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Deutscher Mobilitätspreis : Geistesblitze gegen Stau und Schmutz

Die gesamte Hochspannungstechnik entfällt

Am Elektromotor selbst lässt sich offenbar auch noch etwas verbessern. Der neue Antrieb der Volabo GmbH aus Ottobrunn ist nach Angaben seiner Erfinder um ein Viertel effizienter als herkömmliche Exemplare, die Idee dazu kam aus dem Lehrstuhl für elektrische Antriebstechnik der Bundeswehruniversität München. Und das soll so funktionieren: Bisher wird durch die Wicklung eine Polpaarzahl festgelegt, die nicht mehr verändert werden kann. Jenseits des optimalen Betriebspunktes nimmt deshalb der Wirkungsgrad ab. Im neuen Motor mit der Bezeichnung Iscad (Intelligent Strator Cage Drive) kann dagegen die Zahl der Pole während des Betriebs variiert werden. Er hat keine gewickelten Spulen mehr, sondern einen massiven Statorkäfig aus Aluminiumstäben, der zudem günstig zu produzieren ist. Jeder Stab wird über eine eigene Elektronikeinheit mit Strom versorgt, der Motor kann daher ständig an das Lastprofil angepasst werden. Das Magnetfeld lässt sich laut Hersteller beliebig formen, das wirke wie ein integriertes elektromagnetisches Getriebe. Das maximale Drehmoment stehe auch in hohen Drehzahlen noch zur Verfügung. Der Motor arbeitet mit 48 Volt, die gesamte Hochspannungstechnik entfällt also, allerdings werden dann dicke Leitungen gebraucht. Trotzdem sollen Motoren mit mehr als 300 kW Leistung möglich sein.

Aber es geht auch abgehobener. Flüge mit Drohnen sind riskant – besonders wenn der Pilot am Boden nicht sieht, wo sein Gerät gerade ist. Um es künftig also ferngesteuert auch außerhalb der Sichtweite schweben zu lassen, haben die Deutsche Flugsicherung und die Deutsche Telekom ein Projekt namens Connected Drones eingeleitet. Es integriert Drohnen über den Mobilfunk in den Luftverkehr. Dazu wurde ein Gerät entwickelt, das an der Drohne angebracht wird. Darin stecken ein GPS-Modul und eine Mobilfunk-Sendeeinheít. Die Drohne loggt sich ins Netz ein und sendet ihre Positionsdaten, die bei der Flugsicherung in ein Managementprogramm eingespeist werden. Dieses erstellt anhand der Daten ein Luftlagebild, das alle Drohnen erfasst.

Zurück auf den Boden, aber immer noch digital: Der Verein Wielebenwir hat mehr als 60 über Deutschland verteilte Initiativen eingesammelt, die Lastenräder unentgeltlich verleihen. Er stellt ihnen das Werkzeug zur Organisation zur Verfügung. Die einzelnen Initiativen können damit eine eigene Website entwickeln, die als eigenständige Marke wahrgenommen wird. Insgesamt werden so bisher 130 Lastenräder für rund 10 000 Nutzer koordiniert. Ebenfalls logistischer Natur ist die App der Getaway GmbH aus Berlin. Sie ermöglicht das Mieten und Vermieten von parkenden Privatautos über das Smartphone, das die Autos öffnet, der Schlüssel liegt im Handschuhfach. Die Fahrtkosten werden über die App abgerechnet, laut Getaway ist das Auto rundum versichert. Ebenfalls dem erleichterten Teilen dient die App Free-2-Move der GHM Mobile Development aus Berlin. Sie versammelt Sharinganbieter aller Art auf einer Plattform, dort können die Angebote verglichen und gebucht werden.

Eine weitere Form der Vermittlung, aber nicht von Autos, sondern von freien Containern, bietet die Onlineplattform Visi-Match der Visi Trans GmbH aus Obermoschel. Sie soll dabei helfen, frei werdende Frachtcontainer direkt wieder zu beladen, dadurch können Leertransporte vermieden oder verringert werden. Denn bisher gebe es keine zentrale Datenverarbeitung und auch kein einheitliches Datenformat. Auf Visi-Match können Importeure und Exporteure künftig über eine Schnittstelle Informationen hochladen, wann und wo Container der benötigten Größe zur Verfügung stehen. Den Personenverkehr soll dagegen die App Ticket Easy der Motion Tag GmbH aus Potsdam erleichtern. Es ist ein virtuelles Fahrticket, das ohne zusätzliche Infrastruktur auskommt. Durch maschinelles Lernen mittels Smartphone-Sensoren werden laut Anbieter zehn verschiedene Transportmittel mitsamt der Nutzungswerte wie Distanz und Dauer der Reise vollautomatisch erkannt. Die Plattform sei so konzipiert, dass öffentliche Verkehrsmittel und andere Mobilitätsdienste integriert werden können.

Diese zehn Sieger werden auf einer Veranstaltung im Herbst geehrt. Ihnen winkt nicht nur der Preis, sondern auch, wie die Erfahrung mit den Gewinnern der vergangenen Jahre zeigt, eine rasante Weiterentwicklung.

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