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Elektronischer Personalausweis : „Sicherste Technik, die es gibt“

  • Aktualisiert am

„Das bedeutet nicht, dass der Personalausweis unsicher ist”: Cornelia Rogall-Grothe Bild: Peter Welchering

Der elektronische Personalausweis ist da - und wird heftig kritisiert. Die IT-Beauftragte der Bundesregierung, Cornelia Rogall-Grothe, hält die Diskussion um die Sicherheit des „ePerso“ für überflüssig. Im Interview sagt sie, er sei absolut sicher.

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          Der elektronische Personalausweis wird von diesem Montag an ausgeliefert. Doch nun gibt es eine spannende Diskussion über die Sicherheit des „ePerso“. Die IT-Beauftragte der Bundes-regierung, Cornelia Rogall-Grothe, zugleich Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, hält die Diskussion um die Sicherheit des Personalausweises aber für überflüssig: Der neue „ePerso“ sei absolut sicher.

          Wann gibt es denn den ePerso 2.0, bei dem die Sicherheitslücken geschlossen sind, über die wir im Augenblick diskutieren?

          Die Frage ist vielleicht eher verständlich, wenn Sie erklären, wo Sie Sicherheitslücken sehen.

          Der neue Ausweis im Kartenlesegerät

          (siehe auch: „ePerso“ ist da: Kartenspiel mit Risiko)

          Wenn sich ein Computervirus oder „Keylogger“, der Tastatureingaben mitschreibt, auf dem PC befindet, an dem ein Lesegerät für den neuen Ausweis angeschlossen ist, lässt sich dessen sechsstellige PIN ausspionieren.

          Sie gehen also von einem infizierten PC aus. Mittelpunkt des geschilderten Angriffsszenarios ist ein mit Schadsoftware infizierter PC, auf den ein Unbefugter mit Hilfe eines speziellen Hackerangriffs Zugriff erlangt hat. Ist dieser Angriff erfolgreich, kann der Angreifer unabhängig von der genutzten Anwendung heimlich alle Tastatureingaben oder Bildschirmanzeigen mitlesen. Aber das hat nichts mit dem Personalausweis zu tun.

          Die PIN wird aber doch nur abgefragt, wenn der Personalausweis im Lesegerät liegt.

          Ich wiederhole: Das bedeutet nicht, dass der Personalausweis unsicher ist. Es gibt keine Sicherheitslücke. Vor Schadsoftware am PC kann sich jeder wirksam schützen, indem er Virenschutzprogramme benutzt und eine Firewall installiert.

          Muss die Regierung nicht auch das reale Umfeld des Personalausweis-Einsatzes bedenken, wenn dieser unter anderem eine digitale Signatur und biometrische Daten enthält? Virenbefall hat doch jeder schon mal erlebt.

          Man muss mehrere Dinge auseinanderhalten. Zunächst geht es darum, wie der Personalausweis konfiguriert ist. Er hat einen Chip, auf dem biometrische Daten gespeichert sind. Die Speicherung von Fingerabdrücken ist fakultativ, also nicht zwingend. Dieser Teil des Chips betrifft den Personalausweis als Ausweisdokument für hoheitliche Zwecke, etwa bei einem Grenzübertritt, und kann auch nur von den dazu berechtigten hoheitlichen Stellen und nicht im Internet ausgelesen werden. Dann gibt es zweitens die sogenannte eID-Funktion, mit der man sich im Privatrechtsverkehr und im Umgang mit Behörden authentifizieren kann. Diese Funktion ist ebenfalls freiwillig, wir empfehlen sie aber. Drittens die Signaturfunktion, die eine Unterschrift ersetzt, auch sie ist freiwillig. Letztere ist nichts Neues, es gibt schon länger Signaturkarten und die qualifizierte elektronische Signatur. Die gesamte Technik ist sicher. Wenn man den Ausweis einsetzt, findet das immer in einem Umfeld statt, das man im Blick haben muss. Es gelten dieselben Sorgfaltspflichten, die bereits heute bei Internetanwendungen - etwa beim Online-Banking - zum Tragen kommen. Dazu gehört eine sichere Computerumgebung.

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