https://www.faz.net/-gy9-7iml9

Elektro-Außenborder : Stromschnelle und Solarzelle

  • -Aktualisiert am

Deep Blue vermittelt leistungsstarken Fahrspaß

Die Travel-Serie ist Torqeedos Bestseller. Je nach Leistung sind die Antriebe an allen Motor- oder Segelbooten bis 1,5 Tonnen einsetzbar. Doch die Modellpalette ist wesentlich größer. Für Kanufahrer, denen das Paddeln zu anstrengend wird, gibt es für 1599 Euro den Ultralight 403. Bei 6 km/h reicht der Strom für rund vier Stunden. Kunden mit höheren Ansprüchen werden ebenfalls fündig, das war ja eigentlich der Hintergrund der Unternehmensgründung. Die Cruiser-Serie (ab 2899 Euro) geht mit 2000 bis 4000 Watt Eingangsleistung an den Start, was Benzinmotoren mit 6 PS (4,4 kW) bis 9,9 PS (7,3 kW) entspricht. Das stärkste Cruiser-Modell soll mit bis zu vier Tonnen schweren Motor- oder Segelyachten zurechtkommen. Zur Energieversorgung dienen Lithium-Akkus vom Typ Power 26-104 mit 2685 Wattstunden und einem Batterie-Management-System mit redundanten Sicherheitsfunktionen. Dafür ist indes nochmal fast die gleiche Summe aufzubringen. Das Laden mit Solarzellen ist hier in der Praxis kaum möglich, am Stromnetz dauert es elf Stunden.

Zur Saison 2013 präsentierte das innovative Unternehmen den kräftigsten Elektro-Außenborder überhaupt. Der Deep Blue bringt mit einer Eingangsleistung von 75 PS (55 kW) durch seinen exzellenten Wirkungsgrad von 54 Prozent eine Vortriebsleistung von 40,5 PS (29,7 kW) ins Wasser. Damit macht er einem Benzinmotor mit 80 PS (58,8 kW) Konkurrenz. Die effiziente Nutzung der Energie ist auch einem speziellen Propeller zu verdanken. An der Nabe herkömmlicher Schiffsschrauben bilden sich durch die Drehbewegung störende Wirbel, die Leistungseinbußen verursachen. Der Hydrodynamik-Spezialist Reinhard Schulze von der SVA Schiffsbau-Versuchsanstalt Potsdam entwickelte ein schon 2002 patentiertes Verfahren, das bei Großschiffen und U-Booten, aber auch bei den Propellern des Deep Blue zum Einsatz kommt: Kleine Propellerblätter am Ende der Nabe verhindern das Entstehen von Verwirbelungen.

Mehr Reichweite durch zusätzliche Akkus

Ganz so lautlos, wie sich mancher das erträumen mag, ist das Vergnügen allerdings nicht, wie man an Bord eines Boots wie der Palena 6,2 - eine nur 380 Kilogramm wiegende Schönheit aus Edelholz von 6,20 Meter Länge - feststellt. Auch ein Elektroantrieb, insbesondere das Getriebe, verursacht Geräusche. Allerdings überwiegen die Windgeräusche deutlich, und der Elektromotor ist insgesamt leiser als ein vergleichbarer Benzinkollege. Mit nur 125 zu rund 160 Kilogramm gewinnt der Deep Blue den Gewichtsvergleich. Allerdings fehlt bei der Gegenüberstellung noch der Treibstoff. Mit zwei Fahrakkus bringt ein Gesamtsystem rund 463 Kilogramm auf die Waage. Um das zu toppen, müsste ein Vergleichsboot mit Benzinmotor schon sehr überdurchschnittliche Mengen an Treibstoff mitführen.

Unter Volllast, wobei das Testboot bei 6200 Umdrehungen immerhin 40 km/h erreicht, ist der gespeicherte Strom der beiden Batterien in rund 30 Minuten verbraucht. Bei einer Marschfahrt von 20 km/h sind schon 82 Minuten drin. Wer sich mit 9 km/h begnügt, hat Strom für mehr als acht Betriebsstunden dabei. Steigern lässt sich die Reichweite mit zusätzlichen Akkus. Die wurden nach Vorgaben von Torqeedo bei Johnson Controls, Zulieferer für Hybrid-Autos, entwickelt. Der Hersteller vertraut seiner Technik und gibt immerhin neun Jahre Gewährleistung auf 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität.

Torqeedo ist weiter auf Expansionskurs

Investitionssicherheit ist auch nötig, denn für den Deep Blue verlangt der Händler 17.990, in der Mindestausstattung mit zwei 29.800 Euro kostenden Fahrakkus 47.790 Euro. Torqeedo errechnet 4642 Euro Betriebskosten im Jahr bei 150 Betriebsstunden. Die Summe beinhaltet die Finanzierung von zwei Fahrakkus mit einem Zinssatz von fünf Prozent über den Gewährleistungszeitraum sowie die Stromkosten von jährlich 150 Ladungen mit 80 Prozent der Kapazität. Das liegt deutlich über den Treibstoffkosten eines Benzin-Außenborders. Aber den darf oder will man eben nicht überall einsetzen.

Torqeedo ist weiter auf Expansionskurs, wie Ballin hervorhebt. Seit der Gründung wurden mehr als 35.000 Antriebe verkauft. Um weiter wachsen zu können, wurde der Firmensitz von Starnberg in ein wesentlich größeres Gebäude nach Gilching verlegt. Hier wird nicht nur entwickelt, sondern auch produziert. Alle Motoren sind also „made in Germany“. Auf dem deutschen Markt laufen die Geschäfte bestens, wie es heißt. Chancen wittert man in China und Brasilien. Beim Ausbau der Produktpalette liegt der Schwerpunkt momentan auf den höheren Leistungsklassen. Durch weiteres Wachstum und neue Produkte soll das Unternehmen bis 2015 profitabel werden.

Weitere Themen

Welcome to Düssel Beach

Messe Boot : Welcome to Düssel Beach

Der Nabel der Wassersportwelt liegt derzeit weder in Monaco noch in Miami, sondern ganz eindeutig am Rhein. 1900 Aussteller aus 71 Ländern füllen die 17 Hallen der Düsseldorfer „Boot“. Schauen wir uns ein wenig um auf der „größten Wassersportmesse der Welt“.

Gefährliche Bürger

Schlusslicht : Gefährliche Bürger

Die Menschen sollen Elektroauto fahren, aber Strom wird immer teurer. Der Staat schwimmt im Geld, doch Steuersenkungen sind gefährlich. Was klemmt, regeln wir über Subventionen.

Topmeldungen

Salvini am Samstag in Maranello, natürlich stilecht mit Ferrari-Mütze

Matteo Salvini : Ein Mann, ein Prozess

Vor der Regionalwahl in der Emilia-Romagna ruft Matteo Salvini dazu auf, ihm die Immunität zu nehmen. Der Chef der Lega-Partei will aus dem Ermittlungsverfahren gegen ihn politischen Nutzen ziehen.
Der amerikanische Präsident Donald Trump spricht Mitte Januar bei einer Wahlkampfkundgebung im Bundesstaat Wisconsin.

Wahlen in Amerika : Die Opposition muss draußen bleiben

In der republikanischen Partei gibt es durchaus ein paar Trump-Gegner, sie haben aber meist keine gewählten Ämter. Eine neue Lobbygruppe ruft in ihrer Verzweiflung nun zur Wahl von Demokraten auf.
Dubravko Mandic vergangenen Herbst in Leipzig

Protest der AfD gegen SWR : Eine Grenze überschritten

Nach dem „Oma-Video“ hat die AfD in Baden-Baden gegen die Öffentlich-Rechtlichen gehetzt, darunter der Politiker Dubravko Mandic. Der Auftritt könnte strafrechtliche Folgen haben.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.