareffekte ließen sich durch das Tauschen von alten, stromfressenden Kühltruhen und (Heizungs-)Umwälzpumpen gegen neue, effizientere erzielen. Doch diese Geräte werden gern übersehen, fristen sie doch im Vergleich zu den hell leuchtenden Lampen im wahrsten Sinn des Wortes ein Schattendasein, meist im Keller.

          Kanon der Energieschlucker

          Ähnlich schief sind die Vorstellungen, wie die nicht erst seit der Katastrophe von Fukushima von Politikern und Verbandsvertretern angemahnte Energiewende zu schaffen ist. Dabei beginnt der Wirrwarr bereits beim Versuch einer Begriffsklärung. Für die einen ist es die Herausforderung, bis 2022 die nach dem Ausstiegswettlauf im März am Netz verbliebenen neun deutschen Kernkraftwerke abzuschalten. Eine andere Gruppe subsumiert unter der Energiewende das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 den Anteil von Ökostrom am deutschen Energiemix von aktuell knapp 17 auf 35 Prozent mehr als zu verdoppeln. Dann gibt es jene, die (vollkommen zu Recht) die Focusierung auf die Stromerzeugung als viel zu kurz gesprungen ansehen und daher auf eine auf den Primärenergieverbrauch ausgerichtete Betrachtung drängen. Denn im Kanon der (drei) großen Energieschlucker spielt die Stromerzeugung zwar eine wichtige, aber nicht die entscheidende Rolle, ihr Anteil am Primärenergieeinsatz liegt mit 30 Prozent vielmehr gleichauf mit der Mobilität und damit dem Auto. Mit 40 Prozent ist die Hauswärmeerzeugung der von der Menge her wichtigste Part.

          Es gibt kein Vertun, man wird an allen Fronten kämpfen müssen, wenn man die verkündete Energiewende schaffen. Es gilt, unsere Häuser dick einzupacken und mit modernen, sparsamen Heizungsanlagen zu versehen. Wie groß der Aufwand dafür ausfällt, zeigt die Überlegung, jährlich drei Prozent der öffentlichen Gebäude (knapp 200 000) energetisch zu sanieren, was die Kommunen 40 Milliarden Euro kosten würde. Wem man die Lasten zum Ertüchtigen der 40 Millionen privaten Altimmobilien aufs Auge drücken will, bleibt offen. So kann man einem betagten Hausbesitzer nicht verübeln, seinen Ruhestand in den Wintermonaten lieber im sonnigen Süden zu verbringen, als sein Geld in dicke Dämmplatten zu investieren, die seinem Heim den Charme eines Bunkers mit tiefliegenden Schießscharten verleihen.

          Die Lücke schließen

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