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Effizientes Schienen- und Straßennetz : Unterwegs zur Zukunft des Verkehrs

  • -Aktualisiert am

Treffen der Generationen: Der ULF und die klassischen Straßenbahnwagen der Wiener Linien Bild: Thomas

Vernetzte Mobilität aus einer Hand ist eine Vision, der Siemens bei der Entwicklung neuer Produkte für den Nahverkehr folgt. Geht es darum, das Ideal der integrierten Mobilität in die Realität zu übertragen, sieht sich das Unternehmen gut aufgestellt.

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          Vernetzte Mobilität aus einer Hand ist eine Vision, der Siemens unter dem Titel „Complete Mobility“ bei der Entwicklung neuer Produkte für den öffentlichen und individuellen Nahverkehr folgt. Auf der internationalen Nahverkehrsmesse der Union Internationale des Transports Publics (UITP) im Juni 2009 in Wien wird das Unternehmen entsprechende Produkte und Projekte in den Mittelpunkt stellen. Das sagte Hans-Jörg Grundmann, Vorstand der Mobility Division, jetzt bei einer Pressekonferenz in der österreichischen Hauptstadt.

          In Wien habe die Mobilität der Zukunft schon begonnen, betonte er. Schließlich rollten hier in einem der größten Straßenbahnnetze der Welt die ULF-Straßenbahnen (Ultra Low Floor) von Siemens, mit einer Einstiegshöhe von lediglich 195 Millimeter. Seit 1995 liefert das Werk Simmering diese Trams an die Stadt Wien, zurzeit betreiben die Wiener Linien 190 ULF-Garnituren, weitere 110 sind bestellt.

          35 Prozent aller Verkehrsbewegungen in Wien entfallen auf den ÖPNV

          Einzelne Lösungen könnten jedoch nicht die Ansprüche einer zukunftsfähigen Mobilität für Ballungsgebiete erfüllen, unterstrich Grundmann: Angesichts der globalen Trends zur Verstädterung und steigenden Lebenserwartung sowie der Notwendigkeit zum Klimaschutz seien nachhaltige Verkehrsnetzwerke gefragt, die diverse Angebote des ÖPNV effektiv mit Mobilitätslösungen von Auto, Bahn und Flugzeug über Fahrrad bis zum Fußweg miteinander verbinden. In Wien scheint das Konzept tatsächlich aufzugehen: 35 Prozent aller Verkehrsbewegungen in der Stadt entfallen auf den ÖPNV. Das ist ein europäischer Spitzenwert, den nur Zürich überbiete.

          Im Wiener Siemens-Werk entsteht ein Wagern für den „RailJet”
          Im Wiener Siemens-Werk entsteht ein Wagern für den „RailJet” : Bild: Thomas

          Geht es darum, das Ideal der integrierten Mobilität in die Realität zu übertragen, sieht sich Siemens gut aufgestellt: Als Beispiele erfolgreicher Projekte nannte Grundmann den Großraum London, wo Siemens Mobility erst neue Nahverkehrszüge lieferte und dann das Mautsystem für den Autoverkehr installierte. Auf der Messe, die parallel zum Kongress der UITP vom 7. bis zum 11. Juni in Wien stattfindet, stellt Siemens dementsprechend neben oberleitungsfrei fahrenden Straßenbahnen und einer neuen Generation der vollautomatischen U-Bahn auch Systeme für die Verkehrsüberwachung und -steuerung vor.

          Die besonders leise, leichte und umweltfreundliche Tram

          Die neue, bis zu 73 Meter lange Niederflur-Straßenbahn Avenio wird auf der Messe ebenfalls präsentiert. Wichtige Erkenntnisse für die besonders leise, leichte und umweltfreundliche Tram haben die Ingenieure aus der Sanierung der ersten Generation der Combino-Straßenbahn und der Verbesserung künftiger Fahrzeuge gewonnen: Die ursprüngliche Verbindung der aus Alu-Profilen bestehenden Combino-Wagenkästen durch Schraubwinkel hielt dem mechanischen Stress auf Dauer nicht stand.

          Als Grundlage der Überarbeitung der Fahrzeuge analysierte Siemens die mechanischen Belastungen, die im Betrieb in 13 verschiedenen Straßenbahnnetzen auftreten. Auf dieser Basis wurden die technische Ausstattung und Rohbautechnik der neuen Trams verbessert und die bereits ausgelieferten Combinos parallel dazu saniert. Dieses Überarbeitungsprogramm ist mittlerweile zu 92 Prozent abgeschlossen, sagte Joern F. Sens, bei Siemens Mobility für den Bereich Fahrzeugbau verantwortlich, während der Vorpräsentation des Avenio in Wien.

          Von den ULF-Garnituren bis zu den Stahlwagenkästen des RailJet

          Ein Rundgang durch die Siemens-Werkshallen in Simmering zeigte anschließend den aktuellen Stand der Schienenverkehrstechnik im Unternehmen: von den leichten, niedrigen ULF-Garnituren bis zu den robusten Stahlwagenkästen des RailJet, mit dem die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) Wien und München verbinden. Auf dem Weg zum Wiener Westbahnhof, wo der Hochgeschwindigkeitszug RailJet seit dem vergangenen Herbst abfährt, begegnen die schlanken ULF-Straßenbahnen immer wieder ihren Vorgängern der Baureihen E1 und E2 (gebaut vom Siemens-Vorgänger Simmering-Graz-Pauker), deren Konzeption noch auf den Typ E von 1959 zurückgeht.

          Vom Avenio, an dessen Serienreife die Entwickler zurzeit arbeiten, trennen diese Generation der Wiener „Bim“ nicht nur technisch mehrere Jahrzehnte: Die klassische Anmutung der Hochflur-Straßenbahnen mit dem zentralen Frontscheinwerfer ist gleich ein halbes Jahrhundert vom windschnittigen Design der neuen Trams entfernt.

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