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Arbeiten in Haus und Garten : Mit Hammer und Spaten gegen den Corona-Blues

Bei Langeweile: Raus in den Garten! Bild: Julia Zimmermann

Wie verbringt man jetzt am besten seine freie Zeit? Wohl jenen, die Haus und Garten haben. Und auch sonst schlägt die Stunde der Heimwerker.

          5 Min.

          Distanz zu wahren ist in diesen Tagen ganz nützlich. „Nein, es gibt nichts“, platzt es etwas genervt aus dem Mann heraus, die feuchte Aussprache landet weit vor dem Fragenden. Der ist gar nicht auf der Suche nach Toilettenpapier, sondern braucht einen Atemschutz. Gegen Schleifstaub, nicht gegen Viren. Wenigstens gibt der Angestellte in der Werkzeugabteilung Antwort, die meisten Kunden wollen erst gar nicht reden. Aber auf die Idee, dass zumindest die besseren Exemplare mit Ventil vielfältig eingesetzt werden können, waren offensichtlich schon andere gekommen.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Leere Regale im Hofheimer Baumarkt, dort, wo sonst die Gesichtsmasken hängen, die anderen vier in erreichbarer Nähe haben auch keine mehr. Trotzdem drängen sich die Leute – mit Sicherheitsabstand, versteht sich – und kaufen allerlei, was derzeit zu gebrauchen sein könnte. Wie lange das noch geht, ist offen, in Bayern und Sachsen sind inzwischen auch diese Geschäfte geschlossen.

          Jetzt schlägt die Stunde der Heimwerker. Im Netz kursieren Videos, wie man selbst einen Mundschutz bastelt, etwa aus mehrfach gefaltetem Küchenpapier und Gummibändern. Ob’s was nützt, ist offen, selbst die zertifizierten helfen nach offiziellen Darstellungen nicht viel, also vielleicht doch ein bisschen, und schaden kann es ja nicht. Sicher ist, dass Desinfektionsmittel gebraucht wird, nur gibt es halt keines mehr. Mark Benecke, ein als „Dr. Made“ bekannter Kriminalbiologe, zeigt, wie man sich etwas zusammenrührt: Man nehme Isopropanol oder Bioethanol – in handelsüblichen Mitteln ist auch nichts anderes – und etwas Essig- oder Zitronensäure (Entkalker), das Ganze mit einem Schuss Wasser verdünnt. Dann ab in die Pumpflasche. Indessen, auch der Alkohol ist vielerorts ausverkauft. Online gibt es ihn anscheinend noch, fraglich ist, wann die Lieferung kommt. Spiritus ginge, stinkt aber entsetzlich. Wer es über sich bringt, kann als Ersatz Wodka nehmen.

          Die Verlockung ist groß

          Das Anmischen dauert nicht lange. Wer jetzt viel Zeit hat, kann sie aber endlich sinnvoll für jene Arbeiten einsetzen, die in Haus und Garten darauf warten, erledigt zu werden. Und so türmen sich in den Einkaufswagen vor Toom, Obi oder Hornbach Farben, Tapeten, Pflanzerde und Gartengeräte. Die Verlockung, freie Zeit mit Hausputz, Renovierung und Handwerksarbeiten in Eigenleistung zu füllen, ist groß. Deshalb gleich an dieser Stelle eine Warnung: Nirgends passieren so viele Unfälle wie im Haushalt. In der Wohnung sind vor allem Stürze beliebt, weil die Leiter wackelt oder, noch schlimmer, sie erst gar nicht benutzt, sondern durch ungeeignete Utensilien wie Stühle und Bänke ersetzt wird.

          Den Heimwerker im Bastelkeller, der mit Werkzeug arbeitet, plagen vor allem Schnittwunden, Quetschungen und Augenverletzungen. Wer vorher nicht mit Hammer, Säge und Winkelschleifer umgehen konnte, sollte es jetzt auch lieber lassen. Neben Vorsicht hilft eine Schutzausrüstung; also Brille, Handschuhe und Atemschutz tragen, falls vorhanden, siehe oben. Denn wenn Ärzte und Krankenhäuser derzeit eines nicht gebrauchen können, sind das Kunden, die dringend benötigte Kapazitäten wegen selbstverschuldeter Unfälle binden.

          Obacht mit den Leitern

          Dies vorangestellt, wandert jetzt der Blick übers Eigenheim. Eine kleine, ganz und gar nicht repräsentative Umfrage unter Kollegen ergibt, dass sie, soweit sie nicht im Homeoffice mit den Tücken der Elektronik kämpfen, das gute Wetter für den Frühjahrsputz nutzen, die Wände streichen – Obacht mit den Leitern – oder erst mal entrümpeln. Wegschmeißen, was seit langem nicht gebraucht wurde, macht Spaß. Zum Beispiel alte Blumentöpfe, wir haben ein paar Pflanzen umgesetzt. Doch das gute Wetter der vergangenen Tage treibt uns nach draußen. Dort kommt am Hause des Autors zunächst der Hochdruckreiniger zum Einsatz, er befreit Fassade und Veranda von Schmutz und Algen. Eine nicht besonders beliebte, doch notwendige Verrichtung ist das Reinigen der Dachrinne. Wer das aus guten Gründen vom Boden aus machen will, kann eigens dafür konstruierte Geräte benutzen. Wir haben seit Jahren so etwas mit gutem Erfolg im Gebrauch, der teleskopierbare Stiel reicht locker für die Höhe des Einfamilienhauses, und die oben angebrachte kleine Schaufel aus Kunststoff beseitigt zuverlässig die Blätter der Buchen vom Wald vor dem Haus.

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