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Elektroantrieb für das Fahrrad : Bosch übt sich in kleinen Tritten

  • -Aktualisiert am

Bosch hat den Motor Performance Line CX überarbeitet. Bild: Hersteller

Retuschen statt einer Revolution für das Elektrorad der kommenden Saison. Wer wirklich Richtungsweisendes erhofft hatte, sieht sich enttäuscht.

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          Muss ein Marktführer die Nase ganz vorn im Wind haben, wenn der Laden wie geschmiert läuft? Jein, Bosch ist mit seinen Elektroantrieben für Fahrräder bislang gut damit gefahren, rechtzeitig und mit Macht Entwicklungen anzubieten, die sich bei anderen, kleineren Wettbewerbern vielleicht schon etwas früher abzeichneten. Und so hat es immer wieder Jahre gegeben, in denen Neuheiten weniger spektakulär ausfielen als in anderen. Die Vorausschau auf die Saison 2021 ist von solchem Abwarten geprägt. Wer erhofft hatte, dass Bosch sich der Entwicklung hin zu noch kleineren 250-Watt-Motoren und Akkus geringerer Kapazität mit einem eigenen Antrieb fürs Rennrad und das leichte Stadtrad anschließen werde, sah sich enttäuscht. Es wurden Retuschen an den vorhandenen Produkten präsentiert, nichts wirklich Richtungsweisendes.

          Im Falle des Antriebs Performance Line CX könnte man sogar von Nachbesserungen sprechen. Dass der Bosch-Motor nicht nur in älteren Versionen, sondern auch in seiner bislang aktuellen nicht das ultimative Mittel war und ist, um dem Mountainbiker den Berg hochzuhelfen, hatte sich längst als herrschende Meinung durchgesetzt. Nun bekommt der CX für die Saison 2021 mittels eines „umfassenden“ Softwareupdates zum einen mehr Durchzugskraft in Form von 85 Newtonmeter Drehmoment in den höchsten Unterstützungsstufen spendiert. Es soll nicht verschwiegen werden, dass längst Motoren mit 120Nm am Start sind. Wie anabolisch sich die Kraftkur auf den CX auswirkt, lässt sich hier leider noch nicht beschreiben, denn gefahren wurde die aufgepeppte Version bislang nicht.

          Unter dem gleichen Manko, dass sich lediglich die Verheißung mitteilen lässt, die praktische Erfahrung aber noch fehlt, leiden auch die beiden anderen Neuerungen am CX durch das Softwareupdate: Die Wirksamkeit des eMTB-Modus erstreckt sich von 2021 an nun über einen weiteren Bereich der Trittfrequenz. Außerdem sei die Abstimmung der auf den Pedaldruck reagierenden Unterstützung verfeinert worden, sagt Bosch. Extended Boost nennt der Hersteller das kurzfristige Zuschalten maximaler Unterstützung, das beim Überfahren von Kanten, Steinen oder Wurzeln „in Sekundenbruchteilen“ weiterhelfen soll. Ausgelöst werden soll es durch „situativen Druck auf das Pedal“. Man mag sich sozusagen einen Kickdown vorstellen und eine Wirkung ähnlich jener, wenn man einen Shimano-Motor – allerdings mit dem Taster unter dem Lenker – in den Boost-Modus schaltet.

          Das Nyon-Display: Mit einem 3,2-Zoll-Bildschirm kleiner als bisher.

          Insgesamt wird der CX-Motor mit diesen Veränderungen noch mehr zu einem dezidierten Antrieb fürs Mountainbike. Lange war er ja einfach als die stärkste Motorvariante von Bosch in Räder anderer Charakteristik eingebaut worden. Schon mit dem Softwareupdate zum eMTB-Modus hatte man beispielsweise in einem Reiserad aber nicht viel anfangen können. Neu gestaltet wurde für die Saison 2021 das Display Nyon. Wesentliche Veränderung: Es ist mit einem 3,2-Zoll-Bildschirm kleiner als bisher und lässt sich nun statt über Tasten und den Druckknubbel namens Joystick auf dem Touchscreen bedienen. Was leider nicht verbessert wurde, ist die unverhältnismäßige Aufteilung mancher Bildschirme zwischen unnötig groß und grafisch aufbereiteten Anzeigeinhalten und einer Vielzahl im Gegensatz dazu arg klein gehaltener Angaben. Über das Bosch-Portal und in Verbindung mit dem Smartphone in der Trikottasche bietet das Nyon auch mehr Konnektivität fürs Tourenplanen oder Sich-Vergleichen. Nicht zuletzt: Ob die neue Gestaltung des Bedienungssatelliten am Lenkergriff sich als so praktisch herausstellt, wie sie aussehen will, muss sich erst noch herausstellen.

          Das Kiox-Display lässt sich in Verbindung mit einem Smartphone von 2021 an als – allerdings eher einfaches – Navigationsgerät benutzen. Seine Bildschirminhalte sind individuell konfigurierbar, wie das schon beim Nyon der Fall war. Apropos Smartphone: Die Bike-App von Cobi wartet mit Notfallfunktionen auf, erkennt einen Sturz oder hilft bei Serviceproblemen weiter. Dass Bosch mit seinen Elektroantrieben nun reichlich zehn Jahre auch auf dem Fahrradmarkt aktiv ist, hat einige Hersteller zu limitierten Sondermodellen inspiriert. Mehr als nur ein Auge kann man etwa auf das Topstone Neo Carbon Lefty LE werfen, ein modisches Gravelbike, das für schlappe 9500 Euro im September 2020 beim Cannondale-Händler steht. Nur schnell muss man sein: Es soll nur 50 Exemplare geben.

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