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Die Bahn und Design : Gute Gestaltung fürs Gleis

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ICE-Triebkopf mit silbernem DB-Logo

Von den beiden an Zeichensäle erinnernden Ausstellungsräumen im Museum selbst erstreckt sich die Schau in 20 Geschichten bis in die Fahrzeughallen und den Außenbereich. In den Hallen sind unter anderem zwei Modelle des ICE im Originalmaßstab zu sehen, sogenannte „Mock-ups“. Neben dem Nachbau der ersten deutschen Lokomotive „Adler“ von 1835 steht ein ICE-Triebkopf mit silbernem DB-Logo. Das Exponat war 1995 Teil einer Installation der Deutschen Bahn AG in München, mit der die kommenden Generationen des Intercity-Express (ICE 3 und ICE T) vorgestellt wurden. Aus dem Jahr 2011 stammt das Mock-up des ICE 4, dessen Auslieferung noch immer läuft. Bis zur Mitte des Jahrzehnts soll die Flotte über 130 Züge umfassen. Das Design der beiden Züge stammt von Alexander Neumeister, der schon den ICE-V der 1980er-Jahre entworfen hatte.

Die bewusste gestalterische Auseinandersetzung der Eisenbahn mit Fahrzeugen und ihrer Einrichtung, mit Markenzeichen und Kommunikationsmitteln begann um 1900. Beeinflusst wurde die Entwicklung von größeren ästhetischen Diskursen der Zeit. Unter anderem gab die Werkbund-Bewegung Impulse für die Architektur von Bahngebäuden. Die In- spiration nahm aber auch den umgekehrten Weg: Für ihre „Frankfurter Küche“ der 1920er-Jahre holte sich die Margarete Schütte-Lihotzky Anregungen bei den effizient durchgeplanten Küchen der Mitropa-Speisewagen.

Abgeleitet von den brandenburgischen Provinzialfarben Rot und Weiß

Die Ausstellung erzählt viele solcher Geschichten zwischen Technik, Ästhetik, Wirtschaft und Alltag. Da ist beispielsweise die Erfolgsstory der Berliner S-Bahn, die sich in den 1920er-Jahren aus den veralteten Stadt-, Ring- und Vorortbahnen zu einem hochmodernen Verkehrssystem entwickelte. Von der innovativen Bauart „Stadtbahn“ wurden in den Jahren 1928 bis 1931 insgesamt 1276 Trieb-, Steuer- und Beiwagen angeschafft. Die letzten Fahrzeuge der Baureihe 475 wurden erst 1997 von der Deutschen Bahn ausgemustert. Die Farbgebung der Anfangszeit in Ocker und Bordeauxrot hat sich bis zu den jüngsten Berliner S-Bahn-Zügen der Baureihen 483 und 484 erhalten. Abgeleitet ist die Farbgebung, so berichtet der Museumsdirektor, von den brandenburgischen Provinzialfarben Rot und Weiß – die gedeckteren Töne der Stadtbahnzüge erwiesen sich allerdings als weniger verschmutzungsempfindlich.

Stromlinie und Zeppelinform: Die Bahn nahm insbesondere ab den frühen 1930er-Jahren neue Formensprachen aus Automobil- und Luftschiffbau auf. Davon zeugen damalige Stars der Schiene, beispielsweise der Schnelltriebwagen „Fliegender Hamburger“ von 1931 und die mit einer Stromlinienschale verkleidete Dampflokomotive der Baureihe 05 von 1935. Es waren aber viel pragmatischere Gründe, die das Design des größten Teils der Bahnfahrzeuge veränderte: „Vor allem bei den Lokomotiven hat die Normung das Bild am stärksten geprägt“, sagt Oliver Götze. Die 1920 gegründete Deutsche Reichsbahngesellschaft sorgte mit der baureihenübergreifenden Standardisierung viele Bauteile für dieses einheitliche Bild. Mitte des 20. Jahrhunderts eröffnen dann neue Konstruktionsmethoden und der verstärkte Traktionswandel hin zu Diesel- und Elektroantrieb der Gestaltung neue Möglichkeiten. Dieses Potential schöpfte die junge Deutsche Bundesbahn in den 1950er-Jahren aus. Designklassiker wie VT 11.5 (der deutsche Trans-Europa-Express), die Diesellokomotiven der V-160-Familie und der Elektrotriebwagen ET 20 entstanden damals bei der MAN unter der Leitung des Industriedesigners Klaus Flesche und werden in der Ausstellung gezeigt.

Die in mehr als zwei Jahren entwickelte und umgesetzte Schau greift auch die Designkonferenz „ride71“ auf. Damit schließt sich der Kreis. Denn als die Konferenz 1971 im Gebäude des heutigen DB Museums stattfindet, beginnt auch die Geschichte des Intercity der Deutschen Bundesbahn – mit dem mild psychedelischen Muster der Bezüge auf den Sitzen der Ersten Klasse.

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