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Duschforschung : Auf der Suche nach dem angenehmen Ton

Hansgrohe lauscht am Wasser Bild: Hubert Braxmaier / BRA

Die Geräusche der aus Duschköpfen und Handbrausen spritzenden Wasserstrahlen werden heutzutage moduliert. Sie dürfen nicht zu laut sein, und unangenehme Nebengeräusche sind unerwünscht.

          Staubsauger dürfen nicht all zu leise sein, andernfalls traut man ihnen keine befriedigende Reinigungskraft zu. Butterkekse sollen beim Anknabbern herzhaft knacken und dass Autotüren beim Zuschlagen einen satten Sound abzugeben haben, auch das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Darum kümmern sich Ingenieure und Akustiker. Doch auch die Geräusche der aus Duschköpfen und Handbrausen spritzenden Wasserstrahlen werden heutzutage moduliert. Sie dürfen nicht zu laut sein, und unangenehme Nebengeräusche sind unerwünscht.

          Georg Küffner

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Beim Schiltacher Armaturen- und Badspezialisten Hansgrohe hat die Verfahrensingenieurin Melanie Chaloupka in dieser Hinsicht das Sagen. Sie kann sich schon lange nicht mehr beim Duschbad unvoreingenommen auf den von warmem Wasser ausgehenden Wohlfühleffekt konzentrieren. Sie ist beim Duschen stets mehr oder weniger immer im Dienst. Ist sie privat oder geschäftlich unterwegs, hört sie genau hin. Denn anders als man vermuten sollte, unterliegen Duschgeräusche strenger Beobachtung. So existieren für Brausegeräusche unterschiedliche Bewertungsklassen, je nachdem, wie laut sie sind.

          Und nur Duschen und Armaturen, die nach der Geräuschklasse I zertifiziert sind, was gleichbedeutend ist mit einem Schalldruck von maximal 20 Dezibel bei einem Druck von drei bar, dürfen im Mietwohnungsbau, in Hotels, Praxen und Krankenhäusern installiert werden. In dieser Lärmklasse, heißt es, wären Brausen so leise wie leichtes Blätterrauschen in einem Laubwald. Doch Vorsicht: Denn bei allen Vorteilen einer Vergleichbarkeit durch eine Zertifizierung nach den Vorgaben von DVGW Cert, der Zertifizierungsstelle des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfachs, darf man nicht übersehen, dass der beim Duschen entstehende Lärm nur etwa zu rund der Hälfte von dem aus dem Duschkopf spritzenden Wasser selbst verursacht wird. Mindestens so entscheidend für den aus Duschkabinen quellenden Schalldruck ist die Beschaffenheit des Untergrunds, auf den die Wasserstrahlen treffen. Eine emaillierte Wanne ist lauter als ein Marmorboden. Und ein massiger Körper unterm Brausekopf wirkt lärmdämpfender als ein dürrer, schlanker an dem das Wasser vorbeirauscht.

          Wie laut jeweils ihre Duschköpfe sind, das erfassen die Ingenieure von Hansgrohe mit Hilfe einer mit einer akustischen Kamera ausgestatteten Luftschallprüfkabine. Ähnlich wie in einem Tonstudio sind hier zudem mehrere Mikrofone installiert. Ohne von den Geräuschen des benachbarten (Wasser-)Strahlforschungslabors beeinflusst zu werden, kann so jede Armatur reproduzierbar analysiert werden. Das helfe, im Inneren der Produkte verborgene Schallquellen zu lokalisieren.

          Neben der Lautstärke ist es mindestens ebenso wichtig, die Durchflussmenge der Brausen zu reduzieren, ohne das „Schwallerlebnis“ zu verwässern. Mit Hilfe eines selbständig arbeitenden, druckgesteuerten Durchflussmengenbegrenzers ist das gelungen. Herzstück des Reglers ist ein winzig kleiner, elastischer O-Ring, dessen Durchflussöffnung sich bei hohem Druck verengt. Ist der Druck gering, vergrößert sich der Durchfluss von selbst.

          Klingt einfach, ist aber schwierig

          Um einen perligen Strahl zu erzeugen, der sanft auf der Haut wirkt, muss ihm Luft zugefügt werden. Damit das klappt, bedient man sich des Prinzips der auf den Strömungsforschungen von Bernoulli und Venturi basierenden Wasserstrahlpumpe: Mit der kinetischen Energie des strömenden Wassers wird Luft angesaugt und in den Wasserstrahl gedrückt.

          Das klingt einfach, ist aber dann recht schwierig, wenn Nachhaltigkeitsüberlegungen immer geringere Wasserverbräuche und damit Durchflussmengen fordern. Bei heutigen Sparbrausen mit einem Wasserdurchfluss von sechs bis zehn Liter je Minute, ehemals üblich waren 15 bis 25 Liter je Minute, ist das längst gelungen. Doch selbst bei für Deutschland unüblich geringem Wasserdruck, wenn wie in südlichen Ländern das Duschwasser aus einem Tank auf dem Dach in das Badezimmer rinnt, muss man dank den Erkenntnissen moderner Strahlforschung längst nicht mehr auf das wohlige Schwallerlebnis verzichten.

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