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Deutsche Bahn : So wird die Schiene schlauer

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Die Bahn auf der Suche nach Problemlösern. Bild: LAIF

Die Bahn holt sich neue Ideen von außen in den Konzern. Vom Innovationsmanagement sollen auch Instandhaltung und Betrieb des 33.400 Kilometer langen Netzes profitieren.

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          Was Künstliche Intelligenz (KI) für ein Infrastruktursystem mit bald 185 Jahre alten Wurzeln tun kann? Eine Menge, wenn es nach der Deutschen Bahn geht. Zum Beispiel könnten digitale Systeme die Videoaufzeichnungen der Oberleitungsmesszüge automatisch auswerten. „Das ist eines unserer ganz frischen Themen von der diesjährigen Start-up-Auswahl“, sagt Bianca Renner. Die promovierte Betriebswirtin leitet seit 2015 die Abteilung „Grundsätze Stellwerks-, Telekommunikations-, Elektrotechnik“ von DB Netz in Frankfurt am Main.

          Das klingt sperrig und ein wenig nach Bundesbahn-Organisation, steht aber für ein kleines, junges Innovationsteam im großen Mobilitätskonzern. Die 26 Mitarbeiter suchen unter anderem nach Innovationen insbesondere von Start-ups, die sich für die Weiterentwicklung der Bahn-Infrastruktur nutzen lassen. So wie eben die automatische Auswertung von Messzug-Videos. Das soll dazu führen, eventuelle Schäden an der Oberleitung schneller und zuverlässiger zu erkennen als bisher.

          Solche frischen Ideen kann die Bahn gut gebrauchen. Denn seit 1835 hat sich das Netz der deutschen Eisenbahn mehr oder weniger organisch entwickelt. Das ist bis heute in der bestehenden Struktur zu spüren, trotz Großvorhaben von der Schnellfahrstrecken-Offensive vor 30 Jahren bis zur Eröffnung der VDE 8 von Berlin nach München Ende 2017. Und so schnell wird sich an der Grundlage nichts ändern. Denn der Neubau von Strecken dauert nicht nur lange, sondern er stößt auf immer mehr Widerstand aus der Bevölkerung.

          Kurzfristig soll die Störanfälligkeit reduziert werden

          Dabei brauchte die Bahn eigentlich dringend mehr Netzkapazität, wenn die Pläne für mehr Personen- und Güterverkehr Wirklichkeit werden sollen. Umso wichtiger also, dass der Verkehr im bestehenden Netz so effizient und zuverlässig wie möglich läuft. Kurzfristig soll daher die Störanfälligkeit reduziert werden, mittelfristig will man das bestehende Netz modernisieren, und für die langfristige Perspektive steht die Vision der „Digitalen Schiene“ mit digitalen Stellwerken, durchgehendem Einsatz der Leit- und Sicherungstechnik European Train Control System und dem weiteren Ausbau der Schienen-Infrastruktur.

          Das Innovationsteam vom Main hat dabei vor allem die Aufgabe von Kundschaftern: neue Lösungen entdecken, bewerten, weiterentwickeln und das jeweilige Projekt schließlich mit dem passenden Reifegrad an die entsprechende Fachabteilung übergeben. Die erfolgreiche Serieneinführung steuern Bianca Renner und ihre Mannschaft also nicht mehr. „Das kann von der ersten Idee bis zur Umsetzung auf 33 400 Kilometer Strecke auch dauern“, erklärt Renner. Außerdem erarbeitet die Abteilung auch Regelwerke für die Technologieentwicklung im Unternehmen.

          Automatische Bilderkennung wird eingesetzt

          Ein großes Innovationsthema von DB Netz ist die digitale Sensorik und Signalauswertung, um Störungen aller Art zu reduzieren. Zu den Projekten gehört auch die digitale Risikokarte für das Vegetationsmanagement. Sie basiert auf Satellitenbildern sowie Luftaufnahmen. Unter anderem wird bei deren Auswertung automatische Bilderkennung eingesetzt, um frühzeitig auf Bäume aufmerksam zu machen, die bei einem Sturm aufs Gleis stürzen könnten.

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