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Aufforsten gegen Waldschäden : Wenn die Rehe naschen gehen

  • -Aktualisiert am

Einen ganz neuen Weg geht das junge Unternehmen Gromm aus Ehringshausen. Bild: Hersteller

Ein wiederverwendbarer und leicht anzubringender Verbissschutz namens Gromm soll gepflanzte Bäume schützen und das Aufforsten schadhafter Wälder vereinfachen.

          3 Min.

          Nach den vergangenen trockenen Jahren bietet der deutsche Wald ein trauriges Bild. Die Bäume sind angeschlagen, Stürme reißen Lücken in die Bestände, und was stehen bleibt, fällt oft dem Borkenkäfer zum Opfer. Doch der Forst wehrt sich nach Kräften, allerorten wird neu angepflanzt. Was da in den Boden gesteckt wird, wäre nicht weiter auffällig, trügen die Bäumchen nicht einen Mantel, der sie vor den Zähnen naschhafter Rehe und anderer Waldbewohner schützen soll, die ihnen im Vorübergehen gern die zarten Spitzen abbeißen.

          Das funktioniert, der Schutz ist aber mühsam anzubringen und nicht im Sinne des Zertifizierers PEFC, der fast drei Viertel des deutschen Waldes Nachhaltigkeit bescheinigt hat und den bunten Kunststoff gern aus dem Forst verbannen möchte. Alternativen gibt es freilich nicht viele, gelegentlich werden aber Wuchshüllen aus Holz verwendet, die sich mit der Zeit selbst zersetzen. Die sind indessen mehrteilig, das Anbringen bedeutet daher Arbeit. Und sie müssen zum Baum passen, denn schnell wachsende Arten brauchen eine kürzere Verweildauer als langsam wachsende.

          Einen ganz neuen Weg geht deshalb das junge Unternehmen Gromm aus Ehringshausen. Der Forstwirt Thomas Groos und der Metallbauer Michael Müller haben zusammen einen Verbissschutz entwickelt, der aus verzinktem Stahl besteht und nicht nur wiederverwendbar ist, sondern auch den Waldarbeitern die Arbeit erleichtert. Die Prototypen wurden vom Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) geprüft und für gut befunden. Im Vergleich zu herkömmlichen Schutzhüllen werde nur die Hälfte der Zeit für den Aufbau benötigt. Konkret kann eine Person zehn Bäumchen damit in etwas mehr als sechs Minuten bestücken – wobei der größte Zeitaufwand der Transport zu den Bäumen sein dürfte, das Überziehen und Feststecken ist in wenigen Sekunden erledigt, es gelingt selbst dem in solchen Dingen nicht erfahrenen Redakteur ohne Mühe.

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          Die Zeitersparnis sei ein großer Vorteil, sagt Müller, wegen der Pandemie kommen keine Forstarbeiter aus Osteuropa ins Land, die eigentlich für die Anpflanzung benötigt werden. Herkömmliche Einzelschutz-Methoden wie Wuchshüllen oder Gitter brauchten zwei bis zwölf Minuten je Pflanze, der Gromm im Schnitt 40 Sekunden. Viel einfacher seien auch die Folgepflege des Baumes und die Wiederverwendung oder Entsorgung des Materials.

          Die Konstruktion ist patentiert und eigentlich simpel: Der Verbiss- und Fegeschutz besteht aus einem feuerverzinkten zentralen Holm, der unten mit einem u-förmigen Bogen versehen ist. Damit lässt sich der Schutz leicht in den Boden treten, auch wenn der steinig ist. Am Holm sind abwechselnd v-förmige Rundstäbe und rautenförmiges Flacheisen als Scherdorn angebracht, die Raute ist vorn offen, das Material federt. Das ganze Ensemble wird einfach über den zu schützenden Baum gestülpt und neben ihm eingerammt. Wenn das Reh versucht, an den Stamm zu kommen, piekst es sich an den runden Scherdornen oder dem offenen Ende der Flacheisen, auch Hasen kommen nicht heran.

          Wenn eventuell herausstehende Äste abgebissen werden, schadet das dem Baum nicht, wie Groos erklärt, die offene Konstruktion habe im Vergleich zu den geschlossenen Hüllen nicht nur den Vorteil, dass die Baumpflege wesentlich erleichtert werde, sondern auch das Mikroklima um den Baum werde nicht nachteilig beeinflusst. Nach ein paar Jahren wird der Schutz einfach aus dem Boden und nach hinten gezogen, die offene Raute entlässt den Stamm, ohne ihn zu schädigen. Die Metallkonstruktion kann sofort wiederverwendet werden, drei Jahrzehnte Lebensdauer sollen wegen der dicken Schutzschicht aus Zink problemlos möglich sein, bei Nachpflege mit Sprühzink auch länger.

          Schwieriger als bei herkömmlichen Produkten ist freilich der Transport. Den Schutz gibt es in zwei Größen, der kleinere VS 1200 S – die Ziffer steht für die Höhe – wiegt vier Kilogramm, und die Scherdorne verhaken sich gern, mehr als vier gleichzeitig lassen sich schlecht in die Hand nehmen. Aber die Wege von Baum zu Baum sind ohnehin kurz.

          In Rotwildrevieren reicht die Höhe eventuell nicht, für solche Zwecke gibt es die Version VS 1700 S. Geliefert wird mit Lastwagen gestapelt auf Paletten, Gromm übernimmt die Logistik. Die Produktion ist schon angelaufen, und in der Umgebung von Ehringshausen gibt es erste Anpflanzungen, in denen der neue Verbissschutz eingesetzt wird. Mit, je nach Menge, etwa 25 Euro für den VS 1200 S ist der Gromm naturgemäß viel teurer als die Hüllen aus Plastik. Dafür ist er wiederverwendbar. Und durch die Arbeitsersparnis seien die Mehrkosten schon während des ersten Einsatzes wieder eingespielt, sagt Müller.

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