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Eindeichung von Venedig : Mit Pressluft die Fluttore heben

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

78 Schwimmklappen sollen Venedig vor zerstörerischen Hochwasserfluten schützen. Sie werden in den drei Zufahrten der Lagune zur Adria eingebaut. Gehalten werden sie von riesigen Unterwasserbauten, die man im Meeresboden verschwinden lässt.

          Rund die Hälfte des Geldes haben die Venezianer bereits verbuddelt. Alles in allem soll das Eindeich-Projekt Mose (Modulo Sperimentale Elettromeccanico), wie man in Anspielung an die biblische Wasserteilung des Roten Meers dieses Mammutvorhaben zur Hochwasserkontrolle nennt, 4,3 Milliarden Euro kosten - und wenn alles gut läuft - 2013 vollendet sein.

          Doch wer in diesen Tagen über den Markusplatz schlendert und sich vor Tauben wie fotografierwütigen Touristen zu schützen sucht, der sieht und hört nichts von den Bauarbeiten. Denn nicht etwa die Einfahrt in den Canale Grande, wie manche meinen, will man bei Hochwasser verschließen können. Vielmehr geht es um die drei Adria-Tore (Lido, Malamocco und Chioggia), durch die nicht nur Fischer- und Kreuzfahrtschiffe ein- und ausfahren, sondern bei Flut und landgerichtetem Wind gewaltige Wassermassen in die Lagune drücken und in diesem Binnensee den Wasserspiegel steigen lassen.

          Selbst höher gelegene Stadtteile sind dann überflutet

          Aqua alta heißt es dann, und selbst höher gelegene Stadtteile sind dann überflutet. Vor allem zwischen November und März häuft sich dieser Zustand, vor dem sich die Venezianer mit Gummistiefeln, Laufstegen und Stahlplanken zu schützen suchen, die sie in die Eingangstüren der Häuser klemmen. Unter dem Hochwasser leidet die ohnehin schon schlechte Bausubstanz: Aus den Außenwänden der an die Kanäle grenzenden Palazzi spült das Wasser den Mörtel. Und von dem von unten durch die Fundamente drückenden Grundwasser werden die Bodenplatten der Gebäude unterhöhlt.

          Die Stege sind bald überflüssig, denn das Wasser sollen Sperrklappen zurückhalten

          Das war schon immer so. Bereits im 16. Jahrhundert wussten die Venezianer, dass das Überleben ihrer Stadt vom Zustand der Lagune abhängt. Sie gründeten ein „Wasserkomitee“, das dafür sorgte, dass von den aus dem Gebirge kommenden Zuflüssen nicht länger Sand und Schlick in die Lagune gespült wird. Auch baute man damals bereits Wehre und Dämme auf dem schmalen Landstreifen, der die 55 000 Hektar große Wasserfläche gegen das Mittelmeer abgrenzt. Doch all diese Maßnahmen halfen nur bedingt. Die Bauten, die auf in den schlammigen Untergrund getriebene Holzpfähle gegründet sind, sinken durch ihr Eigengewicht immer tiefer. Einige Millimeter jedes Jahr sind möglich. In den vergangenen 100 Jahren ist die Lagunenstadt um 23 Zentimeter abgesackt. Vielfach blieb den Eigentümern gar nichts anderes übrig, als die Häuser abzureißen und auf dem Schutt anschließend den Nachfolgebau zu errichten. So sitzt etwa der Markusplatz auf mehreren Schichten früherer Bauwerke.

          Im Bereich der Adria rund zwölf Zentimeter seit 1900

          Verschärft wird die Situation durch den Anstieg des Meeresspiegels; im Bereich der Adria um rund zwölf Zentimeter seit 1900, wie Wissenschaftler diagnostiziert haben. Und wenn die Berechnungen der Klimaforscher stimmen, kann sich diese Entwicklung verschärfen. Um wie viele Zentimeter das Durchschnittswasser steigen wird, ist schwer abzuschätzen. Doch dass immer häufiger mehr Wasser in die Lagune schwappt, als sie aufnehmen kann, zeigt ein Blick in die Statistik. So wurde zwischen 1996 und 2005 die kritische Hochwassermarke von 110 Zentimeter über Normalnull 53 Mal überschritten, in den zehn Jahren davor dagegen nur halb so oft.

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