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Reiten : Wenn das Pferd bockt, muss der Schutz stimmen

  • -Aktualisiert am

Harmlos ist der freundliche Vierbeiner nicht immer. Pferde erschrecken leicht, etwas Vorsicht im Umgang ist deshalb angebracht. Bild: Edgar Schoepal

Das größte Glück der Pferde ist angeblich der Reiter auf der Erde. Doch schon vor dem Aufsteigen lauert die Gefahr. Die richtige Ausrüstung kann helfen, die Folgen eines Unfalls in Grenzen zu halten.

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          Beliebt zu sein, kann viel Zeit kosten. So ergeht es dem Ponyhalter, der die Tiere vor dem Haus stehen hat: Kaum ist das Wochenende da, erscheinen wie aus dem Nichts unbekannte Mädels, die sich um die zwei „kümmern“ wollen. Sie können den großen Augen, weichen Nasen und langen Mähnen nicht widerstehen - „die sind ja sooo süß“. Kein Wunder, dass sie Pferdebilder über dem Bett hängen haben und die Wunschsportart Reiten ist.

          Pferde sind aber auch so schwer wie ein halbes Auto, verblüffend stark, schnell und vor allem schreckhaft. Vorn sitzen Zähne, die zum Abrupfen von Gras gedacht sind, bei schlechter Laune aber zweckentfremdet werden können und tellergroße blaue Flecken verursachen. Und unten harte Hufe, deren Kanten nicht selten eisenverstärkt sind. Eltern, deren Kinder es erlernen wollen, sollten sich also bewusst sein, dass Reiten zu den unfallträchtigsten Sportarten gehört. Immer sind zwei beteiligt, sie müssen eine Art Symbiose eingehen. Charakter, Ausbildung und Tagesform des Reiters treffen auf die des Tieres. Die Gefahr lässt sich freilich durch Übung und umsichtiges Verhalten klein halten. Und durch die richtige Ausrüstung.

          Eine Frage der Ästhetik

          Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel getan, trotzdem liegt noch manches im Argen. Denn die Technik wird zwar beständig weiterentwickelt, die Reiter müssen sie aber auch annehmen. Sicherheitskleidung sei auch eine Frage der Ästhetik, sagt Marko Jansen, Vertriebsleiter des Unternehmens Euro-Star, das kürzlich auf der Messe Equitana eine Hose mit einem Aufprallschutz an Knie, Hüfte und Steiß vorgestellt hat. So etwas gab es schon, mit dem Erscheinungsbild eines Motorradfahrers mag aber niemand auf dem Pferd sitzen. Damit die Hose von der Reiterin akzeptiert wird, darf sie vor allem an den Oberschenkeln nicht zu sehr auftragen. Die Polster der knapp 220 Euro teuren ESX Protection sind deshalb nur rund einen halben Zentimeter dick. Das weiche Material namens Poron biete trotzdem einen guten Schutz, sagt Jansen, es verhärte sich unter Druck.

          Prellungen sind unangenehm, die häufigste und schwerste Unfallfolge sind aber Kopfverletzungen. Deshalb ist es gut, dass sich das Tragen eines Helmes in den meisten Pferdesportarten inzwischen durchgesetzt hat, Ausnahmen sind noch einige Dressur- und viele Westernreiter. Für Reithelme gibt es eine europäische Norm (EN 1384), die den spezifischen Anforderungen gerecht werden soll. Im Vergleich etwa zum Fahrradfahrer fällt der Reiter tiefer. Unterwegs im Gelände muss mit spitzen Steinen oder Ästen gerechnet werden, die durch großzügige Belüftungsschlitze dringen könnten. Eine neue Norm ist in Arbeit, sie soll im nächsten Jahr kommen. Für die Hersteller gilt derweilen eine Übergangsbestimmung (VG1) mit höheren Anforderungen. „Unsere Helme erfüllen alle die VG1“, sagt Steffen Kelam, der beim Hersteller KED für die Reithelme zuständig ist. Das sei Glückssache. Wie zu hören ist, gibt es Hersteller, die damit Schwierigkeiten haben. Ein Kopfschutz nach der alten EN 1384 sei aber nicht unsicher, meint Kelam. Das ist wie beim Auto, die neue Generation hat zwei Airbags mehr. Jeder Helm ist ein Kompromiss zwischen Sicherheit und Tragekomfort. Der beste Helm nutzt nichts, wenn er nicht aufgesetzt wird, weil er unbequem schwer ist und der Reiter darunter zu sehr schwitzt. Und eine unsichtbare harte Schale unter dem Stetson ist immer noch weniger schlecht als gar kein Schutz. Nach ein paar Jahren oder einem schweren Aufprall muss der Helm ausgetauscht werden.

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