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Elektro-Außenborder : Stromschnelle und Solarzelle

  • -Aktualisiert am

Spritziges Vergnügen: Elektro-Außenborder, die so viel Fahrspaß vermitteln wie der Deep Blue, gab es bisher nicht. Die Palena 6.2 erreicht mir dem neuen Antrieb 40km/h Bild: Hersteller

Neu war das Konzept nicht, aber Torqeedo hat es richtig angepackt. Mit seinen Elektro-Außenbordern stieg das deutsche Unternehmen zum Marktführer auf. Und baut heute den stärksten Motor der Welt.

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          Als es Christoph Ballin vor acht Jahren an den Starnberger See zog und ihm dadurch das Wasser zu Füßen lag, war der Traum vom flotten Motorboot schnell geträumt. Allerdings ist der Einsatz von Verbrennungsmotoren dort verboten. Nur Elektroantriebe sind erlaubt. Im Handel fand der promovierte Betriebswirt nur leistungsschwache Modelle mit Technik, die er für veraltet hielt. Damit war die Marktlücke gefunden. Das Ergebnis ist Torqeedo, inzwischen Weltmarktführer für elektrische Außenborder.

          Eine clevere Idee allein genügt nicht, um erfolgreich zu sein, das hat sich in der Geschichte immer wieder gezeigt. Schon der 1881 von dem französischen Elektroingenieur Gustave Trouvé erfundene Außenborder hatte einen Elektromotor. Doch damals nahm die Sache einen anderen Lauf, der Verbrennungsmotor verdrängte die - zumindest in der Anwendung - saubere Elektrotechnik. Zwar starben Elektro-Außenborder nie aus, aber sie geisterten über ein Jahrhundert nur in leistungsschwachen Versionen mit mäßigem Erfolg durch die Bootswelt. Erst das Ende 2005 gestartete Projekt Torqeedo sorgte für neuen Schwung. Ballin hatte bis dahin sieben Jahre Erfahrung als Berater bei McKinsey gesammelt. Drei Jahre folgten bei Gardena, wo er zuletzt das Marketing verantwortete. Genug Rüstzeug also, um ein eigenes Unternehmen aufzubauen, das schließlich im November 2012 den stärksten Elektro-Außenborder der Welt hervorbrachte: In seiner Leistungsausbeute entspricht der Torqeedo Deep Blue einem Verbrennungsmotor mit 58,8 kW (80 PS). Mittlerweile kann man ihn kaufen.

          Elektro-Außenborder ab 1500 Euro

          Zunächst wurden für kleinere Bötchen kleinere Brötchen gebacken. Denn obwohl das Konzept Elektro auf dem Wasser nicht neu war, hatte der Hersteller Pionierarbeit zu leisten. Da die Technik durch neue Akkus und Mikroelektronik in den vergangenen Jahrzehnten gewaltige Fortschritte gemacht hatte, war einiges aufzuarbeiten. Und das Ziel war hoch gesteckt. Von Anfang an sollte das Unternehmen die weltweite Marktführerschaft für elektrische Bootsantriebe anstreben. Um das zu erreichen, setzten die Entwickler auf Lithium-Akkus, Leichtbau und intelligente Mikroelektronik, wie beispielsweise den eigenen Bordcomputer mit integriertem GPS, der den Fahrer auch über die Restenergie informiert. Außerdem sollte der Wirkungsgrad auf bestmögliche Werte gesteigert werden. Dazu mussten höchst effiziente Propeller und Getriebe entwickelt werden. Heute bietet Torqeedo eine Modellpalette mit dem angeblich besten Gesamtwirkungsgrad auf dem Markt. Das führt zu einer exzellenten Leistungsausbeute und Reichweite. Die gesamte Technik ist natürlich abgedichtet. Beim Eintauchen in bis zu einem Meter tiefes Wasser bleibt dem Anbieter zufolge für mindestens 30 Minuten alles trocken.

          Tankstelle an Bord: Elektroantriebe der Einstiegsklasse lassen sich mit einem flexiblen Solarzellenmodul laden. Ausrollen, ausbreiten, abwarten Bilderstrecke

          Das Einstiegsmodell Travel 503 (ab 1499 Euro) erreicht mit einer Eingangsleistung von 500 Watt eine Vortriebsleistung von 220 Watt, was einem Wirkungsgrad von 44 Prozent entspricht, der Schub ist mit dem eines Benzin-Außenborders mit zwei Pferdestärken vergleichbar. Von einer solchen Effizienz träumen die Hersteller von Benzinmotoren nur. Die Akkus sind in die kleineren Antriebe Torqeedos integriert, das vereinfacht das Handling.

          Der gesamte Motor wiegt weniger als 13 Kilogramm. Kaum schwerer ist der doppelt so starke Bruder Travel 1003 (300 Euro Aufpreis). Ein durchaus tragbares Vergnügen also, denn ein Verbrennungsmotor mit vergleichbarer Leistung von 2,9 kW (4 PS) bringt rund 25 Kilogramm auf die Waage, ist in der Anschaffung allerdings etwa 30 Prozent billiger. Als Energielieferant dient ein Solarpanel mit 45 Watt, das den Akku des Travel 503 in acht Stunden lädt. Bei Marschfahrt mit Halbgas reicht die Energie für zwei Stunden. Die Batterie des Travel 1003 muss fünf Stunden länger am Sonnenlader hängen. Dann ist aber auch Strom für mehr als drei Stunden gemütliche Fahrt im Solartank.

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