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Drohnen für zuhause : Billigflieger sind kein Kinderspielzeug

Alles im Überblick: Drohne der DB Netz AG. Bild: Wiesinger, Ricardo

Minidrohnen mögen zwar an Kinderspielzeuge erinnern, jedoch können sie wesentlich mehr als gedacht. Drei kleine Flieger im Drohnen-Vergleich.

          Als der chinesische Hersteller DJI seine erste kleine Drohne der Öffentlichkeit präsentiert hat, galt die Spark gleich als Zäsur: klein, kompakt zum Mitnehmen. Gleichzeitig ist sie draußen gut fliegbar mit der Technik der großen Geschwister. Die Minidrohnen sollen im Urlaub oder auf der Radtour begleiten, und mittlerweile gibt es eine neue Variante namens Mavic Air in gleicher Größe mit noch mehr Leistung. Die Rechnung scheint also aufzugehen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Aber ein Ende der Miniaturisierung ist nicht in Sicht. Nun kommen die Zimmerdrohnen für den Einsatz in Haus und Garten, reine Spaßgeräte, die nur nebenbei auch noch Fotos schießen, von denen man nicht allzu viel erwarten darf. Die Bildqualität ist zweitrangig. Aber die kleinen frechen Billigflieger sind kein Kinderspielzeug. Schon während des ersten Fluges erkennt man die Herausforderung: Lageerkennung, Höhenmesser sowie ein optisches oder mit GPS arbeitendes Positionierungssystem fehlen den meisten dieser Zimmerflieger. Einige Geräte stabilisieren sich selbst in der Luft, aber sobald man draußen mit ihnen fliegt und Wind aufkommt, treiben sie ab. Je kleiner die Drohne, desto mehr Geschick muss der Pilot aufbringen.

          Minidrohne zum kleinen Preis: Horizon Hobby

          Der Blade Inductrix FPV von Horizon Hobby wird für rund 200 Euro unter anderem bei Amazon angeboten. Im Paket befinden sich nicht nur der quietschgelbe Quadcopter, sondern auch eine Fernsteuerung und ein Monitor, welcher das im Fluggerät aufgenommene Bild zeigt. Der Monitor wird an der Fernsteuerung befestigt. Die eingebaute Kamera und der Videosender übertragen nur ein Livebild, eignen sich aber nicht zum Speichern von Fotos oder Videos. Gesendet wird im 5,8-Gigahertz-Bereich, die Frequenz lässt sich wechseln, wenn mehrere der Winzlinge um die Wette fliegen sollen. Der Akku des Blade Inductrix hält im Flug vier bis fünf Minuten durch und ist in einer halben Stunde geladen. Als pfiffigen Flughelfer gibt es nur eine Stabilisierung der Fluglage. Der Pilot ist stark gefordert, es handelt sich um eine kleine Rennmaschine, die vor allem flink bewegt werden will und für Kunstflugmanöver geeignet ist.

          Ganz anders fliegt Tello in die Höhe: Sie kostet 110 Euro und wird von zwei Herstellern gebaut: DJI und Ryze Technology. Der nur 90 Gramm wiegende Mini kommt mit vier abnehmbaren Propeller-Schutzrahmen, hat einen Einschaltknopf sowie eine Micro-USB-Ladebuchse. Das ist schon alles. Eine Fernbedienung fehlt, aber immerhin sind Ersatzpropeller sowie das Werkzeug zum Wechseln dabei. Der Akku lässt sich ebenfalls wechseln, geladen wird er in der Drohne, ein Ladegerät wird nicht mitgeliefert. Die Kamera ist fest eingebaut, hat also keinen Gimbal zum Ausgleich von Bewegungen. Aber es gibt immerhin eine optische Bildstabilisierung, Barometer und ein optisches Orientierungssystem, um Höhe und Flugposition beizubehalten. Die Sensoren befinden sich an der Unterseite der Drohne.

          Klassisch, schwarz-weiß: Tello von DJI.

          Tello wird mit einem Smartphone gesteuert und ist über W-Lan angekoppelt. Es kommt nicht die üppige DJI-App zum Einsatz, sondern eine abgespeckte Variante. Zwei Symbole auf dem Display visualisieren Vierwege-Joysticks; es gibt, wie bei DJI, einen Start-Assistent für das Abheben, und anschließend ist man doch erstaunt, wie gutmütig und solide Tello in der Luft liegt. Fotos und Videos (im 720p-Format) lassen sich allein auf dem verbundenen Smartphone speichern, die Nutzung einer Speicherkarte wird nicht unterstützt. Draußen fliegt sich die Kleine verblüffend gut, solange kein Wind weht. Ist das nicht der Fall, muss der Pilot damit rechnen, dass die Drohne in der Luft plötzlich versetzt, bisweilen einen Meter weit. Mit gewisser Übung kommt man auch draußen gut zurecht. Wir flogen über das weite Feld vor dem Dorf und kontrollierten die Kirschbäume am Wegesrand. Die Reichweite ist mit 100 Metern angegeben, die Aufstiegshöhe beträgt maximal 10 Meter. Ab einigen Meter Flughöhe lässt die Güte des Positionierungssystems nach, Warnmeldungen auf dem Display weisen darauf hin. Verliert die Drohne die Verbindung zum Smartphone, setzt sie selbständig zur Landung an.

          Ein echter Hingucker: Quadcopter von Hubsan.

          Zusätzlich zum freien Flug sind mehrere Kunststückchen als automatisierte Flugmodi in der App wählbar: Die Drohne macht einen Salto, fliegt einen Kreis um den Piloten oder erstellt Selfie-Videos sowie 360-Grad-Panoramen. Die Fluggeschwindigkeit ist in zwei Stufen einstellbar, maximal beträgt sie 30 km/h. Die Flugdauer mit einer Akkuladung liegt bei mehr als 10 Minuten. Foto- und Videoaufnahmen mit der 5-Megapixel-Optik sehen verblüffend gut aus, solange es draußen hinreichend hell ist. Das Foto links ist mit der Tello aufgenommen. Erst wenn man die Schnappschüsse näher betrachtet, sieht man Artefakte und ärgert sich über die starke Datenkompression. Doch insgesamt ist Tello eine gute Gelegenheit auszuprobieren, ob die Drohnenfliegerei das passende Hobby ist. Für weitere 34 Euro lässt sich der Apparat mit einem Controller steuern, der aus der Welt der Playstation zu kommen scheint. Das Smartphone wird dann aufgesteckt, die Verbindung muss mit Bluetooth hergestellt werden, und zwar in der App und nicht im Gerätemenü.

          Wer noch weniger Geld ausgeben will, mag einen Blick auf den Quadcopter H507A X4 von Hubsan für 75 Euro werfen. Auch hier denkt man zunächst an ein Spielzeug, aber diese Minidrohne hat sogar GPS eingebaut. Selbst bei Wind soll sie auf der Stelle schweben, sagt der Hersteller. Der Akku erlaubt eine Flugzeit von acht bis neun Minuten, gesteuert wird mit dem Smartphone und einer App, aber die Bild- und Videoqualität reicht nicht an das Niveau der Tello heran.

          Blick aufs Feld: Schnappschuss mit der Tello-Drohne von DJI.

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