https://www.faz.net/-gy9-84s6w

Dürre im Spielerparadies : Las Vegas gräbt sich das Wasser an

  • -Aktualisiert am

Für den Bau des neuen Abflusses mussten speziell ausgebildete Taucher ins Wasser. Die sehen im Schlamm nichts, jeder Handgriff muss blind sitzen. Bild: AFP

Große Trockenheit in Nordamerika lässt den Wasserspiegel des Lake Mead sinken. Zwei Wasserabläufe drohen „trocken zu fallen“, ein dritter wird nun am Grund des Sees gebaut. Eine enorme Herausforderung.

          5 Min.

          Rekorde gehören in Las Vegas zur Tagesordnung. Die nachts bis hinauf ins Weltall glitzernde Spielerstadt in der Wüste von Nevada zeigt den weißesten Tiger, rühmt sich mit dem Boxkampf mit den höchsten Börsen – und hält den Rekord im Wasserverbrauch. Zumindest was das Aasen mit Wasser anlangt, stimmt das indes schon länger nicht mehr. Zwar spritzt und sprudelt es in Las Vegas an zahlreichen Stellen. So rauscht etwa ein künstlicher Wasserfall vor dem Hotel Mirage in die Tiefe. Und aus gleich mehreren Düsen schießt aus einem stattlichen See vor der Luxusherberge Bellagio alle paar Minuten Wasser mehr als einhundert Meter in die Höhe. Da jedoch das Gros des Wassers im Kreislauf geführt wird, müssen nur die verdunsteten Liter nachgefüllt werden.

          In Las Vegas wird konsequent Wasser gespart. Hausbesitzer erhalten Prämien, wenn sie ihren Zierrasen gegen einen Steingarten tauschen. Weit mehr als die Hälfte des in der Stadt durch Waschmaschinen und aus Brauseköpfen laufenden Wassers wird aufbereitet und zurück in den Lake Mead geleitet. In jenen Speichersee, der von der 1935 fertiggestellten Hoover-Staumauer aufgestaut wird und aus dem nicht nur das rund 50 Kilometer westlich gelegene Las Vegas, sondern alle flussabwärts gelegenen Bundesstaaten mit dem Wasser des Colorados versorgt werden. Strom liefert dieser größte und wichtigste Stausee der Vereinigten Staaten auch noch: 17 Turbinen bringen es auf eine Leistung von etwas mehr als 2000 Megawatt.

          Das trockenste Jahr seit 1200 Jahren

          Dieser See war schon lang nicht mehr richtig voll. Zuletzt war das 1998 der Fall, seitdem sinkt der Wasserpegel kontinuierlich, wofür vor allem der Wasserhunger der Landwirtschaft verantwortlich gemacht wird. Doch entscheidender ist, es fließt nicht mehr genug Wasser nach. Ursache ist eine beispiellose Dürrephase. So hat die Analyse von Baumringen gezeigt, dass das Jahr 2014 das trockenste seit 1200 Jahren war. Keine der früheren Trockenphasen war so gravierend wie die augenblickliche. Der Wasserspiegel beträgt beim momentan historischen Tiefstand gerade mal 330 Meter (über null), das sind rund 40 Meter weniger als im voll aufgestauten Lake Mead.

          Abfluss frei: Rund drei Jahre hat der komplizierte Bau gedauert.

          Noch ist genug Wasser im See, für die Landwirtschaft und für Las Vegas. Doch mit dem sinkenden Wasserspiegel drohen die beiden, nur wenige Meter unterhalb der Seeoberfläche installierten Abläufe trocken zu fallen. Einen der beiden Abläufe hat man vor einiger Zeit schon mit einer Art Rüssel versehen, der nach unten abknickt, so dass man kühleres Wasser entnehmen kann, das als Trinkwasser taugt. Direkt unterhalb der Wasseroberfläche ist es aufgrund der Sonneneinstrahlung zu warm. Da absehbar war, dass sich die Lage weiter zuspitzt, hat man sich entschlossen, eine dritte Entnahmestelle zu bauen. Dieser „Intake No 3“ sitzt am Boden des Sees, rund 200 Meter vom Ufer entfernt, so dass das Ganze gern mit dem Einbau eines Bodenablaufs in einer gefüllten Badewanne verglichen wird. Drei bautechnische Herausforderungen waren zu meistern. So hat man, ähnlich wie beim Installieren von Schwergewichtsfundamenten für Offshore-Windräder einen an Land vorgefertigten gewaltigen Betonkasten zentimetergenau über die neue Ablaufstelle geschwommen und langsam abgesenkt. Exakt in eine zuvor am Seeboden ausgehobene Grube. Anschließend haben Tauchroboter den Einlaufkasten mit viel Unterwasserbeton unverrückbar fixiert.

          Mittlerweile sitzt auf diesem Betonquader ein rund 15 Meter langes, stählernes Entnahmerohr, der Ablaufkasten ist über eine 4,5 Kilometer lange, rund 150Meter unter dem See-Niveau verlaufende Tunnelröhre mit einem in Ufernähe abgeteuften Pumpenschacht verbunden. Schacht und Tunnel waren Herausforderung zwei und drei, wobei das Abgraben des 180 Meter tiefen Schachts (mit einem Durchmesser von rund neun Metern) nur deswegen Probleme machte, da man meinte, diesen in den klüftigen und mit Wasseradern durchsetzten Boden sprengen zu müssen. Das hat sich gerächt. Es kam zu einem Wassereinbruch. Ein Arbeiter wurde getötet, ein zweiter schwer verletzt.

          Unfallfrei und zentimetergenau verlief dagegen das Bohren der Tunnelröhre aus dem Schacht am Ufer heraus bis zum aus weichem Magerbeton bestehenden Eingang im abgesenkten Bodeneinlass, was auch dem Umstand geschuldet ist, dass hier eine der modernen und intelligenten Tunnelbohrmaschinen eingesetzt wurde, die der in der Nähe von Lahr (Baden) sitzende Branchenführer Herrenknecht gebaut hat. Das war kein Selbstzweck. Vielmehr musste man hier technisches Neuland betreten, hatte man zuvor doch noch nie in einer so großen Tiefe eine der gern auch als Riesenmaulwürfe bezeichneten Maschinen eingesetzt.

          Weitere Themen

          VW Passat Variant Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : VW Passat Variant

          Der Passat ist ein VW-Klassiker wie der Golf. Die achte Generation fährt ausgereift und fast schon alleine. Im Spitzenmodell ist uns aber der Verbrauch zu hoch.

          Topmeldungen

          Alternativlos? Der aktuelle Entwurf des Büros Herzog & de Meuron für das Berliner Museum der Moderne

          Museum der Moderne : Wie Berlin sich alles verbaut

          Heute wird über die Finanzierung des Museums der Moderne entschieden. Der Haushaltsausschuss des Bundestages darf diesen Plan nicht einfach durchwinken.

          Treffen in Washington : Trumps Lob und Erdogans Tadel

          Der Versuch des amerikanischen Präsidenten, die Probleme mit der Türkei wegzulächeln, misslingt. Der Gast aus Ankara zeigt in Washington kein Entgegenkommen – und führt Trump zuweilen vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.