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Energie 2020 : Wohnen in der schlauen Stadt

  • -Aktualisiert am

Kleinteilig: Penibel angeordnet werden die Häsuer der Ökostadt Fujisawa. Durch die Eigenversorgung mit Strom will man einen Beitrag zum Umweltschutz leisten - was nur ansatzweise gelingt. Bild: Panasonic

„Intelligente“ Häuser werden zu Smart Citys zusammengebunden. Das soll den Wohnkomfort steigern und helfen, die Energieversorgung auf erneuerbare Quellen umzustellen.

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          Glücklich, wer ein neues Haus baut. Denn mit überschaubarem Mehraufwand kann man sein Heim mit all der "Intelligenz" aufrüsten, die von den Anbietern der Kommunikations- und Unterhaltungstechnik, den Küchengeräteherstellern, der Lampenindustrie und den Produzenten von Heiz- und Lüftungsgeräten für das "smarte" Heim angeboten werden. Dass all diese Apparate untereinander vernetzt sind und damit das Steuern nicht nur von Einzelgeräten, sondern des gesamten Haus-Systems möglich wird, versteht sich von selbst.

          Clevere Rechner und ausgefuchste Softwareprogramme lassen keine Wünsche offen. Zu jeder Tageszeit können wir vom Arbeitsplatz aus die Raumtemperatur ändern, Rollläden rauf- und runterfahren oder die am Morgen in den Backofen gelegte Tiefkühllasagne erwärmen. So rechtzeitig, dass wir sie - wie lecker! - nach der Rückkehr in unser High-Tech-Haus am Abend gleich verspeisen können. Über unser Smartphone halten wir ständig Kontakt zur Leitzentrale unseres Eigenheims und können sekundengenau abfragen, wie viele Kilowattstunden (zu welchem Preis) wir in den vergangenen Stunden unserem Stromlieferanten abgekauft haben.

          Außendämmung verbietet der Denkmalschutz

          Zwar lässt sich diese Steuerungsintelligenz auch in die von der Großmutter geerbte Altimmobilie einbauen. Doch ist hier der Aufwand deutlich größer, müssen doch Schlitze geklopft und Leitungen zu den einzelnen Bausteinen des "vernetzten" Hauses gelegt werden. Der größte Nachteil des Ertüchtigens im Bestand, wie es die Fachleute nennen, ist jedoch, dass man älteren Häusern nur schwer ihren immensen Heizenergiehunger austreiben kann. Neue Fenster und eine moderne Heizung sind ein guter Anfang. Aber eine Außendämmung verbietet häufig der Denkmalschutz. Zudem hält sich die Begeisterung darüber in Grenzen, nach dem Aufkleben von etlichen Zentimeter Isolierschaum fortan durch schießschartenartige Fenster blicken zu müssen.

          Diese Schwierigkeiten kennt man im Neubau nicht. "Intelligente" Niedrigenergie- und auch clevere Passivhäuser kann man mittlerweile zu Hunderten besichtigen, so dass von Planern, Architekten und Investoren mittlerweile größere Kreise geschlagen werden: Das Zauberwort heißt heute "Smart City". Nicht mehr die einzelne Liegenschaft gilt es zu optimieren, vielmehr sollen ganze Städte mit "intelligenten" Netzen überzogen werden. Und zwar will man deren Energieversorgung, die gesamte Telekommunikation, den Verkehr und den Umgang mit dem Abfall so organisieren, dass weniger Energie benötigt und die je Bürger an die Umwelt abgegebene CO2-Fracht minimiert wird und darüber hinaus die Städte sicherer werden.

          Die Konkurrenz schläft nicht

          Vor allem in Asien haben bereits Dutzende Gemeinden ihren Willen bekundet, sich zur Ökostadt zu entwickeln. Was im Detail darunter zu verstehen ist, variiert von Fall zu Fall. Einmal geht es lediglich darum, die Verkehrsströme zu optimieren, während an anderer Stelle eine einzige Vorzeige-Immobilie eine ganze Großstadt adeln soll. Der Gestaltungsspielraum ist so groß wie das Geschäft, das der Aufbau schlauer Städte verspricht. Von Beträgen jenseits der 100-Milliarden-Euro-Marke bis zum Jahr 2020 ist die Rede, so dass es nicht verwundert, dass Unternehmen wie Siemens, IBM, Cisco und General Electric schon begonnen haben, sich als fachkundige Anbieter zu positionieren.

          Doch die asiatische Konkurrenz schläft nicht. So arbeiten die Elektronikkonzerne Hitachi, Toshiba und Fujitsu an Smart-Ciy-Konzepten. Auch Panasonic hat mit einigem PR-Rummel angekündigt, ein Öko-Musterstädtchen in Fujisawa, einer Stadt südlich von Tokio, bauen zu wollen. Auf einem brachliegenden ehemaligen Werksgelände sollen 1000 Baukastenhäuser entstehen, die vom konzerneigenen Fertighausanbieter PanaHome entwickelt und aufgestellt werden. Das Ziel geht man etappenweise an: Bis 2013 sollen die ersten 300 Häuser stehen, für die bereits Interessenten gesucht werden. Rund 500.000 Dollar werden als Preis inklusive Grundstück genannt.

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