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E-Bücher : Ein zäher Hund namens Gutenberg

  • -Aktualisiert am

Das Librie von Sony Bild: AP

Immer wieder hört man vom elektronischen Buch. Jetzt gibt es das allerneueste Modell von Sony. Eine verblüffende Neuheit. Aber für den Abgesang auf die Schwarze Kunst reicht es noch lange nicht.

          6 Min.

          Das Verlangen nach elektronischem Papier mutet in der Geschichte des Informationszeitalters fast schon wieder vorsintflutlich an. Die ersten konkreten Schritte lassen sich nämlich bereits auf das Jahr 1973 datieren.

          Damals fanden im legendären kalifornischen Forschungslabor PARC des Kopiererherstellers Xerox Experimente statt, die nach einem Jahr wieder eingestellt wurden. So lautet bis heute das bislang unerreichte Ziel: einen Bildschirm zu bauen, der aussieht wie Papier und idealerweise auch so leicht und biegsam ist, sich aber löschen und neu beschreiben läßt wie eine Computeranzeige.

          Das Librie

          Seit Ende April kann man nun im Kaiserreich Japan in die Läden gehen und das weltweit erste Gerät kaufen, das diesem Ziel wenigstens einen entscheidenden Schritt näher kommt. Es ist der E-Book-Reader Librie EBR-1000EP, erfunden von Sony.

          Das erste Gerät? Natürlich gab es in den vergangenen Jahren schon viel Rummel um E-Books. Die Lesegeräte dazu waren aber zu klobig, ihre Flüssigkristall-Anzeigen waren nicht wirklich augenfreundlich und brauchten so viel Strom, daß der Akku schnell leer war. Überdies lockte der schmale Katalog verfügbarer E-Bücher auch keine Käufer aus der papiernen Welt.

          Verblüffende Neuheit

          Dagegen ist der Librie allein durch seinen Bildschirm eine verblüffende Neuheit. Biegsam ist er zwar noch nicht, aber sonst höchst augenfreundlich. Er hat keine Hintergrundbeleuchtung, sondern reflektiert nur Umgebungslicht von Sonne oder Lampe, aber das fast wie Papier. Die dünne Acrylglas-Abdeckung spiegelt ein wenig, und der Grundton der Anzeige ist nicht strahlend weiß, sondern lichtgrau - aber unsere Augen akzeptieren ja auch Umweltschutzpapier oder vergilbte Zeitungen.

          Die Anzeige vermag sogar zwei graue Zwischentöne darzustellen. Brillant aber zeigt sie vor allem schwarze Schrift in feinster Auflösung - mit 177 dpi (Einzelpunkten pro Zoll) rund das Doppelte eines gewöhnlichen Computerbildschirms. Auch wenn es wiederum nur halb so gut ist wie das, was einfachste Laserdrucker schaffen - es liest sich exzellent.

          Der Librie wiegt selbst mit Batterien nur 300 Gramm (wie viele Bücher auch), hat das Format eines größeren Taschenbuchs und ist 13 Millimeter dick. Seine internen Speicherbausteine fassen etwa zwanzig elektronische Bücher; steckt man Speicher nach, natürlich auch viel mehr.

          Geisel einer Marketing-Kette

          Ganz klar: der Librie läutet eine neue Ära ein. Wie aber reagieren die ersten Kaufinteressenten und Anhänger elektronischer Bücher in aller Welt? Sie hassen und verachten das Teil. Jeder kann die Tiraden im Web nachlesen. Denn die Maschine mit dem famosen Bildschirm entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Geisel einer Marketing-Kette, die Sony zusammen mit 15 marktbeherrschenden Verlagen in Japan aufgebaut hat.

          Der Leiter des Librie-Projekts bei Sony, Yoshitaka Ukita, beschreibt sie als "unseren Versuch, einen neuen Markt für Leihbücher zu eröffnen". Vier Nachschlagewerke sind auf dem Librie installiert. Weitere Werke kann man im Internet mit einem Kopierschutz kaufen, der höchstens vier parallele Installationen jedes Textes (zum Beispiel also auch eine auf dem PC) zuläßt. Pro Werk zahlt man drei Euro - es sperrt sich aber nach zwei Monaten für die weitere Nutzung. Man kann auch Clubmitglied werden und erhält so für zehn Euro pro Monat Zugang zu jeweils fünf Texten.

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