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Knifflige Lage : Drohneneinsatz im Weinberg

Auftrieb: Über Klüsserath an der Mosel setzt eine Drohne zum Spritzen an. Bild: dpa

Steillagen machen den Winzern viel Arbeit. Jetzt sollen Drohnen beim Spritzen helfen. Die ersten fliegen schon über die Rebstöcke. Aber immer nur kurz.

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          Was haben Hubschrauber, Traktor, Pferd und Mensch gemeinsam? Sie helfen alle dabei, einen Weinberg zu bewirtschaften. Nun kommt als neuer Helfer die Drohne hinzu. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erlaubt seit Mai vergangenen Jahres den Einsatz von „unbemannten Luftfahrzeugen“. Aber eingeschränkt: Die Drohnen dürfen nur in Steillagen bestimmte Pflanzenschutzmittel versprühen, und zwar all jene, die auch für den Hubschraubereinsatz erlaubt sind. Ebenso dürfen sie sich nicht weiter als zwei Meter von den Pflanzen entfernen und nicht schneller fliegen als 13 km/h. Zwei Menschen müssen immer vor Ort sein: der Pilot und ein Spotter, also einer, der aufpasst. Wenn all das beachtet wird, müssen dennoch Genehmigungen eingeholt werden. Die Behörden machen es weder den Winzern noch den Drohnendienstleistern leicht.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Roman Niewodniczanski hat sich nicht aufhalten lassen. Der Inhaber des Weinguts Van Volxem an der Saar hat erfolgreich ein Unternehmen beauftragt. Robopics mit Sitz in Hamburg hat auf zwanzig Hektar der Rebflächen sieben Tonnen Quaterna von Sobac mit einer Drohne verteilt. Das Weingut Nik Weis St. Urbans Hof in Leiwen hat sogar seine komplette Rebfläche auf diese Weise düngen lassen. Das Granulat aktiviert auf natürliche Weise die Humusbildung, damit der Boden mehr Nährstoffe speichert. Van Volxem stelle sich als Weingut immer digitaler auf, sagt Niewodniczanski, außerdem sei er technikfreundlich, sodass der Einsatz einer Drohne als weitere Möglichkeit, die Weinberge zu bewirtschaften, für ihn letztlich logisch war. Er schließe auch nicht aus, dass sich Van Volxem sogar mal eigene Drohnen anschafft.

          Solch eine könnte die Agras T30 von DJI sein, die Robopics an Saar und Mosel eingesetzt hat und die das derzeit größte und leistungsstärkste Gerät ist. Sie kann dreißig Liter Flüssigkeit oder vierzig Kilogramm fester Stoffe wie Granulat tragen. Direkt kaufen bei DJI lässt sie sich nicht. Es gibt Vertriebspartner in Deutschland, welche die Drohnen so anpassen, dass sie der hiesigen Gesetzgebung entsprechen, also vom Julius-Kühn-Institut zertifiziert werden. So sind etwa nur sechs verschiedene „Spritzeinrichtungen“ erlaubt. Neben der Verteilung von Granulat mit Hilfe eines Tellerstreuers versprühen Multikopter aus einem Tank synthetische oder auch natürliche Mittel über den Rebstöcken.

          Die Praxis kann mit der Theorie noch nicht mithalten

          Luftfahrzeuge im Weinanbau gibt es schon länger. Nur sind sie im Vergleich zu Drohnen bemannt, groß und laut. Gerade Winzer an der Mosel nutzen seit vielen Jahren die Dienste des Hubschraubers, um in Steil- und Steilstlagen die Mitarbeiter des Weinguts zu entlasten. Manche Winzer organisieren sich in Genossen- und Gemeinschaften, damit der Einsatz der Hubschrauber günstiger und effizienter wird, weil er während eines Fluges gleich mehrere Parzellen überfliegen kann. Der Einsatz ist für die Piloten wegen der Umgebung risikoreich. In den vergangenen Jahren gab es wiederholt Unfälle im Weinberg, von denen einige tödlich endeten. Außerdem kann ein Hubschrauber nicht so tief über die Parzellen fliegen, die Mittel verteilen sich nicht exakt. Alternativ fahren am Seil gesicherte Raupen mit Spritzvorrichtung die Steillagen hoch und runter. Diese Kettenfahrzeuge sind teuer, zudem verdichten sie den Boden, was viele Winzer verhindern wollen. In Steilstlagen setzen Winzer noch die Schlauchspritzung ein. Dabei mühen sich zwei Mitarbeiter die Berge hoch und runter, um die Flüssigkeit zu verteilen. Diese Arbeit ist besonders anstrengend. Traktoren wären immer noch am effektivsten, auch weil sie sich am nächsten an den Rebstöcken bewegen, von der Seite spritzen und mehr Druck aufbauen, damit die Flüssigkeit besser in die Pflanze eindringt. Doch in der Steillage haben sie keine Chance.

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