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Containerschiffe : Einmal Volltanken für 5,3 Millionen Euro

  • -Aktualisiert am

Um die Motor-Energie in Schub umzuwandeln, wird die Leistung des Aggregats über eine Welle auf den Propeller übertragen. Die Welle ist 37 Meter lang und hat einen Durchmesser von 805 Millimeter, sie ist aus Schmiedestahl gefertigt und im Maschinenraum mit Flanschkupplungen verbunden. Sie endet in der Schiffsschraube, die mit Hilfe eines Öldruckpressverbands auf das konische Ende der Propellerwelle gezogen ist. Der sechsflügelige, 96 Tonnen schwere Propeller besteht aus einer Legierung von Kupfer, Nickel und Aluminiumbronze und misst im Durchmesser 9,20 Meter.

Das Öl zum Schmieren und Kühlen der Lager und Kolben befindet sich in einem 100.000-Liter-Tank unter dem Motorenfundament. Pumpen mit einer Leistung von 1230 Kubikmeter in der Stunde fördern das Schmieröl ins Triebwerk. Von dort fließt es frei ab in die Kurbelwanne und dann gesammelt in den Tank zurück. Es hält ein Schiffsleben lang - also kein Ölwechsel nötig.

312 Tonnen Treibstoff in 24 Stunden

Der größte Teil der Betriebskosten fällt für den Treibstoff an. 11.500 Tonnen Schweröl fassen die Tanks, so dass einmal volltanken beim derzeitigen Ölpreis rund 5,3 Millionen Euro kostet, hinzu kommen 400 Tonnen Dieselöl für den Betrieb in ausgewiesenen Umweltschutzgebieten wie etwa der Nordsee.

So sieht Globalisierung aus: „Nevada“ am Containerterminal

Der Motor der „Nevada“ benötigt Schweröl mit einer kinematischen Viskosität von 700 cST (centistokes) bei 50 Grad Celsius. Unter normaler Umgebungstemperatur ist dieser Treibstoff von nahezu fester Konsistenz. Getankt wird wegen der günstigen Preise möglichst im Hafen von Rotterdam. Damit das Schweröl in die Tanks fließen kann, muss es vorgeheizt hineingepumpt werden. An Bord erzeugter Dampf hält das Öl auf Fließtemperatur. Spezielle Separatoren (Zentrifugen) befreien das Schweröl nach Erhitzung auf 100 Grad von festen Verunreinigungen und möglichen Wasserresten. Bei etwa 140 Grad wird der Treibstoff elektronisch gesteuert in die Motorzylinder gespritzt.

Konzipiert wurde die „Nevada“ für eine Dienstgeschwindigkeit von 24,5 Knoten (45,4 km/h). Bei voller Beladung beträgt der Verbrauch dann 312 Tonnen in 24 Stunden. Viele Reedereien sind dazu übergegangen, die Reisen mit reduziertem Speed zu absolvieren, sogenanntem „Slow Steaming“. Bei geringerem Tempo reduziert sich der Kraftstoffverbrauch deutlich: Bei 24 Knoten sind es 276 Tonnen, bei 20 Knoten 150 und bei elf Knoten nur noch 36 Tonnen Tagesverbrauch. Wenn die „Nevada“ heute überwiegend mit 20 Knoten (37 km/h) fährt, kann sie die Treibstoffkosten fast halbieren.

Technisch wären noch größere Schiffe möglich

Für den Strom an Bord nutzen die Zweiinselschiffe Hilfsdiesel. Das sind in diesem Fall vier Viertakt-Selbstzünder mit Hochaufladung und Ladeluftkühlung von MAN: zwei Achtzylinder-Reihenmotoren des Typs 8L32/40 mit 4000 kW (5440 PS bei 720/min) sowie zwei Sechszylinder vom Typ 6L32/40 mit 3000 kW (4080 PS). Die Hilfsdiesel verbrauchen den gleichen Treibstoff wie der Hauptmotor und haben jeweils 87 und 75 Tonnen Gesamtgewicht. Jeder der vier Hilfsdiesel hat die gleiche Leistung, die eine schwere Güterzuglokomotive auf die Schiene bringt.

Über die Hilfsdiesel stehen 13.200 kW an elektrischer Leistung zur Verfügung, die 6600 Volt auf eine Schalttafel in einem speziell gesicherten Hochleistungsschaltraum abgeben. Starke Aggregate wie die Querstrahlruder sowie die Haupt-Schmierölpumpen werden mit 6600 Volt gespeist. Der technische Betrieb an Bord benötigt 440 Volt Spannung, die über Transformatoren heruntergespannt werden. Für Lichtstrom und Kleingeräte stehen 230 Volt zur Verfügung und für Batteriestrom 24 Volt. Zur Versorgung von Kühlcontainern gibt es 1000 Anschlüsse an Bord, die gleichzeitig mit einer Leistung von je 6 kW belegt werden können.

Ob in Zukunft noch größere Containerschiffe bestellt werden, lässt sich nicht sagen. Technisch wären sie möglich. Aber als Folge der weltweiten Schifffahrtskrise erscheinen Schiffe von mehr als 18.000 TEU - wie sie schon im Bau sind - wenig sinnvoll. Das kann aber schon in ein paar Jahren ganz anders aussehen.

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