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Energieautarke Gemeinde : Strom aus heimischen Quellen

  • -Aktualisiert am

Energiemix aus Windkraft und Sonnenenergie Bild: Paul-Langrock.de

Dank Einspeisevergütungen wird die lokale Elektrizitäts- und Wärmeversorgung möglich und erstrebenswert. Die Idee der Autarkie und damit der lokalen Energieerzeugung gewinnt zunehmend an Attraktivität. Das zeigt das Beispiel Morbach.

          Ebbes von hei. Unter diesem Motto veranstaltet Morbach, eine aus 19 Ortsbezirken bestehende und sich über 160 Quadratkilometer ausbreitende Hunsrückgemeinde, alljährlich eine regionale Leistungsschau. Zuletzt präsentierten rund 50 Aussteller unter anderem heimische Wurstspezialitäten, Rapsöl und Viez, wie Apfelwein im moselfränkischen Sprachraum heißt. Mit dieser Demonstration ihres lokalen Leistungsvermögens betont die 11 000-Einwohner-Gemeinde den Stellenwert, den sie dem vor gut zehn Jahren gestarteten Bestreben zuschreibt, immer mehr Güter und Leistungen aus der heimischen Scholle herauszuholen. Morbach will nicht nur den örtlichen Ackerbau fördern, sondern möglichst bald auch die im Ort verbrauchte Energie nicht mehr importieren müssen. Sie soll innerhalb der Gemeindegrenzen erzeugt werden. 2020 will man so weit sein.

          „Energieautark“ heißt das neue Zauberwort, von dem sich in Deutschland immer mehr Ortschaften und auch Städte begeistern lassen. Strom, (Haus-)Wärme, Gas und mitunter auch Treibstoff sollen innerhalb der Ortsgrenzen produziert werden, und zwar genau in der Menge, wie sie verbraucht werden. Ziel ist dabei, sich von den vier „Besatzungsmächten“ (RWE, Eon, Vattenfall, EnBW) zu lösen und den Scheichs nicht länger Geld für Erdöl und den Russen für Erdgas überweisen zu müssen. Als wichtiger Nebeneffekt sollen die Wirtschaftskraft der Region gestärkt und Arbeitsplätze geschaffen werden.

          Dass man mit diesem Trend zur Selbstversorgung an längst überwunden geglaubte Zeiten anknüpft, als arbeitsteiliges Wirtschaften wegen technischer und administrativer Hemmnisse noch nicht möglich war und jeder seine Kartoffeln selbst anbaute und seine Hosen nähte, scheint nicht sonderlich zu stören. Vielmehr ist es nach der halbwegs überstandenen Finanzkrise und einer sich abzeichnenden Klimaerwärmung eine Art Sport geworden, intensiver über autarkes Wirtschaften nachzudenken, was man am wachsenden Angebot an Selbstversorgerkursen ablesen kann, die einem an drei Tagen die Sauerkrautproduktion und den Gemüseanbau auf Kleinflächen (Balkon) nahebringen.

          Auf dem Gelände eines ehemaligen US-Munitionslagers steht die Morbacher Energielandschaft

          In diesem Jahr mit bis zu 10 000 Megawatt

          Wenn Gemeinden heute den Autarkiegedanken hochhalten, wollen sie ihren Bürgern jedoch nicht das Schnapsbrennen „mit Kleinanlagen“ schmackhaft machen. Ziel ist vielmehr, die mit der Energieerzeugung (gemeint ist meist ausschließlich die Stromproduktion) verbundenen Umweltbeeinträchtigungen (CO2-Ausstoß) zu minimieren. Dazu muss der Ausbau erneuerbarer Energietechniken vorangetrieben werden, was seit 2000 über recht üppige Einspeisevergütungen auf Grundlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) kräftig gefördert wird und die Stromrechnungen der Privatkunden und der Industrie in die Höhe treibt. Vor allem der Boom der Solarwirtschaft, die immer mehr PV-Module auf Dächer und Freiflächen montiert, treibt die Kosten, so dass im kommenden Jahr ein Dreipersonenhaushalt, der rund 3500 Kilowattstunden (kWh) im Jahr verbraucht, eine etwa 60 Euro höhere Stromrechnung bekommen wird. Und ein Ende ist nicht abzusehen, denn man rechnet damit, dass in diesem Jahr mit bis zu 10 000 Megawatt in etwa die Menge an Solarmodulen neu ans Netz geht, die Ende 2009 installiert war.

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