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König der Werkzeuge : Das ist der Hammer

Schweißer, Polsterer oder Arzt – alle haben Hämmer

So vielfältig wie die Einsatzmöglichkeiten sind die Formen. Allen Hämmern gemein ist die Bahn. Diese ist in den meisten Fällen nicht ganz plan, sondern leicht gerundet. Der Genno ist ein Fäustel und hat zwei davon. Mit der ganz flachen wird der Nagel eingeschlagen, mit der gerundeten versenkt. Die Rundung soll verhindern, dass der Hammer das Material trifft statt den Nagel. Noch stärkere Rundungen dienen zum Treiben von Blechen oder zum Bearbeiten von Leder.

Das Standardgerät am Bau, der Latthammer, hat manchmal eine Rille mit Bucht, die bis zur Bahn reicht. Der Nagel wird dort magnetisch festgehalten, so dass er mit dem ersten Schlag gesetzt werden kann. Die Bahn selbst wird zuweilen mit feinen Rillen versehen, damit der Kopf nicht am Nagel abrutscht. Spezielle Zwecke erfordern besondere Formen: Der Schieferhammer des Dachdeckers hat unterhalb des Kopfes eine einseitig abgeschrägte Klinge, mit der die Platten gekürzt werden; es gibt ihn in Ausführungen für Rechts- und Linkshänder. Ob Polsterer, Schweißer, Geologe, Richter oder Arzt – alle haben Hämmer, die ihrem Verwendungszweck angepasst sein sollen.

Den erkennt man oft erst an der zweiten Seite. Die Finne beweist zugleich, dass die Übergänge fließend sind. So ist nicht immer eindeutig, ob es sich um Hammer, Beil, Hacke oder Dechsel handelt. Der Spalthammer der Forstwirtschaft etwa ist ein Vorschlaghammer und zugleich eine Spaltaxt. Die schmale Finne des Schlosserhammers hilft, kleine Nägel anzusetzen, und dient zum Dengeln. Am Schreinerhammer ist sie nach unten versetzt, am Maurerhammer zur Schneide geformt. Der Latthammer hat an dieser Stelle einen Dorn; damit kann man ihn zur Sicherung oder als Trittstufe ins Gebälk hauen. Oft ist die Finne als Klaue gestaltet, mit der Nägel gezogen werden. Die gebogene Form verlagert zudem den Schwerpunkt etwas nach hinten. Beim Auftreffen entsteht eine leichte Drehkraft, die das Arbeiten angenehmer macht.

Schweres Gerät und der leichteste Hammer der Welt

Der Schmied verwendet für das oben beschriebene Kunststück relativ schweres Gerät mit Kopfgewichten von ein bis zwei Kilogramm, und er lockert die Armmuskulatur zwischendurch mit leichten Schlägen auf den Amboss. Vorschlaghämmer sind mit Kopfgewichten zwischen fünf und zehn Kilogramm noch dicker, sie werden unter Einsatz des ganzen Körpers ins Ziel gebracht. Die unteren Gewichtsklassen werden aus dem Handgelenk geschlagen, dort gehören die Hämmerchen der Uhrmacher und Goldschmiede mit etwa 70 Gramm zu den leichtesten.

Im Vergleich zum kleinsten Hammer der Welt ist das noch riesig. Er ist nur 0,55 Millimeter lang und so leicht, dass man ihn versehentlich fortblasen könnte. Sein Besitzer, der Bildhauer Oskar Mahler, hat ihn deshalb in einer Vitrine unter die Lupe gelegt. Sie ist in Mahlers Hammermuseum nahe dem Frankfurter Hauptbahnhof neben rund 1500 anderen Exponaten zu bewundern, die auf engstem Raum untergebracht sind. Er bekomme Hämmer aus aller Welt zugeschickt, sagt der Künstler. Darunter sind Kuriositäten wie ein mechanischer Schlagbohrer aus einem Hammer und Fahrradteilen. Ein Exemplar diente zum Zerkleinern von Kandiszucker, andere sind aus Stein oder Motorventilen gebastelt, und wofür eine seltsame Form mit Quersteg an der Finne gut ist, weiß Mahler selbst nicht.

Bei so vielen Talenten wundert es nicht, dass dieses Werkzeug in der Mythologie einen festen Platz hat. Thor ließ mit seinem Hammer Mjöllnir die Erde erzittern, hammerführende Götter hatten auch die Kelten und die Etrusker. Der Hammer zierte die Flaggen der DDR und der Sowjetunion, Österreichs Staatsadler hält ihn heute noch in der Klaue. Jeder kennt die Holzhammermethode. Sie findet auf der Kirmes Anwendung. Dort haut man auf den Lukas, bis er klingelt. Warum der gerade so heißt, hat uns noch niemand erklären können. Das findet der Autor, der als Kind damit veralbert wurde, irgendwie schade.

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