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Aus für letzte Steinkohlezeche : Licht aus und Pumpen an

Das Gestein im vorderen Teil des Flözes ist bis zu 50 Grad warm. Mit mächtigen Klimaanlagen werden akzeptable Arbeitstemperaturen geschaffen. Bild: Frank Röth

An diesem Freitag schließt Deutschlands letzte Steinkohlezeche. Bergleute werden den symbolisch letzten Förderwagen ans Tageslicht in Bottrop holen. Eine 150 Jahre währende Ära endet. Und die Ewigkeit beginnt.

          Wohl dem, der das Glück hatte, einmal in den Berg einfahren zu dürfen. 1200 Meter unter der Erdoberfläche relativieren sich die Jammereien all der an Schreibtischen gestressten Angestellten und Manager. Wenn in der Tiefe die Fahrstuhltür zur Seite fährt, öffnet sich eine Landschaft aus Schächten und Gängen und Kabeln und Schienen und Gerät, von dem Otto-Normalkohleverbraucher noch nie etwas gesehen hat.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Der Boden ist uneben, der Begriff Bergsteigen ist auch unter Tage angebracht. Je näher der Weg an den Hobel oder Schrämlader führt, desto enger wird er. Die gebückte Haltung könnte auch eine Geste der Demut sein vor denen, die auf dem Bohrkopf sitzen, nur in Shorts, ganz vorne ist es noch wärmer als im Rest des Strebs. 50 Grad hat das Gestein. Um akzeptable Arbeitsbedingungen zu schaffen, stehen alle paar Meter Klimaanlagen. Sie machen Krach und pusten frischen Wind in den Schacht, weshalb es zieht wie Hechtsuppe.

          Doch so herrschen nur 35 Grad. Steinkohlebergbau ist Bruchbau. Das Gestein kracht nieder, kaum dass die Kohle im meist keine zwei Meter mächtigen Streb auf einer Länge von 200 bis 300 Metern abgebaut ist.

          Grob, aber herzlich: Unter Tage herrscht schweres Gerät Bilderstrecke

          Man muss nun wohl den Begriff Industrieromantik einwerfen, denn rechnen tut sich all das längst nicht mehr. Seit den sechziger Jahren muss die deutsche Steinkohle subventioniert werden, seither liegen die Förderkosten über den Preisen von Importkohle. Rund 150 Milliarden Euro sind zugeschossen worden. Nun wird abgeschlossen mit dieser Ära, alle noch funktionsfähigen Maschinen werden über die Bergbaustiftung RAG verkauft.

          Dem Ende wohnt gleichwohl ein Anfang inne, wenn auch kein zauberhafter. Das sich in den Stollen sammelnde Grubenwasser muss abgepumpt werden. Und zwar auf ewige Zeiten. Sonst versänke die Region zwischen Duisburg und Moers 12 Meter tief in einer überdimensionalen Badewanne. Was auch auf ewig bleiben möge, ist der Respekt vor den Bergleuten. Danke, Kumpel.

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