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Tab Wohnwagen : Ei der Knaus

Ein schöner Rücken: Der große Tab wirkt gestreckter als der kleine. Bild: Hersteller

Wer einen Tab will, lässt alle anderen Wohnwagen links liegen. Nur ist das Original winzig. Für Leute, die etwas mehr Platz möchten, gibt es den großen Bruder.

          Manche Aussage des Fachmanns ist so einleuchtend, dass man schon aus Prinzip nicht widersprechen möchte. „Ein Ei bleibt ein Ei“, sagt der kundige Reifenmonteur und meint damit, dass er wuchten kann, wie er will, das Rad läuft trotzdem nicht rund. Andernorts wird die ovale Form eher geschätzt, die Anhänger der Tab genannten Wohnwagen von Knaus Tabbert sind eine verschworene Gemeinschaft der Nonkonformisten. Sie lieben ihre Knutschkugel, und etwas Normales käme ihnen weder in den Sinn noch an den Haken.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Autor dieser Zeilen gehört zum Clan, seit Jahren dient ihm ein Tab 320 als Urlaubsunterkunft. Der Kollege war mit der aktuellen Version vor nicht allzu langer Zeit unterwegs (Technik und Motor vom 3. Januar 2017) und voll des Lobes – mit der Einschränkung, dass der knubbelige Bettanhänger mit Kochnische für seine stattliche Statur doch etwas winzig ausfällt. Dem Manne kann geholfen werden. Neben dem Original gibt es seit einigen Jahren unter der Bezeichnung Tab 400 (die Zahl entspricht grob der Nutzlänge) eine Variante, die in allem eine Nummer zugelegt hat. Ein Groß-Ei also, das trotzdem noch fast so aussieht wie das Klein-Ei. Laut Unternehmen kommt die Idee an, die beiden teilen sich den Markt brüderlich.

          Von außen ist der 400 an den zwei Bullaugen statt des einen links zu erkennen, außerdem gibt es ein schlankes Fenster am runden, aber länger gezogenen Rücken und deutlich mehr Überhang hinter der Achse. Der Lokus der zierlichen Nasszelle wird über eine Außenklappe entleert, im Kleinen gibt es beides erst gar nicht, stattdessen steht ein Sitzkasten im Wohnraum, in dem ein Winzklo untergebracht werden kann. Im Sanitärraum des 400 lässt sich gegen Aufpreis sogar duschen, was für den Kollegen eher von theoretischem Wert ist, weil er überall anstieße. Aber er könnte trotz Gardemaß im gesamten Innenraum stehen. Der Zuwachs an Länge (597 statt 517 Zentimeter, Breite (225 gegenüber 201 und Höhe (261 anstelle von 255 Zentimeter) macht sich also in jeder Hinsicht wohltuend bemerkbar, der Nutzwert steigt. Das geht einher mit einer Grundrissänderung, die Küchenzeile mit dreiflammigem Kocher wandert an die Längsseite gegenüber der Sanitärzelle und des arg kompakten Schranks, im Bug gibt es dafür eine Sitzgruppe für nominell drei Personen, unter der ein Wassertank mit 45 Liter Inhalt steckt. Wirklich Platz ist dort nur für zwei Leute, und selbst die sitzen auf die Dauer nicht übermäßig bequem, weil die Lehne steil ist. Dafür entschädigt der Panoramablick aus dem großen Fenster nach vorn. Und notfalls kann die Gruppe zu einem Bett umgebaut werden.

          Für das dritte Bett muss die Sitzgruppe geopfert werden. Bilderstrecke

          Komfortabel ist der Tab 400 auf die Dauer nur für zwei Leute, höchstens mit Kind. Die müssen sich mögen, denn das Bett im Heck – es ist fest eingebaut und hat einen Lattenrost – ist nur 145 Zentimeter breit, geschlafen wird quer zur Fahrtrichtung. Im Vergleich zum kleinen Bruder, der 30 Zentimeter mehr Breite auf der umfunktionierten Sitzgruppe bietet, aber längs liegen lässt, hat das Vor- und Nachteile: Bei nicht ganz idealer Ausrichtung des Wagens auf der Rampe liegt der Kopf halt etwas höher, das beeinträchtigt nicht den Schlaf; die Neigung zum Partner wird über die Kurbel der Deichsel millimetergenau geebnet, was beim Schlafen in Längsrichtung nicht geht. Aber einer von beiden muss, wenn er oder sie nächtens das Bett verlassen will, über den anderen klettern. Der wohlgeformte Rücken des Tab erweist sich hier als störend, irgendwo stößt immer der Kopf an – meist an den Sonnenschutz-Lamellen des Heckfensters, die sich darüber laut beschweren. Und weil wir schon bei den Geräuschen sind: Das Aufstellen und Schließen erfolgt mühelos mittels Elektromotor, der deutlich zu vernehmen und erschreckend langsam arbeitet. Nachts ist das auf dem Campingplatz peinlich.

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