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Das Voyager-Programm : Durch unendliche Weiten

  • -Aktualisiert am

Eine Flaschenpost für E.T. ist diese goldene Platte. Bild: (c) NASA/Science Faction/Corbis

Sie sind das Menschenwerk, das es am weitesten gebracht hat, und sie werden wohl nicht zur Erde zurückkehren: die beiden amerikanischen Sonden des Voyager-Programms.

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          Von Hamburg nach München in einer knappen Minute? Das geht, aber man müsste etwa 60.000 km/h schnell sein. Auch das geht im Prinzip. Allerdings nur mit einem sehr speziellen Gefährt, und in das kann man nicht mehr einsteigen. Um die knapp 800 Kilometer zwischen den beiden deutschen Metropolen in noch nicht einmal 60 Sekunden schaffen zu können, müsste man in einer der beiden amerikanischen Voyager-Raumsonden sitzen. Die sind mit diesem Tempo unterwegs, aber längst nicht mehr in Reichweite.

          Die Zwillingsspäher der Menschheit jagen seit 38 Jahren auf unterschiedlichen Bahnen durchs All. Im Spätsommer 1977 wurden sie nacheinander, erst Voyager 2, dann Voyager 1, an der Spitze von Titan-Centaur-Raketen in Cape Canaveral auf die große Reise geschossen. Die eine Sonde fliegt aus Erdsicht nach Norden, die andere nach Süden. Aber da draußen gelten unsere Himmelsrichtungen nicht mehr.

          Beide Sonden legen jeden Tag 1,4 Millionen Kilometer zurück, und eine davon, Voyager 1, kann in diesem Herbst einen Rekord melden: Sie ist nun 20 Milliarden Kilometer von der Startbasis entfernt. Ihr Zwilling hingegen hat wegen eines anderen Bahnverlaufs erst 16,4 Milliarden Kilometer auf dem Tacho (genaue Angaben dazu unter: http://voyager.jpl.nasa.gov/where/index.html).

          Die Entfernungen wirken gigantisch. Das sind sie auch - jedenfalls im irdischen Maßstab mit Menschenaugen betrachtet. In Wahrheit sind die beiden Kundschafter jedoch gerade einmal sozusagen im Vorgarten der Erde angelangt, nimmt man die unendlichen Weiten des Weltraums zum Maßstab. Die beiden Voyager sind auch trotz Höchstgeschwindigkeit 60.000 km/h nicht etwa superschnell, sondern eher lahme Enten, wenn wiederum das All als Maßstab dient.

          Die Sonden müssten schon mit Lichtgeschwindigkeit reisen, um die unvorstellbar großen Distanzen einigermaßen zügig zurücklegen zu können. Lichtgeschwindigkeit heißt, dass in der Sekunde runde 300 000 Kilometer, in einer Stunde also 1,08 Milliarden Kilometer geschafft würden. Mit von Menschen gemachter Raumfahrt-Technik kommen wir bislang nicht einmal in die Nähe dieser Geschwindigkeiten. Sie werden wahrscheinlich nie realisierbar sein, vor allem aber nicht als Reisegeschwindigkeit von Menschen wie in der Science-Fiction.

          Nur rund alle 175 Jahre in günstiger Position

          Noch ist nicht klar, welchen Planeten oder Stern Voyager 1 in einigen tausend Jahren erreichen wird. Klar hingegen ist bereits, wie lange Voyager 2 noch fliegen muss, bis die Sonde in die Nähe des nächsten Sterns kommt: Er heißt Ross 248 und wird erst im Jahr 40.155 unserer Zeitrechnung von der kosmischen Flaschenpost in großer Entfernung passiert werden.

          Die Aufgaben der beiden Raumreisenden bestanden darin, die vier gewaltigen äußeren Planeten unseres Sonnensystems aus der Nähe zu erkunden - Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Ausgestattet sind die Schwestersonden unter anderem je mit einer Parabolantenne für den Kontakt zur Heimat, einer Radioisotopen-Batterie zur Stromerzeugung, einem Tank mit Hydrazin als Treibstoff für die Schub- und Steuerdüsen, verschiedenen wissenschaftlichen Messinstrumenten und natürlich mit je einer Spezialkamera.

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