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Energieeinsparverordnung : Heiße Luft um alte Heizungen

  • -Aktualisiert am

Fossile Energie: Dieser Kessel scheint nicht mehr auf dem neusten Stand Bild: IMAGO

Die beschlossene Energieeinsparverordnung schreibt den Tausch uralter Heizkessel vor. Das ist ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll. Aber kaum jemand muss seine Anlage tatsächlich herausreißen.

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          Wenn es um Verkaufsförderung geht, sind blumige Vergleiche gestattet. In den Kellerräumen der deutschen Häuser schlummert ein Riese, orakelt die Heizungbranche. Während ihre Autos immer sparsamer und sauberer werden, verfeuern die Deutschen in alten Anlagen einen stattlichen Teil ihres Einkommens. Zwar wird in Neubauten inzwischen modernste Technik installiert, aber Zentralheizungen sind langlebig und werden oft nur bei Bedarf ausgetauscht. Drei Viertel des Bestands von rund 20 Millionen Anlagen sind nach Branchenangaben veraltet.

          Dass durch einen Ersatz alter Heizungen für Gas und Öl mit vergleichsweise geringem Aufwand mit Blick auf die Umweltziele der Bundesregierung eine große Wirkung erzielt werden könnte, hat auch die Politik längst erkannt. In der Energieeinsparverordnung (EnEV) aus dem Jahr 2002, die sich mit Neubauten und Sanierungen beschäftigt, war bisher schon festgeschrieben, dass vor dem Jahr 1978 gebaute Heizkessel gegen moderne ausgetauscht werden müssen. In der vergangener Woche beschlossenen Neufassung, die voraussichtlich im März 2014 in Kraft tritt, ist auf Wunsch des Bundesrats als Stichtag der Beginn des Jahres 1985 definiert. Dass die Branche von einer Auftragsflut überrollt würde, ist indessen nicht zu erwarten; es gibt so viele Ausnahmen, dass kaum jemand betroffen ist.

          Immerhin folgt die Verordnung mit ihren Fristen der technischen Entwicklung, denn vor rund drei Jahrzehnten gab es einen Techniksprung. Im Visier hat die Bundesregierung die Konstanttemperaturkessel, die bis Anfang der achtziger Jahre technischer Standard waren und schon seit 1998 für Neubauten nicht mehr verwendet werden dürfen. Dieser Typ arbeitet mit durchgehend hohen Temperaturen von 70 bis 90 Grad Celsius. Sie sind erforderlich, damit es nicht zu einer Korrosion des Kessels durch kondensierende Verbrennungsgase kommt. Die dem Wärmebedarf entsprechende Vorlauftemperatur wird dadurch erreicht, dass im Mischer dem heißen Kesselwasser mehr oder weniger Rücklaufwasser beigemischt wird. Die stete Erhitzung führt zu einer hohen Wärmeabstrahlung und hohen Abgastemperaturen mit entsprechenden Verlusten und daher einem hohen Brennstoffbedarf. Der Wirkungsgrad liegt bei nur etwa 70 Prozent, fast ein Drittel der eingesetzten Energie verpufft also, ohne das Haus zu erwärmen.

          Den Löwenanteil stellen die Niedertemperaturkessel

          Alte Heizungen stehen außerdem in alten Gebäuden. Die aber sind oft zumindest zum Teil durch Wärmedämmung, Isolierfenster und moderne Radiatoren renoviert. Das hat zur Folge, dass die alte Heizung in vielen Fällen zu groß ausgelegt ist und deshalb im Teillastbetrieb arbeitet - das verschlechtert den Wirkungsgrad weiter. Soweit noch Konstanttemperaturkessel montiert sind, lassen sie sich zwar mit Dämmung und einem neuen Brenner ein wenig modernisieren. Der Erfolg hält sich jedoch in Grenzen. Viele sind ohnehin nicht mehr in Betrieb. Etwa 500.000 bis 600.000 Konstanttemperaturkessel gebe es nach Schätzungen in Deutschland noch, sagt Julie Heinl vom Bundesbauministerium. Die Heizungshersteller sehen den von der Verordnung über sie ausgeschütteten Segen noch etwas dürftiger. „Nur etwa 400.000 alte Standardkessel“, rechnet Andreas Lücke, der Hauptgeschäftsführer des Bundesindustrieverbands Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH).

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